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12.09.2015

12:32 Uhr

Von wegen Asien

Europa und USA sind Boommärkte für Dax-Konzerne

VonUlf Sommer

Die China-Krise hat viele Unternehmen kalt erwischt. Trotzdem hebt ein Großteil der Dax-Konzerne die Ertragsprognosen an. Der Grund: In Amerika laufen die Geschäfte gut – und in Europa legen sie sogar noch kräftig zu.

Ein Volkswagen-Mitarbeiter ein einem US-Werk: Die Autoindustrie profitiert vom robusten Wachstum. dpa

Volkswagen in den USA steigert Umsatz

Ein Volkswagen-Mitarbeiter ein einem US-Werk: Die Autoindustrie profitiert vom robusten Wachstum.

DüsseldorfContinental minus 13, Henkel minus 15 und Thyssen-Krupp minus 20 Prozent – und das in nur einem Monat. Alle 30 Dax-Konzerne haben in den letzten Wochen an Wert verloren, zusammengerechnet mehr als 100 Milliarden Euro. In China schwächelt die Konjunktur – daraus leiten Anleger schwächere Erträge für Deutschlands exportstarke Firmen ab.

Zu diesen Molltönen an der Börse passt aber gar nicht, dass Deutschlands Großindustrie in diesem Jahr vor einem Rekordgewinnjahr steht. Der Pharmariese Bayer, der Chemiespezialist Lanxess, der Gesundheitskonzern Fresenius und 56 weitere deutsche Unternehmen in der ersten und zweiten Börsenliga haben in diesem Jahr ihre Ertragsprognosen erhöht. Das ist Rekord.

Umsatz nach Regionen und wie sich die Umsätze je Konzern weltweit verteilen. Zur Ansicht der vollständigen Infografik einschließlich Tabelle bitte auf die Bildlupe klicken.

Umsatzverteilung der Dax-Konzerne

Umsatz nach Regionen und wie sich die Umsätze je Konzern weltweit verteilen. Zur Ansicht der vollständigen Infografik einschließlich Tabelle bitte auf die Bildlupe klicken.

Die Infografik „Umsatzverteilung der Dax-Konzerne“ als PDF-Download

Die Folge: Für 17 der 30 Dax-Konzerne haben Analysten zuletzt ihre Gewinnschätzungen für das laufende Jahr noch einmal angehoben, am stärksten für Lufthansa, den Versicherer Munich Re, den Spezialchemiekonzern Lanxess und den Autobauer Daimler um jeweils mehr als fünf Prozent. Auch in der zweiten Reihe ziehen die Ertragserwartungen deutlich an, besonders für den Baukonzern Bilfinger und den Chemiehersteller Evonik.

Die Analysten folgen damit nur den positiven Ausblicken der Unternehmen auf die zweite Jahreshälfte – den im Übrigen führende Forschungsinstitute teilen. Sie halten ungeachtet der wirtschaftlichen Eintrübung in China an ihren optimistischen Wachstumsprognosen fest. In der vergangenen Woche hatte das Kieler Institut für Weltwirtschaft seine Prognose von 1,8 Prozent Wachstum in diesem und sogar 2,1 Prozent im nächsten Jahr bestätigt.

„Den Abschwung in China im zweiten Halbjahr können wir durch steigende Produktionszahlen in Europa und den USA abfedern. Wir sehen deshalb keinen Anlass, unsere Jahresprognose anzupassen“, sagt Continental-Chef Elmar Degenhart dem Handelsblatt. Nach einem guten Jahresauftakt hatte der Autozulieferer seine Jahresprognose bereits im Frühjahr und ein zweites Mal im August angehoben.

Dabei bleibt es – und das aus gutem Grund, denn Continental erwirtschaftet nur 20 Prozent seiner Umsätze in Asien – rund elf Prozent in China –, aber 22 Prozent in Amerika und weitere 53 Prozent in Europa.

So wie Continental geht es fast allen Firmen, wie „Handelsblatt“-Berechnungen belegen: 56,6 Prozent ihrer Umsätze erwirtschaften die 25 untersuchten Dax-Konzerne im Schnitt in Europa, 20,9 Prozent in Amerika und nur 16,1 Prozent in Asien – davon gut zwölf Prozent in China. Die restlichen 6,4 Prozent entfallen auf Afrika und andere Regionen.

Infineon hat in Asien mit 49  Prozent den höchsten Anteil, alle anderen Konzerne setzen dort deutlich weniger ab – knapp die Hälfte weniger als 20 Prozent, darunter der Chemiehersteller BASF, der Markenkonzern Henkel und das Softwarehaus SAP. Sieben Unternehmen machen in Asien so gut wie keine Geschäfte, neben den Versorgern Eon und RWE der Pharma-Spezialist Merck KGaA und die Telekom.

Selbst wenn sich die Konjunktur in China stärker als erwartet abkühlt, folgt daraus längst kein Gewinnrückgang für die in Asien aktiven Unternehmen, geschweige denn ein Einbruch. So registriert Europas größter Softwarehersteller SAP eine unverändert starke Nachfrage nach Cloud-Produkten in China. Und für spezialisierte Industriekonzerne wie Linde sichern langfristige Lieferverträge von bis zu 15 Jahren die Erträge auch dann, wenn sich die Konjunktur vorübergehend abkühlt.

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