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23.10.2016

18:02 Uhr

Weconomy

Gründer daten Topmanager

VonMartin-W. Buchenau

Beim Start-up-Preis Weconomy holen sich die Gewinner Tipps von erfahrenen Unternehmern. Doch auch die Manager wollen sich vom Start-up-Geist der Jungen beflügeln lassen und hören genau zu.

Seit zehn Jahren gibt es den Wettbewerb Weconomy.

Gruppenbild mit Managern und Gründern

Seit zehn Jahren gibt es den Wettbewerb Weconomy.

StuttgartVor zehn Jahren fand der erste Weconomy-Wettbewerb noch wenig Beachtung. „Start-ups, das klang schick, aber die breite Öffentlichkeit wusste damals noch nicht viel damit anzufangen“, erinnert sich Franz Fehrenbach, Chef des Lenkungskreises der Wissensfabrik und Aufsichtsratsvorsitzender von Bosch. Er ist wie BASF-Aufsichtsratschef Jürgen Hambrecht von Anfang an dabei.

Die Wissensfabrik ist ein Zusammenschluss von 120 Unternehmen und Stiftungen, die seit 2005 Bildung und Existenzgründer fördern. Schon kurze Zeit später riefen sie den Start-up-Wettbewerb Weconomy ins Leben, bei dem es kein Geld, aber wertvolle Ratschläge von gestandenen Unternehmern zu gewinnen gibt. Das Handelsblatt ist von Beginn an Medienpartner.

Am vergangenen Samstag trafen die neun diesjährigen Gewinner auf 15 Topmanager, darunter Voith-Chef Hubert Lienhard, Daimler-Personalchef Wilfried Porth, BASF-Vorständin Margret Suckale und Würth-Deutschlandchef Norbert-Heckmann.
„Die klaren Ansagen waren gut. Die Beteiligungstochter von Bosch hat einen anderen Fokus und kommt für uns als Geldgeber nicht infrage“, hat AmbiGate-Gründer Stephan Dabels von Franz Fehrenbach erfahren. Aber er erhält einen Kontakt zum Betriebsarzt des Konzerns. Das Tübinger Start-up hat eine Bewegungstherapie unter anderem für Rückenpatienten auf Basis eines Videospiels entwickelt.

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Der Aufsichtsratschef von Bosch fordert von Finanzminister Schäuble Steuererleichterungen für Start-ups. Im Interview spricht er zudem über die Gründerszene und den digitalen Transformationsprozess der gesamten Wirtschaft.

Romano Wolf freut sich über eine Einladung nach Melsungen von Braun-Chef Heinz-Walter Große. Seine Firma Evalu hat einen App-basierten, mobilen Trainer mit Sensor in der Schuhsohle entwickelt, der Jogger während des Laufens anleitet.
Tim Pohlmann von IP-Lytics ist zufrieden, er hat viele potenzielle Kunden getroffen. Das Berliner Start-up hat eine spezielle Analyse-Software für Unternehmen programmiert, die erkennen kann, wer wie viele Patente beispielsweise bei Smartphones hält.
Wie beim Speeddating haben die Gründer 20 Minuten Zeit mit jedem Manager zu sprechen. Liegt ein besonderes Interesse von beiden Seiten vor, können es 45 Minuten werden.

Zu den Jubiläumsgewinnern zählt auch Accemic Technologies. Die Firma baut ein Testgerät, das knifflige Softwarefehler in Autos und Flugzeugen aufspürt. Cevotec aus München wiederum will die Fertigung von Karbonteilen revolutionieren. Indmatec bietet einen 3D-Drucker an, mit dem sich Hochleistungspolymere kostengünstig verarbeiten lassen.

„Bei Weconomy gibt es einen klaren Trend in den vergangenen Jahren zu technikbasierten Start-ups“, sagt Helmut Schönenberger, Chef der UnternehmerTUM, der Gründerinitiative der TU München, die seit einigen Jahren auch zu den Partnern des Weconomy-Preises gehört.

Die Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen. Insgesamt wurden 92 Start-ups gefördert. Davon sind 90 Prozent noch am Markt oder wurden verkauft. Erstrundensieger CureVac von Ingmar Hoerr ist eine der aufstrebenden Biotec-Firmen in Deutschland mit 270 Beschäftigten. ErgoBag hat den Markt für Schulrucksäcke aufgerollt. Der Weconomy-Sieger 2015, ArtiMinds, schickt sich an, mit Roboterprogrammierung die Fertigung zu revolutionieren.

Längst ist der Wettbewerb keine Einbahnstraße mehr, auf der sich die Jungen nur die Ratschläge der alten Haudegen holen. Konzerne wie Siemens und Bosch, aber auch der Laser-Spezialist Trumpf, haben eigene Venture-Capital-Fonds aufgelegt, um sich an Start-ups zu beteiligen. Die Manager schauen bei Weconomy genau hin, ob sie nicht von der einen oder anderen Neugründung lernen können.

„Es ist toll, mit welcher Energie die Jungunternehmer ans Werk gehen“, sagt Voith-Chef Hubert Lienhard, dessen Traditionsfirma sich gerade im digitalen Umbruch befindet. Zwei lebensnahe Ratschläge hatte A.T.Kearney-Partner Martin Sonnenschein für die Gründer. Den ersten befolgen die meisten: „Arbeite nie als Angestellter.“ Mit dem zweiten haben dagegen viele Probleme: „Gründe früh eine Familie, später hat ein Unternehmer kaum noch Zeit.“

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