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14.01.2010

10:44 Uhr

Web 2.0

Warum Unternehmen twittern müssen

VonMichael Milewski

Müssen Unternehmen in Zeiten des Web 2.0 twittern, um erfolgreich zu sein? Nicole Simon, Buchautorin und Expertin für den Microblogging-Dienst, erklärt, für wen Twitter eine Chance auf mehr Umsatz sein kann, gibt Tipps zum richtigen Umgang mit dem Dienst und sagt, wo Risiken und Grenzen liegen.

Twitter bietet für viele Unternehmen die Chance auf mehr Geschäft - wenn es richtig eingesetzt wird. dpa

Twitter bietet für viele Unternehmen die Chance auf mehr Geschäft - wenn es richtig eingesetzt wird.

Frau Simon, nehmen wir mal an, ein Unternehmer hat von Twitter gehört, er googelt und stößt auf eine aktuelle britische Studie. Demnach ist Twitter ein Produktivitätskiller, weil Angestellte durch ihre Aktivitäten dort täglich 40 Minuten ihrer Arbeitszeit verlieren. Warum sollte sich der Unternehmer trotzdem für Twitter begeistern?

Nicole Simon: Ach, wissen Sie, das ist genauso, als wenn jemand nach dem Begriff „Internet“ googelt und herausfindet: O mein Gott, da verbringen die Leute ja Zeit mit! Und es dann deswegen abtut. Das ist eine interessante Vorgehensweise, aber für ein Unternehmen sicherlich komplett verkehrt, weil man anders ansetzen muss: Der Unternehmer sollte sich fragen, wo seine Kunden oder die Presse gerade unterwegs sind. Das sind aus meiner Sicht nämlich die beiden Hauptzielgruppen, die ein Unternehmer mit seinen Produkten oder Nachrichten draußen erreichen möchte – mit dem Endziel, etwas zu verkaufen.

Aber Sie stimmen doch zu, dass es verschwendete Zeit im Internet gibt?

Auf jeden Fall! Das ist ja auch einer der Gründe, warum viele Unternehmen anfangen, Seiten zu sperren. Ich kenne sogar große Firmen, die zum Beispiel den Zugang zu Xing blockieren, weil die Mitarbeiter dort Zeit verschwenden. Seit vielen Jahren sperren Unternehmen auch Angebote wie Ebay. Und heute sind eben auch die sozialen Netzwerke mit dabei. Auf der einen Seite klingt das alles ganz normal und in Ordnung, weil man glaubt, damit die Produktivität zu erhöhen. Wenn man aber die Mitarbeiter nicht vernünftig so leiten kann, dass sie die Werkzeuge, die ihnen zur Verfügung stehen, verwenden können, dann hat man noch ganz andere Probleme. Wenn mir mein Arbeitgeber sämtlichen Zugang sperrt, dann kaufe ich mir vielleicht ein neues Telefon mit Internetzugang – und meine Kaffeepausen werden länger... Das Problem sind nicht die entsprechenden Seiten an sich, sondern dass Mitarbeiter nicht richtig eingebunden sind und nicht wissen, wie sie damit arbeiten sollen. Ich musste in der Vergangenheit feststellen, dass viele Unternehmen keine Ahnung davon haben, wie man mit dem Web 2.0 und Social Media umgeht ...

Worauf stützen Sie diese Aussage?

Das sind meine persönlichen Erfahrungswerte aus Gesprächen weltweit, in denen ich mich mit der üblichen Frage konfrontiert sehe: Wofür braucht man diesen Blödsinn überhaupt? Das ist dann für mich das Zeichen, dass da jemand im Web 1.0 steckengeblieben ist. Die Organe des Unternehmens, die Mitarbeiter in den meisten Fällen, sind also nicht in der Lage, mit diesen Tools umzugehen, ihre Relevanz einzuschätzen und dann auch zu wissen, ob man zum Beispiel twittern sollte und – wenn ja – wer.

Kommentare (6)

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Kathrin Siemokat

14.01.2010, 17:13 Uhr

Ein sehr guter Artikel, vielen Dank dafür!

Bernd Sommerfeld

15.01.2010, 11:02 Uhr

Der Umgang mit Twitter ist für viele Verlage schon lange Alltag: http://twitter.com/Lehmanns
Allein beruflich bin ich (buchhändler) den halben Tag online: ich recherchiere, mache mich über aktuelle Ereignisse schlau und verkaufe auch via Twitter meine bücher. Twitter ist ein wichtiges informationstool von dem ich auch persönliches Feedback erhalte. Die Welt ist durch Social Media kleiner geworden. ich treffe plötzlich virtuell auf Menschen, Experten, denen ich im wahren Leben nicht begegnen würde. Die aber für meine Arbeit relevante Dinge zu berichten haben, so dass ich ihnen gerne zuhöre und folge. Twitter weiterhin zu ignorieren, wäre fatal – das zeigen die aktuellen Zahlen...

Mirko Lange

16.01.2010, 12:44 Uhr

bin immer hin und hergerissen. Natürlich ist Twitter nicht unwichtig. Aber Twitter ist auch nur ein kleiner baustein in Social Media, was wiederum nur ein kleiner baustein in der Online-Kommunikation ist, die wiederum wieder nur ein kleiner baustein in der Gesamtkommunikation ist, die wieder nur ein kleiner baustein in der Gesamtstrategie ist.

Ja, Unternehmen können Twitter konstruktiv nutzen. Aber völlig ohne eine Einbettung ist das viel zu kleinteilig. Vielleicht interessant weiterführende Gedanken bei uns auf dem blog (Link s. oben).

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