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24.10.2015

15:33 Uhr

Vietnam

Ein Land im Konsumrausch

Vietnams Konsumrausch wird weiter gefördert, denn die Kommunistische Partei öffnet ihr Land mit Höchstgeschwindigkeit. Nachdem sie das Wirtschaftssystem mehr und mehr liberalisiert hat, zündet sie jetzt die zweite Stufe.

Während sich das Wachstum in den Nachbarländern eintrübt, starten die Vietnamesen durch. Getty Images

Während sich das Wachstum in den Nachbarländern eintrübt, starten die Vietnamesen durch.

HanoiWas würde Ho Chi Minh wohl zu der Vincom Mega Mall sagen? Im Süden von Vietnams Hauptstadt Hanoi, nicht weit vom Mausoleum des kommunistischen Führers entfernt, hat der Milliardär Pham Nhat Vuong das größte unterirdische Einkaufszentrum Asiens in die Erde gemauert. Über dem Konsumtempel ragen Luxusapartments in die Höhe, den Zugang säumen griechische Statuen und Springbrunnen. Neben künstlichen Wasserfällen löffeln Vietnamesen Schwarzwälder Kirschtorte für umgerechnet vier Euro. Das ganze Areal trägt den nicht gerade kommunistischen Namen "Royal City".

Die Probleme der Schwellenländer

Brasilien

Präsidentin Dilma Rousseff genießt nur noch acht Prozent Zustimmung, vor allem wegen eines Korruptionsskandals. Der Autoabsatz ist im ersten Halbjahr um rund 20 Prozent eingebrochen. Die deutschen Autobauer müssen ihre Produktion spürbar drosseln. Die Inflation kletterte im Juli auf satte 9,56 Prozent – der Konsum bricht ein. Hinzu kommen externe Faktoren wie der schwache Ölpreis und die teils marode Infrastruktur.

Russland

Die Wirtschaft Russlands ist von April bis Juni um fast fünf Prozent geschrumpft. Die Talfahrt der Ölpreise macht dem von Rohstoffen abhängigen Land schwer zu schaffen. Hinzu kommen westliche Sanktionen und ein schwacher Rubel. Die Inflation beträgt aktuell mehr als 15 Prozent.

Indien

Laut eigenen Angaben ist die Wirtschaft Indiens aktuell um 7,3 Prozent gewachsen. Das überaus gute Ergebnis beruht allerdings auf einem Berechnungstrick der Regierung. Wichtige Sektoren wie die industrielle Produktion entwickeln sich weiter schwach. Die Infrastruktur ist völlig unzureichend, die Bürokratie enorm. Andererseits profitiert das Öl- und Gas-Importland von den niedrigen Rohstoffpreisen.

China

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde kämpft mit einer unerwartet schlechten Konjunktur, hohen Schuldenbergen, dem Platzen einer Aktienblase und schwachen Außenhandelszahlen. Die Zeiten des Turbo-Wachstums sind nach Meinung von Experten vorbei. Aktuell ist es so niedrig wie seit 1990 nicht mehr. Die überraschende Abwertung der Währung ließ ebenfalls Sorgen aufkommen, dass es um die Wirtschaft schlecht bestellt sei.

Südafrika

Präsident Jacob Zuma konnte bisher kein Skandal erschüttern. Die Wirtschaft in dem Land mit gut 50 Millionen Einwohnern schwächelt jedoch. Landesweite Stromausfälle würgen das geringe Wachstum ab und verhindern Neuinvestitionen. 2014 wuchs die Wirtschaft noch um 1,5 Prozent, was viel zu langsam ist. Die Arbeitslosenquote liegt offiziell bei 25 Prozent, bei Jugendlichen bei rund 35 Prozent. Der südafrikanische Rand hat stark an Wert verloren.

Vietnam ist im Konsumrausch - und dieser wird weiter gefördert, denn die Kommunistische Partei öffnet ihr Land mit Höchstgeschwindigkeit. Nachdem sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten das Wirtschaftssystem mehr und mehr liberalisiert hat, zündet sie jetzt die zweite Stufe, indem sie ein Freihandelsabkommen nach dem anderen vereinbart - darunter auch mit Wirtschaftsmächten wie der EU und den Vereinigten Staaten. Nachbarstaaten beobachten bereits kritisch, wie sich Vietnam geschickt wie eine Spinne im Zentrum der Handelsnetze positioniert hat, und fürchten Nachteile für sich.

Auch deutsche Unternehmen setzen auf Vietnams Wachstum. Roman Kübler, Vietnam-Chef des Medizintechnik-Unternehmens B.Braun, zeigt auf eine große Fläche direkt neben dem Hauptstandort außerhalb Hanois. Dort werde man bald das bereits bestehende Gebäude praktisch noch einmal bauen, sagt er. Die Zahl der Beschäftigten werde von 1000 auf 1300 steigen, rund 100 Millionen Euro wollen die Deutschen investieren. "In der Planung von B.Braun nimmt Vietnam eine große Rolle ein", sagt er. Gemeinsam mit Bosch gehöre man schon jetzt zu den größten deutschen Arbeitgebern in Vietnam. Man fühlt sich wohl: "Wer investieren möchte, dem stehen alle Türen offen", sagt Kübler.

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