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22.09.2014

11:23 Uhr

Weltmarktführer Rosenbauer

Löschfahrzeuge für die Wüste

VonHans-Peter Siebenhaar

Saudi-Arabien, weltgrößter Ölexporteur, lässt auf dem Unternehmen Rosenbauer einen Geldregen niedergehen. Der Weltmarktführer baut legendäre Löschfahrzeuge, die Feuerwehrleuten Freudentränen in die Augen treiben.

Rosenbauers Löschfahrzeug „Panther S“: Zwei Motoren mit jeweils 700 Pferdestärken treiben den 52-Tonner an. Rosenbauer AG

Rosenbauers Löschfahrzeug „Panther S“: Zwei Motoren mit jeweils 700 Pferdestärken treiben den 52-Tonner an.

LinzEs glänzt und blinkt in der nagelneuen Fabrik für Feuerwehrfahrzeuge in Leonding, einem tristen Vorort der österreichischen Metallmetropole Linz. In Millimeterarbeit setzen die Arbeiter die komplizierten Aufbauten auf die Fahrzeuggestelle. Trotz der Geschäftigkeit des Schichtbetriebs geht es in der Fertigung der Rosenbauer AG auffällig geräuschlos zu. Das Unternehmen ist Weltmarktführer im Bau von Spezialfahrzeugen für den Brand- und Katastrophenschutz von Flughäfen und Industriefirmen.

400 Feuerwehrfahrzeuge verlassen jährlich das österreichische Werk. Die meisten davon gehen in die Wüste: Saudi-Arabien, der weltgrößte Ölexporteur, lässt auf dem börsennotierten Unternehmen einen Geldregen niedergehen - die Araber sind mittlerweile noch vor Firmen aus den USA und Deutschland die wichtigsten Kunden. „Bis 2016 liefern wir insgesamt 1.800 Fahrzeuge“, sagt Vorstandschef Dieter Siegel. „Saudi-Arabien spielt für uns eine Schlüsselrolle. Solche Großaufträge gibt es nicht alle Tage.“

Das österreichische Werk kann die Nachfrage nicht alleine schaffen. Bis zu 80 Fahrzeuge werden auch am Standort in Spanien gefertigt. In diesem Jahr erwartet Rosenbauer mit den Saudis einen Umsatz von 200 Millionen Euro.

Die Österreicher bauen nicht nur traditionelle Löschzüge für Feuerwehren nach individuellen Bedürfnissen. Quasi schon eine Legende in der Spezialfahrzeugbranche ist der „Panther“. Das Löschfahrzeug für Airports sieht aus wie ein futuristisches Vehikel aus einem Hollywood-Streifen. Die zwei Motoren von jeweils 700 Pferdestärken sorgen dafür, dass der relativ flache Einsatzwagen trotz seiner 52 Tonnen in nur 23 Sekunden von null auf achtzig Stundenkilometer beschleunigen kann.

Das treibt Berufsfeuerwehrleuten, die den „Panther“ vor Ort testen können, regelmäßig die Freudentränen in die Augen. Mit 150 „Panther“-Fahrzeugen beherrscht Rosenbauer rund ein Drittel des Weltmarkts für diese Spezialfahrzeuge.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Der „Panther“ ist auf Flughäfen rund um die Welt stationiert, von Köln-Bonn bis nach Auckland. Das Fahrzeug mit einem Verkaufspreis von bis zu einer Million Euro wird mittlerweile in rund 100 Länder geliefert. „Für den Verkauf ist es ein großer Vorteil, dass die Kunden, etwa aus dem Mittleren Osten, unsere Fahrzeuge auf einem speziellen Testgelände und einem Flughafen in Oberösterreich testen können. So etwas überzeugt“, erzählt Konzernchef Siegel. Rosenbauer hat sogar einen Fanshop eingerichtet, wo die verschiedenen Modelle des „Panther“ im kindgerechten Maßstab erworben werden können.

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