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05.06.2015

12:57 Uhr

Wachstumsmärkte

Zwischen Kafka und Mafia

Rechtsunsicherheit und ständig wechselnde Gesetze erschweren in Schwellenländern die Geschäfte. Manager müssen mit unangenehmen Überraschungen rechnen – doch sie finden kreative Lösungen. Ein Aufwand der sich lohnt.

Mittelständler stoßen beim Geschäfte machen im Ausland oft auf Willkür und windige Geschäftspartner.

Mittelständler stoßen beim Geschäfte machen im Ausland oft auf Willkür und windige Geschäftspartner.

DüsseldorfLuxussteuer klingt für viele Unternehmen gar nicht gut. „Super-Luxussteuer“ klingt noch schlechter, und wenn sie überraschend kommt, ist es am schlimmsten. Genau damit hat Claus Weidner, Daimler-Chef in Indonesien, seit dem 30. Mai zu kämpfen. Käufer müssen nun für besonders teure Premiumfahrzeuge noch einmal fünf Prozent mehr zahlen.

„Innerhalb weniger Tage müssen wir uns überlegen, wie wir mit den plötzlich höheren Preisen umgehen“, sagt Weidner. Denn Finanzminister Bambang Brodjonegoro hat seine Idee erst vor ein paar Wochen verkündet. Der deutsche Manager kennt solche Probleme schon: Bei neuen Regeln und Steuern ist die indonesische Regierung gerne spontan: „Die Vorwarnzeit beträgt oft nur vier Wochen.“

Auf ins Ausland: Fakten zur Expansion

800.000

800.000 von 3,55 Millionen Mittelständlern sind auf internationalen Märkten aktiv. Unter Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten exportieren 21 Prozent ihre Waren ins Ausland. Bei größeren Betrieben liegt die Quote mit 23 Prozent nicht nennenswert höher.

(Quelle: ZEW, KfW Bankengruppe)

85 Prozent

85 Prozent aller Auslandsinvestitionen von kleinen Unternehmen werden aus Eigenmitteln bestritten – nur 14 Prozent erhalten dafür einen Bankkredit. Insgesamt hat jedes dritte Unternehmen Geldprobleme, wenn es seine internationalen Aktivitäten ausweiten will.

70 Prozent

70 Prozent aller Auslandsinvestitionen haben das Ziel, neue Kunden zu gewinnen. Hinter 16 Prozent der Expansionsvorhaben steht indes die Absicht, auswärts billigere Arbeitskräfte zu finden.

231.000

231.000 Euro Umsatz erzielen deutsche High-Tech-Unternehmen, die auf Auslands märkten aktiv sind, durchschnittlich im ersten Geschäftsjahr – fast doppelt so viel wie Unternehmen, die nur den Heimatmarkt bedienen. Wer international erfolgreich ist, wächst außerdem schneller.

Wer in Schwellenländern Geschäfte macht, muss mit Überraschungen rechnen: In dem im Mai erstmals veröffentlichten World Business Outlook der deutschen Außenhandelskammer beklagt etwa jedes zweite der rund 3.000 befragten Unternehmen schwierige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen im Ausland. Wechselnde Gesetze oder Steuern sowie widersprüchliche Regularien machen so manches Geschäft zunichte.

„Auch protektionistische Maßnahmen in den Zielmärkten führen vermehrt dazu, die Chancen für deutsche Anbieter zu begrenzen“, sagt Felix Neugart, Außenwirtschaftsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Insbesondere in Schwellenländern seien Geschäfte ohne große Rechtsabteilung häufig nicht möglich.

Dennoch lohnt der Aufwand meist: In Indonesien etwa hat Daimler-Manager Weidner glänzende Ausgangsbedingungen. Die Zahl der jährlichen Autoverkäufe hat sich seit 2008 verdoppelt. Da akzeptiert ein Unternehmen, dass in Indonesien für viele Autoteile andere Standards als international vereinbart gelten. Die Regeln dazu ändern sich häufig. „In Indonesien gibt es nur wenig Planungssicherheit“, sagt Weidner. Doch der Daimler-Manager hat gelernt mit der Herausforderung umzugehen: „Man muss sehr eng mit den Behörden im Gespräch sein, um Vorschriften und Gesetze richtig auszulegen.“

Wer schnell reagiert, kann sich sogar Wettbewerbsvorteile sichern: In Brasilien schaffen es die deutschen Hersteller dank Protektionismus, ihre Dominanz zu festigen. Vor vier Jahren verhängte die Präsidentin Dilma Rousseff über Nacht Steuern auf Importwagen von zusätzlichen 30 Prozent. Die Deutschen reagierten am schnellsten: In Rekordzeit ziehen sie neue Werke zur lokalen Produktion hoch und erarbeiten sich so einen Wettbewerbsvorteil. BMW produziert bereits in einer neuen Fabrik. Audi wird bald seine Fertigung einweihen. Bei Mercedes ist es im kommenden Jahr so weit. Für den Aufbau ihrer Fabriken nutzten sie Steuervergünstigungen der Regierung.

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