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11.08.2014

10:36 Uhr

Warsteiner-Chefin Cramer

„Ich liebe Dosenbier!“

VonMartin Dowideit, Oliver Stock

ExklusivIn Warstein tauchen Legionellen auf, das Kartellamt brummt eine Strafe auf: Es waren harte Zeiten für die Warsteiner-Brauerei. Doch Chefin Catharina Cramer geht in die Vollen – und hat ein holländisches Bier zum Vorbild.

Spielecke im Büro: Warsteiner-Chefin Catharina Cramer. Dirk Hoppe/Netzhaut für Handelsblatt

Spielecke im Büro: Warsteiner-Chefin Catharina Cramer.

WarsteinDie Entscheidung ist vor deutlich mehr als zehn Jahren gefallen, natürlich bei einigen Glas Warsteiner: Catharina Cramer steigt in die Brauerei der Familie ein und übernimmt das Unternehmen mit über 260-jähriger Geschichte in neunter Generation. Die beiden Schwestern hatten zuvor dankend abgewinkt. Marie-Christina hatte sich zwar im Unternehmen ausprobiert, doch dann das Interesse verloren. Ann-Josephine wollte schon immer Wein machen und ist Winzerin in der Toskana geworden. Beim gemeinsamen Bier redeten sie der Jüngsten im Bunde gut zu. Catharina sei verwurzelt im Sauerland, habe Spaß am Unternehmen und am Bier.

Der Enthusiasmus ist bei der Firmenchefin spürbar. „Ich liebe Dosenbier!“, frohlockt Cramer im Gespräch mit dem Handelsblatt (Digitalpass-Kunden lesen das vollständige Gespräch hier). „Wenn die Dose richtig schön kalt ist und dann macht die beim Öffnen so ,zisch' … herrlich!“

Catharina Cramer ist die „Königin unter den Bieren“, auch wenn sie den bekannten Spruch auf den Warsteiner-Flaschen gerade abgeschafft hat. Die 36-jährige ist Alleininhaberin der Haus Cramer KG, der Muttergesellschaft der Warsteiner-Brauerei. Seit acht Jahren sitzt sie nun in der Geschäftsführung der Brauerei. Bis zum Tod von Vater Albert vor zwei Jahren hatte sie in ihm einen Sparringspartner, jetzt trägt sie allein die Verantwortung für etwa 2600 Mitarbeiter, mehrere Biermarken und eine Hotelkette mit 17 Häusern. Mit ihr hat sich der Führungsstil in Warstein geändert.

Fakten zur Haus Cramer KG / Warsteiner

Gründungsjahr

Die Anfänge des Unternehmens reichen ins Jahr 1753 zurück, als Antonius Cramer erstmals Biersteuer zahlen musste.

Geschichte

Heute wird das Unternehmen von Catharina Cramer in neunter Generation geführt, Warsteiner gehört damit zu den ältesten Familienunternehmen des Landes.

Den Durchbruch schaffte Albert Cramer ab den 1970er-Jahren. Er schuf eine nationale Biermarke, machte aus einem Produkt für Malocher ein Getränk, das auch in gehobenen Kreisen in einer schicken von ihm beauftragten Glas-Tulpe serviert wurde. Das Wachstum kannte kein Halten bis Mitte der 1990er-Jahre.

Damals machten Gerüchte die Runde, die Brauerei gehöre der Scientology-Sekte. Den Beginn des Absatzeinbruchs führt das Unternehmen auf diese Episode der Firmengeschichte zurück. Statt über sechs Millionen Hektolitern Getränken, verkauft die Haus Cramer KG pro Jahr derzeit etwa 4,5 Millionen. Davon entfällt etwa die Hälfte auf die Kernmarke Warsteiner.

Geschäftsentwicklung

Albert Cramer hat mit Warsteiner „Geschichte geschrieben“, wie seine Tochter Catharina sagt. Aus einem kleinen regionalen Unternehmen schuf er die einst größte Biermarke des Landes. Doch von den über sechs Millionen Hektolitern Ausstoß in den 1990er-Jahren sind gruppenweit noch 4,56 Millionen übrig geblieben.

Der Bierverbrauch in Deutschland schrumpft gemessen am Pro-Kopf-Verbrauch seit vielen Jahren, andere Biere wie Bitburger, Veltins oder Krombacher haben sich ebenfalls als sogenannte „Fernsehbiere“ im von Cramer geschaffenen Premium-Biersegment breit gemacht. Im ersten Halbjahr 2014 ist der Absatz der Kernmarke Warsteiner zudem um mehr als acht Prozent geschrumpft.

Der Umsatz der Haus Cramer KG lag 2013 bei 519 Millionen Euro, einige Jahre vorher waren es noch gut 50 Millionen Euro mehr.

Eigner und Führung

Catharina Cramer ist Allein-Eigentümerin des Unternehmens und Vertreter der neunten Generation. Die 36-Jährige arbeitet bereits seit 2006 in der Geschäftsführung der Haus Cramer KG. Bis zum Tod ihres Vater Albert Cramer im Jahr 2012 führten sie gemeinsam das Unternehmen.

Cramer ist verheiratet und hat einen einjährigen Sohn. Sie hat an der European Business School in London studiert.

Die beiden älteren Schwestern Cramers arbeiten nicht im Unternehmen.

Beschäftigte und Standorte

Die Haus Cramer KG beschäftigt etwa 2600 Mitarbeiter. Im Juli beschloss das Unternehmen, etwa 20 von knapp unter 800 Stellen bei der Warsteiner-Brauerei in Warstein zu streichen. Dabei handele es sich um Arbeitsplätze in Abteilungen, die langfristig nicht ausgelastet würden und deren Aufgaben auch Konkurrenten lange an externe Dienstleister ausgelagert hätten.

Auch an den Standorten einiger Tochtermarken (siehe "Produkte") produziert das Unternehmen Bier, im Ausland gibt es Vertriebsgesellschaften und Brauereien, die Warsteiner in Lizenz produzieren.

Produkte

Das Hauptprodukt ist die Bier-Marke „Warsteiner“, benannt nach dem Ort im Sauerland, wo auch heute noch der Firmensitz ist. Weitere Marken der Gruppe sind unter anderem Paderborner Pils, Herforder Pils und Frankenheimer Alt. Ebenfalls zum Unternehmen gehört eine Hotelkette („Welcome Hotels“) mit 17 Drei- und Vier-Sterne-Hotels.

Führte der Vater mehr autoritär, fordert seine Tochter viel mehr Teamarbeit und ressortübergreifendes Arbeiten. Per Internet-Videokonferenz kommuniziert sie mit Mitarbeitern rund um die Welt. Im Kampf gegen den schrumpfenden deutschen Biermarkt verfolgt sie ein ganz eigenes Ziel: So wie ihr Vater Warsteiner zu einem deutschlandweit getrunkenen Bier gemacht hat, möchte sie die internationale Expansion schaffen.

Die Konkurrenz von Krombacher bis Bitburger mag sich darauf konzentrieren, mit Fassbrausen dem schrumpfenden Stammgeschäft zu entgegnen, „ich will aus der nationalen eine internationale Marke machen“, sagt Cramer. „Das ist ein Problem der deutschen Brauindustrie: Wenn einer was macht, müssen alle anderen sofort hinterher. Ich finde, man muss auch mal seinen eigenen Weg gehen.“

Die eigenen Fassbrause-Pläne blieben daher in der Schublade. Der Fokus liegt auf Kooperationen im Ausland. Von der finnischen Olvi-Brauerei wurde Warsteiner ins Vertriebsprogramm aufgenommen, nachdem das zunächst von ihr vertriebene Heineken eine andere finnische Brauerei gekauft hatte. „Olvi hat uns als deutsches Premium-Bier gegen Heineken ausgesucht – das ist doch ein tolles Kompliment!“, sagt Cramer. Denn Heineken sei „eine tolle Marke“, sei „emotional“ und habe „eine schöne Ausstrahlung“.

Kommentare (9)

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Herr Alfred E. Neumann

11.08.2014, 10:42 Uhr

(...)

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr wulff baer

11.08.2014, 11:11 Uhr

Dass Warsteiner den Königstitel nicht mehr verwendet, war lange überfällig.
Denn das Warsteiner gehört zu den langweiligen Mainstream-Bieren ohne königliche Attitüde.
Alle "Premium"-Biere haben fast den selben Einheitsgeschmack.
Daher auch die Schwierigkeiten im Heimatmarkt.

Herr Alfred E. Neumann

11.08.2014, 11:35 Uhr

(...)

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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