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05.09.2013

08:00 Uhr

Weconomy-Gewinner Saperatec

„Wir machen aus Abfall Rohstoffe“

VonPatrick Schultz

Solarpanels, Getränkekartons, Batterien: Mit der Technologie von Saperatec lässt sich recyceln, was bisher auf der Deponie landete. Hilfe bekommen die Gründer von Topmanagern und Konzernen - beim Gründerpreis Weconomy.

Die Wunderflüssigkeit von Saperatec. Mit ihr lassen sich sich aus Abfall wertvolle Rohstoffe zurückgewinnen. (Quelle: Saperatec)

Die Wunderflüssigkeit von Saperatec. Mit ihr lassen sich sich aus Abfall wertvolle Rohstoffe zurückgewinnen.

(Quelle: Saperatec)

DüsseldorfSebastian Kernbaums Geschäftsmodell basiert auf einer klaren Flüssigkeit, die ein bisschen nach Zitrone riecht. Wenn der Gründer des Recycling-Unternehmens Saperatec diese näher beschreiben soll, spricht er von „Tensiden“, von „aufgelösten Grenzflächenspannungen“ und allerlei Dingen, die dem Laien nicht so recht weiterhelfen.

Dafür hat Ingenieur Kernbaum in seinem Labor in Bielefeld eine Reihe Einweckgläser aufgebaut, in denen das Wundermittel seine Fähigkeiten demonstriert: Es wäscht das aufgedampfte Cadmiumtellurid von einem kleinen Solarpanel; es löst die Alufolie aus dem Innern eines Tetrapaks; kurz: was untrennbar verbunden scheint, wird in seine Einzelteile zerlegt, ohne diese zu verändern. „Wir sind die ersten und einzigen, die das können“, sagt der 35-Jährige. „Wir machen aus Abfall Rohstoffe“. Denn die Metalle aus dem ehemaligen Solarpanel oder das Aluminium aus dem Getränkekarton können nach der Trennung an Rohstoffhändler verkauft werden.

„Pro Tonne Abfall“, erklärt Kernbaums Mit-Geschäftsführer Jörg Dockendorf, 34, bei Saperatec fürs Kaufmännische zuständig, „kann man etwa bei Verpackungsmaterialen mit einer Wertschöpfung von mehreren Hundert Euro rechnen“. Gutes Geld für Müll, der bislang einfach verbrannt wird. Verkaufen statt vernichten – der erste potenzielle Kunde hat schon Interesse angemeldet. Die Saperatec-Geschäftsführer verhandeln derzeit mit einem Entsorgungsunternehmen über den Bau einer Anlage, die pro Jahr etwa 5000 Tonnen Verpackungsmüll verarbeiten soll. Details wollen die beiden nicht nennen. Am Saperatec-Sitz im Bielefelder Industriegebiet nahe des Hauptbahnhofs bauen sie aber schon eine kleine Test-Anlage.

Was beim Businessplan wichtig ist

Häufigster Fehler

Einer der häufigsten Fehler ist, dass der Gründer zu sehr von sich ausgeht und im Eifer Kunden und Geldgeber aus den Augen verliert. Daher immer wieder die Perspektive wechseln und den Businessplan aus der Sicht der Kunden bzw. Investoren machen.

Was steht drin?

Ein Businessplan sollte nicht nur formalen Ansprüchen genügen, sondern auch eine Reihe von inhaltlichen  Punkten abdecken. Dazu gehören ein ordentlich ausgefülltes Deckblatt, die Darstellung der eigenen Person, das Konzept, der Kapitalbedarfsplan, der Finanzierungsplan, eine Ertragsvorschau, der Liquiditätsplan und die Anlagen.

Die eigene Motivation

Sehr wichtig ist es, in einem Businessplan die eigene Motivation glaubwürdig zu formulieren. Ehrlichkeit siegt zwar, aber geizen Sie nicht mit Eigenlob. Machen Sie klar, dass Sie und Ihr Unternehmen eine Perspektive haben!

Das optimale Konzept

Handeln Sie die folgenden Punkte exakt durch: Geschäftsidee (Vergleich mit etablierten Unternehmen, Hintergrundinformationen beifügen), Darstellung Markt und Branche inklusive Zukunftsbetrachtung (Recherche lohnt sich!) und Vertriebs- sowie Marketingstrategie (nicht nur Werbung, sondern Image-Bildung).

Der Kapitalbedarfsplan

Ihr Konzept steht – nun geht es darum, wie viel Kapital Sie für die Umsetzung brauchen. Listen Sie alle Posten auf, die bei der Gründung Geld kosten werden. Vergessen Sie nicht, dass Sie und Ihre Familie auch von etwas leben müssen. Simone Janson bietet in ihrem Buch eine hilfreiche Übersicht.

Der Liquiditätsplan

Die Finanzierung des Unternehmens ist das eine, doch die dauerhafte Liquidität das andere. Sie müssen gewährleisten, dass Ihre Firma stets flüssig ist. Das Schreiben einer Rechnung bedeutet noch nicht, dass sie auch bezahlt wird. Für das erste Jahr sollten sie den Liquiditätsplan am besten monatlich erstellen.

Ertragsvorschau

Schließlich sollten Sie eine Übersicht darüber gewinnen, ob ihr Unternehmen dauerhaft tragbar ist. Das gefällt auch potenziellen Geldgebern. Eine Rentabilitätsvorschau, auch Ertragsvorschau genannt, ist Zentral für den Erfolg Ihrer Existenzgründung.

Nicht stur sein

Ein Businessplan hilft Ihnen als Orientierung. Aber eine Planung bedeutet nicht, ein für allemal darauf festgelegt zu sein. Es ist völlig normal, anfängliche Ideen zu verändern.

Die beiden Jung-Unternehmer haben sich hier bei einem Automobilzulieferer eingemietet: Dieses Start-Up kommt nicht aus einem Kreativen-Loft, sondern aus alten Industrie-Backsteinbauten; vor der Tür fahren keine City-Roller sondern Gabelstapler. „Ich habe hier die Telefonanlage aufgebaut, den Wasseranschluss gelegt, und halte den Server am Laufen“, beschreibt Sebastian Kernbaum den Alltag als Unternehmendgründer. 

Sein Unternehmen, 2010 gegründet, beschäftigt hier inzwischen elf  Mitarbeiter: vor allem Chemiker, die weiter an der Zusammensetzung der Lösung feilen. Derzeit testen sie unter anderem, ob ihre Wunder-Flüssigkeit auch die Innereien von Lithium-Ionen-Batterien in ihre Bestandteile zerlegen kann. Finanziert hat sich das Unternehmen mit inzwischen 4,3 Millionen Euro an Wagniskapital, unter anderem vom halbstaatlichen High-Tech Gründerfonds sowie dem Gründerfonds Bielefeld-Ostwestfalen.

In Zukunft wollen Kernbaum und Dockendorf auch Recyclinganlagen für Solarpanels und für Batterien aus Elektroautos verkaufen und sozusagen die Energiewende recyceln: „Es wird aber noch etwa fünf Jahre dauern, bis die Solarmodule vom Dach kommen“, schätzt Kernbaum. Die Lithium-Ionen-Batterien aus den Elektroautos dürften noch länger auf sich warten lassen – wenn sich die E-Autos überhaupt je durchsetzen.

Kinematics: Eine Wunschmaschine aus bunten Steinen

Kinematics

Eine Wunschmaschine aus bunten Steinen

Es wirkt wie eine Science Fiction-Version von Lego: Die „Kinematics“-Gründer haben Bausteine entwickelt, die Bewegungen selbstständig wiederholen. Mit ihnen sollen Kinder an die Roboter-Technik herangeführt werden.

Derzeit liegt der Fokus bei Saperatec daher auf Verpackungsmaterialien-Recyling. Die beiden Geschäftsführer hoffen, beim Weconomy-Treffen im September Kontakte in diese Branche knüpfen zu können. Außerdem freut sich Saperatec-Gründer Kernbaum auf Gespräche mit erfahrenen Alt-Unternehmern,  „Leuten, die alle Höhen und Tiefen mitgemacht haben“. Eine solche unternehmerische Höhe wäre für seinen Kollegen Dockendorf ein Börsengang der Saperatec: „Das wäre der beste Beweis, dass wir wirklich ein unabhängiges Technologie-Unternehmen mit Erfolgshistorie aufgebaut haben“.

Der Wettbewerb Der Weconomy-Gründerwettbewerb von Wissensfabrik und Handelsblatt verleiht seit 2007 einmal im Jahr den Weconomy-Award an Deutschlands besten Gründernachwuchs. Mitte Juli hat die Jury aus 20 Kandidaten neun Weconomy-Sieger ausgewählt, die im September zum Weconomy-Netzwerkwochenende mit Topmanagern nach Baden-Baden fahren.

Kommentare (4)

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05.09.2013, 09:22 Uhr

Und genau deshalb sollte man auf die sog. "thermische Verwertung" verzichten und auf Deponie lagern, auch wenn das VBerbrennen in Müllverbrennungsanlagen gut Geld bringt!.

Diese Deponien sind die kommenden Rohstoffquellen.

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05.09.2013, 11:07 Uhr

Am Saperatec-Sitz im Bielefelder Industriegebiet nahe des Hauptbahnhofs bauen sie aber schon eine kleine Test-Anlage.


Und, so vermute ich, in China sind schon 5 großtechnische Anlagen fertig.

Account gelöscht!

05.09.2013, 11:35 Uhr

Ich wünsche den Jungunternehmern mehr Glück und finanzstärkere Investoren mit langem Atem als so vielen Startups in Deutschland, die mit ähnlichen Ideen und Innovationspreisen bereits auf der Müllkippe der Geschichte gelandet sind. Drei davon kenne ich leider sehr gut. Außer einer Versuchsanlage wurde nichts. Recyceln hat in Deutschland keine Lobby, der Müll ist profitabler zu verbrennen oder in arme Länder zu verschicken. Eigentlich ein Widerspruch zu dem ganzen Öko- und Umwelt-Tralala, das gerade im Wahljahr wieder strapaziert wird.

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