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11.02.2016

15:02 Uhr

Werkzeugmaschinen

Iran wird zum Hoffnungsträger

VonRegine Palm

Chinas Nachfrage nach Werkzeugmaschinen schrumpft weiter. Damit trüben sich auch die Absatzaussichten für deutsche Unternehmen ein. Große Hoffnungen setzt die Branche nun auf das Geschäft mit dem Iran.

Die deutschen Werkzeugmaschinenbauer hoffen auf neue Geschäfte mit dem Iran. dpa

DMG Mori Seiki

Die deutschen Werkzeugmaschinenbauer hoffen auf neue Geschäfte mit dem Iran.

DüsseldorfNach einem Rekordergebnis im Vorjahr schlägt der Verband Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) vorsichtigere Töne an. „Wir erwartet für 2016 einen moderaten Zuwachs von einem Prozent“, sagte Verbandschef Heinz-Jürgen Prokop am Donnerstag in Frankfurt. Damit sind die Werkzeugmaschinenbauer aber noch etwas optimistischer als die Maschinenbauer insgesamt. Der Branchenverband VDMA hatte Anfang Februar für das laufende Jahr ein Nullwachstum im Maschinenbau prognostiziert.

Die Stimmung im Werkzeugmaschinenbau dämpft vor allem das schwache Geschäft mit China: Die Aufträge aus China seien um acht Prozent zurückgegangen. Das Land stehe aber für ein Drittel des internationalen Werkzeugmaschinenverbrauchs. Insgesamt hat die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie im vergangenen Jahr Maschinen im Wert von 15,1 Milliarden Euro produziert. Das waren vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. Auf das Auslandsgeschäft entfielen rund 9,4 Milliarden Euro.

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Zeitsparend und günstiger – 3D-Druck wird in Unternehmen zunehmend beliebter. Auch im Maschinenbau ist die Methode im Kommen. Schon warnen Experten: „Wer jetzt nicht mitmacht, ist in ein paar Jahren raus.“

Besonders gut lief es nach Angaben des Verbands in Europa mit einem Plus von acht Prozent. Die Werkzeugmaschinenindustrie gehört zu den fünf größten Fachzweigen im Maschinenbau, sie liefert Produktionstechnologie für die Metallbearbeitung in alle Industriezweige. Für sie wichtig sind etwa die Nachfrage in der Automobil- sowie in der Elektro- und Elektronikindustrie.

Große Hoffnungen setzen die deutschen Werkzeugmaschinenbauer auf den Iran. Zu Hochzeiten Anfang der 90er-Jahre wurden laut VDW Maschinen im Wert von fast 190 Millionen Euro exportiert. Im vergangenen Jahr seien es gerade einmal noch 20 Millionen Euro gewesen. Die deutschen Anbieter versprechen sich gute Absatzchancen aufgrund des hohen Modernisierungsbedarfs bei den Ausrüstern für die Öl- und Gasindustrie sowie im Fahrzeugbereich.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Ein weiterer Wachstumsmarkt sei daneben Mexiko. Der Werkzeugmaschinenverbrauch des Landes habe von 2010 bis 2014 um 85 Prozent zugenommen; der Markt umfasse 1,5 Milliarden Euro. Deutschland sei mit einem Anteil von 14 Prozent hier drittgrößter Lieferant. Vielversprechend sei darüber hinaus die Asean-Region, die ein Marktvolumen von 3,9 Milliarden Euro repräsentiere.

Doch insgesamt sei das internationale Geschäft härter geworden, konstatiert der VDW. So stünden die Schwellenländer aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise unter Druck. Russland etwa leide unter dem schwachen Rubel ebenso wie unter dem niedrigen Ölpreis und Brasilien stecke tief in der Rezession.

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