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21.12.2013

08:34 Uhr

Weihnachtsbäume

Das große Aufbäumen

VonMoritz Schröder

Die meisten Weihnachtsbäume kommen aus dem Sauerland. Das gewaltige Wachstum der Plantagen in der Region hat zu Protesten geführt und das Image der Branche ramponiert. Höhepunkt: Ein Gesetz gegen Bäume im Wald.

Waldbauer Eberhard Hennecke in einer seiner Plantagen im sauerländischen Sundern. Moritz Schröder

Waldbauer Eberhard Hennecke in einer seiner Plantagen im sauerländischen Sundern.

SundernMehr als eine Stunde lang ist das alte Ehepaar gefahren. 70 Kilometer aus dem Ruhrgebiet, mitten hinein in die Hügelketten des Sauerlands. Alles für den perfekten Weihnachtsbaum. Auf dem Hof von Waldbesitzer Eberhard Hennecke wollen sie ihn finden.

Doch vom Chef bekommen sie nur einen eiligen Händedruck. Er hastet hinüber zu dem schweren Laster. Der Lkw verschlingt einige hundert Bäume und Henneckes gesamte Aufmerksamkeit. „60 vorne, 50 hinten! Jimmy, pass auf, dass keine Äste abbrechen!“ Das Ehepaar steht verloren da: „Wir sind ja mittlerweile Kleckerkunden für den Hennecke.“

Das Leben eines Weihnachtsbaums

Phase I

Das Saatgut stammt aus Tannenzapfen, die vor allem in Georgien gesammelt werden. Die Arbeitsbedingungen dort werden immer wieder kritisiert: Das Siegel „Fair Trees“ verspricht direkte Zahlungen an die Samenpflücker.

Phase II

3-4 Jahre lang wird der Baum in Baumschulen „verschult“, nachdem er aus dem Samen gekeimt ist (meistens in Betrieben in Dänemark oder Norddeutschland wegen des gut geeigneten Klimas dort).

Phase III

Umbettung in ein anderes Beet, damit das Wachstum angeregt wird.

Phase IV

Die 25-30 cm hohe Jungpflanze wird an den Anbauer geliefert, etwa im Sauerland.

Phase V

Auf den Plantagen wächst der Baum etwa zehn bis zwölf Jahre lang, bis er eine Größe von um die zwei Meter erreicht hat.

Hennecke pflegt zwar auch noch seine Privatkunden, doch er dreht mittlerweile größere Räder – und das hat er auch einem Orkan zu verdanken. Im Jahr 2007 donnerte Kyrill über Deutschland. Im Sauerland riss er tausende Hektar Bäume aus den Wäldern. Die Waldbauern gerieten in Not, mussten schlagartig große Mengen Holz verkaufen.  Und dann nutzten viele die freigewordenen Flächen für den Anbau von Weihnachtsbäumen und Schnittgrün für die Festtage.

Allein Eberhard Hennecke nahm mehrere hunderttausend Euro in die Hand und vergrößerte seine Plantagen um mehr ein Viertel. Wenn er heute mit dem Allrad-Kombi in seine Parzellen auf den Hügeln und in den Tälern fährt, braucht er viel Zeit und ein genaues Auge. Manche seiner Felder liegen 40 Kilometer vom Hof entfernt: „Manchmal denke ich: Hoffentlich vergisst du nichts.“

Das Sauerland ist Deutschlands größte Weihnachtsbaumfabrik, jährlich schleppen die Deutschen fast 30 Millionen Bäume in ihre Wohnzimmer – und Hennecke hat einen der großen Betriebe. Beim Schnittgrün für Adventskränze und Gestecke sei er im Sauerland sogar der größte, sagt er. Fünf Baumarten zieht er auf rund 250 Hektar, 30 Mitarbeiter verpflichtet er in der Hochsaison. An solche Maßstäbe kommt in anderen Regionen Deutschlands niemand heran.

Kommentare (6)

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Kapturak

21.12.2013, 08:51 Uhr

Dass die Grünen Weihnachtsbäume verbieten wollen, ist doch klar. Das gehört zum Kulturkampf dazu.

Account gelöscht!

21.12.2013, 09:47 Uhr

Auf diese kommerziell entartete Weihnachtskultur kann ich gerne verzichten. Frohe Weihnachten!

Account gelöscht!

21.12.2013, 10:28 Uhr

Und das ist noch nicht mal die schlechte Nachricht,denn die lautet:Die Weihnachtsbäume aus dem Sauerland sind massiv mit krebserregenden Pestiziden verseucht.
Nachzulesen hier:http://www.taz.de/Pestizide-zum-Fest/!129639/

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