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21.05.2016

16:56 Uhr

Zerstobene Hoffnungen in Afrika

Die Party ist vorbei

VonWolfgang Drechsler

Afrikas Volkswirtschaften haben ihre Abhängigkeit von Rohstoffen nicht verringern können - das rächt sich nun. Diese Misere und der Abzug der Chinesen belasten das Land. Jetzt bricht selbst der Konsum weg.

Afrikas Volkswirtschaften haben ihre Abhängigkeit von Rohstoffen nicht verringern können. Das rächt sich nun. AFP; Files; Francois Guillot

Diamanten

Afrikas Volkswirtschaften haben ihre Abhängigkeit von Rohstoffen nicht verringern können. Das rächt sich nun.

KapstadtWie eine offene Wunde klafft das riesige Loch in der Steppe von Botswana, aufgerissen von Baggern groß wie ein mehrstöckiges Haus. Fast 400 Meter tief ist die im Tagebau betriebene Diamantenmine von Jwaneng, 120 Kilometer westlich der Hauptstadt Gabarone. Über zehn Millionen Karat werden hier jedes Jahr aus dem rotbraunen Boden der Kalahari gekratzt – mehr als aus jeder anderen Diamantenmine. Doch das Geschäft läuft schlecht.

Die Lehren der Hidden Champions

1. Führung und Ziele

Hidden Champions wissen nicht nur, was sie wollen, sondern haben auch die Willensstärke und Energie, manchmal die Besessenheit, ihre Ziele in Taten umzusetzen. Führung bedeutet, dass sie dieses Feuer in vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen entzünden.

(Quelle: Hermann Simon, „Hidden Champions des 21. Jahrhunderts“)

2. Hochleistungsmitarbeiter

Hidden Champions schaffen – und profitieren von – Bedingungen, die eine extrem geringe Fluktuation erzeugen. Hochleistung erreicht man nur mit einer Mannschaft, die eine starke Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen aufweist. Grundlage hierfür ist die Selektion der richtigen Mitarbeiter.

3. Dezentralisierung

Manche Hidden Champions stoßen mit engen Märkten und hohen Marktanteilen an Wachstumsgrenzen. Sie gehen den Schritt in die Diversifikation. Um ihre traditionellen Stärken nicht zu gefährden, wählen sie die konsequente Dezentralisierung – in der Regel bis hin zu rechtlich eigenständigen Firmen.

4. Fokus

Fokussierung bietet normalerweise die einzige Chance, Weltklasse zu werden. Hidden Champions fokussieren ihre beschränkten Ressourcen besser als andere und bleiben bei dieser Richtung, bis sie die Spitzenposition erreicht haben. Dabei ist die Definition des Spielfelds selbst Bestandteil der Fokussierung.

5. Globalisierung

Nichts verändert die Welt in den nächsten Jahrzehnten stärker als die Globalisierung. Für Unternehmen, die diesen Wandel nutzen, eröffnen sich ungeheure Wachstumschancen. Der Aufbau weltweiter Produktions- und Vertriebssysteme dauert jedoch oft genug mehrere Generationen. Zunächst internationalisieren sich die Umsätze, dann folgt das Personal und als Letztes das Management. Die meisten Hidden Champions stecken mit ihren Strategien und dem Umsetzen in der Praxis mitten in diesem Prozess. Simon: „Um die Chancen zu nutzen, muss man seine nationalen Beschränkungen ablegen und große Ausdauer mitbringen.“

6. Innovation

Die meisten Hidden Champions planen massive Innovationsaktivitäten. Sie integrieren dabei Markt und Technik als gleichwertige Antriebskräfte. Diese Ausgewogenheit gelingt nur wenigen Großunternehmen. Innovation ist in erster Linie eine Frage von Kreativität und Qualität – keineswegs nur eine Sache des Geldes.

7. Kundennähe

Kundenorientierung ist für den Erfolg der Hidden Champions wichtiger als Wettbewerbsorientierung. Die langjährige Kundenbeziehung ist ihre größte Stärke. Denn es gilt: Hochleistung für Kunden führt automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Simon: „Topkunden ähnlich wie Topkonkurrenten als Leistungstreiber einsetzen.“

Früher gingen die Kumpel nach dem Schichtwechsel oft in eine der umliegenden Bars, um dort mit einem eiskalten Castle Lager oder anderen Markenbier ihren Durst zu löschen. Doch die Kneipen sind heute oft verwaist. Stattdessen trinken viele vor den Stufen lokale Billigmischungen, die in einfachen Pappkartons verkauft werden. Die Rückkehr vieler Afrikaner zum Selbstgebrauten ist ein Zeichen für den eingebrochenen Konsum auf dem Kontinent. Gerade schluckt der weltweit größte Brauer Anheuser-Busch Inbev für mehr als 100 Milliarden Dollar seinen südafrikanisch-britischen Erzrivalen SAB Miller, um Zugriff auf dessen potenziell lukratives Afrikageschäft zu bekommen. Doch zeitgleich werden eben solche Hoffnungen von einer schweren Wirtschaftsflaute unterminiert.

Statt wie in den vergangenen Jahren um bis zu acht Prozent soll Afrika nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds in diesem Jahr allenfalls noch um drei Prozent wachsen. Damit kompensiert der Kontinent nicht einmal sein hohes Bevölkerungswachstum. Noch vor zwei Jahren galten viele afrikanischen Volkswirtschaften vor allem unter Unternehmensberatern als Wachstumswunder. Viele wähnten den Kontinent bereits auf den Fußspuren Asiens. US-Präsident Barack Obama zeigte sich auf einer Stippvisite 2013 fest davon überzeugt, dass Afrika „die nächste große Erfolgsstory der Welt“ schreiben werde.

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