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15.06.2014

13:12 Uhr

Yuan in Frankfurt

Sparen mit Goethe-Bonds

VonElisabeth Atzler

Dem Vergleich mit London hält der Finanzplatz Frankfurt nicht stand. In einem Markt aber will man die Briten überflügeln: Frankfurt soll zum Zentrum für Geschäfte werden, die in chinesischem Yuan abgerechnet werden.

Die Bankentürme von Frankfurt. Das erste Yuan-Produkt gibt es hier auch schon: den Goethe-Bond. dpa

Die Bankentürme von Frankfurt. Das erste Yuan-Produkt gibt es hier auch schon: den Goethe-Bond.

FrankfurtEin entsprechendes Abkommen unterschrieben Hu Xiaolian, Vizechefin der chinesischen Zentralbank People’s Bank of China (PBoC), und Joachim Nagel, Vorstand der Bundesbank, Ende März in Berlin. Der Jubel damals war groß. Hessens Finanzminister Thomas Schäfer sprach von "einem Meilenstein für den Finanzplatz Frankfurt". Und die Umsetzung des Plans hat bereits begonnen.

Zwar schloss fast zur selben Zeit auch die Bank of England mit den Chinesen eine solche Vereinbarung. Doch in Frankfurt sieht man sich im Vorteil: Der Finanzplatz soll vom starken Warenaustausch zwischen Deutschland und China profitieren. 2013 betrug das Handelsvolumen zwischen den beiden Staaten 141 Milliarden Euro. Deutschland handelt also in etwa im gleichen Umfang mit China wie Großbritannien, Frankreich und Italien zusammen. Ein erstes Yuan-Produkt gibt es in Frankfurt auch schon: den Goethe-Bond. Der große deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe ist auch in China berühmt - dort wird er "Ge-De" genannt. Ende April begab die staatliche KfW eine Yuan-Anleihe in Höhe von umgerechnet 120 Millionen Euro. Anfang Mai platzierte dann die Agricultural Bank of China in Frankfurt eine Anleihe über 130 Millionen Euro.

Bedeutung der Schwellenländer für Anleger

Welche Länder sind Schwellenländer?

Schwellenmärkte sind die Finanzmärkte von Volkswirtschaften im Wachstumsstadium ihres Entwicklungszyklus und weisen ein niedriges bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen auf. Diese Länder liegen in aller Regel in Asien (ohne Japan), dem Nahen Osten, Osteuropa, Zentral- und Südamerika und auch in Afrika. Insgesamt sind es etwa 170 Länder.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie bedeutend sind diese Länder?

Auf Schwellenländer entfallen 77 Prozent der globalen Landmasse, mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung, mehr als 65 Prozent der globalen Devisenreserven und rund 50 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Wie viele Menschen leben in den Emerging Markets?

2010 lebten rund 5,7 Milliarden Menschen in Schwellenländern – etwa fünf Mal so viele wie in den Industrieländern mit ihren 1,2 Milliarden Einwohnern. Allein China und Indien haben mehr als 2,5 Milliarden Menschen – in etwa das Vierfache der rund 700 Millionen Bürger der USA und der Europäischen Union.

Wer sind die „Big Five“?

China, Indien, Indonesien, Brasilien und Russland sind die sogenannten Big Five und sind nach sämtlichen Maßstäben rentable Schwellenmärkte. Sie sind nicht nur in der Entwicklung begriffen, sondern gehören auch zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, China, Brasilien und Indien sogar zu den Top Ten. Marc Mobius ist überzeugt: „Diese Volkswirtschaften sind ganz klar die Wirtschaftsmotoren des 21. Jahrhunderts.“

Wie stark wachsen die Emerging Markets?

Von 2000 bis 2010 wuchsen die Volkswirtschaften von vier maßgeblichen Schwellenländern, nämlich Brasilien, Russland, Indien und China (Bric), um 112 Prozent. Die USA, Großbritannien und Japan brachten es nur auf vergleichsweise magere auf 14 Prozent.

Die ersten Anleihen dieses Typs gelten mehr als Eisbrecher. Ein Schritt, um mehr Schwung in diesen Markt zu bringen, steht noch bevor: Die PBoC muss bestimmen, welches Geldhaus die neue Abwicklungsstelle wird. Die besten Aussichten wurden zuletzt der Bank of China eingeräumt. Sie ist die drittgrößte Geschäftsbank des Landes und übernimmt die Abwicklung entsprechender Yuan-Währungsgeschäfte bereits in Hongkong und Taipeh. Im Gespräch ist auch die Industrial and Commercial Bank of China.

Gedacht sind Goethe-Bonds vor allem für deutsche Unternehmen. Sie könnten sich so mit Yuan, etwa für Investitionen in China, eindecken. Doch nicht nur das soll leichter von Frankfurt aus funktionieren. „Überweisungen für Handelsgeschäfte nach China und für Investitionen sollten einfacher werden“, sagt Robert Koller, Partner der Anwaltskanzlei Simmons Simmons. „Es wird auch günstiger für die Unternehmen, sich gegen Währungsrisiken abzusichern, weil hier in Frankfurt die Liquidität in Yuan steigt.“

Bisher laufen solche Yuan-Geschäfte meist über Hongkong. Häufig findet der Warenverkehr heute zudem in Dollar statt. „Wenn deutsche Unternehmen in Yuan abrechnen, stärkt das ihre Markt- und Verhandlungsposition in China. Sie können mit Abnehmern und Lieferanten zum Beispiel besser über Preise verhandeln“, sagt Frank-Oliver Wolf, Geschäftsbereichsleiter Cash-Management International Business der Commerzbank.

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