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18.03.2013

14:05 Uhr

Weniger neue Betriebe

Gründerstimmung in Deutschland verflogen

In Deutschland wagen immer weniger Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Zahl der Neugründungen ging im vergangenen Jahr deutlich zurück. Die Statistiker haben dafür eine simple Erklärung.

Azubi und Meister: Die Zahl der neu gegründeten Betriebe ist rückläufig. dpa

Azubi und Meister: Die Zahl der neu gegründeten Betriebe ist rückläufig.

WiesbadenIn Deutschland wagen immer weniger Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte, wurden 2012 rund 134 000 Betriebe neu gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lasse. Das seien 7,0 Prozent weniger als 2011 und so wenige wie noch nie seit Beginn der Erhebung 1996, sagte eine Statistikerin. Gleichzeitig mussten 122 000 größere Betriebe ihr Gewerbe aufgegeben.

Die Zahl gegründeter Kleinunternehmen - das sind Betriebe ohne Angestellte und ohne Eintrag ins Handelsregister - ging ebenfalls auf das niedrigste Niveau seit dem Start dieser Berechnungen 2003 zurück: Im vergangenen Jahr fiel sie gegenüber dem Vorjahr um 17,0 Prozent auf rund 243 000 - während 292 000 Kleinstunternehmer ihr Geschäft aufgaben. Nahezu unverändert entwickelten sich die Gründungen von Nebenerwerbsbetrieben (rund 241 000, minus 0,2 Prozent).

Nach einer am Montag von der Förderbank KfW veröffentlichen Erhebung wirkt sich die schwache Entwicklung bei den Firmengründungen auch auf die Beschäftigung aus. So seien 2012 durch Neugründungen 383 000 Vollzeitstellen geschaffen worden, davon 171 000 für angestellte Mitarbeiter. Das waren 15 Prozent weniger und so wenige wie nie seit Beginn der KfW-Zeitreihe 2005.

Die größten deutschen Firmenpleiten

Platz 16

Schlott

Druckerei/1480 Beschäftigte

(Quelle: Statista)

Platz 15

Hansa

Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

Platz 14

Mäc Geiz

Discounter/1600 Mitarbeiter

Platz 13

Sellner

Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

Platz 12

Escada

Modekonzern/2200 Mitarbeiter

Platz 11

Q-Cells

Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

Platz 10

Schiesser

Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

Platz 9

Edscha

Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

Platz 8

Wadan-Werften

Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

Platz 7

Honsel

Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

Platz 6

Karmann

Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

Platz 5

Quimonda

Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

Platz 4

Manroland

Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

Platz 3

Woolworth

Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

Platz 2

Schlecker

Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

Platz 1

Arcandor

Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Dass sich 2012 so wenige Menschen wie nie zuvor in Deutschland selbstständig machten, begründeten die Statistiker auch mit dem derzeit robusten Arbeitsmarkt und der hohen Beschäftigung.

Nach früheren Angaben der KfW spielt zudem eine Rolle, dass zuvor arbeitslose Unternehmensgründer seit Ende 2011 nicht mehr automatisch auf Antrag einen Zuschuss der Bundesagentur für Arbeit bekämen. „Früher hatten Gründer aus der Arbeitslosigkeit heraus darauf einen Rechtsanspruch, jetzt ist es eine Ermessensleistung der Arbeitsagentur“, hatte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner erklärt. Dabei gehe es um Zuschüsse von anfangs monatlich 300 Euro. Die schwache Konjunkturentwicklung 2012 erhöhe zudem die Wahrscheinlichkeit, mit einem jungen Unternehmen zu scheitern.

Zeuner erwartet auch im laufenden Jahr keinen Gründungsboom in Deutschland: „Sollte sich der Arbeitsmarkt jedoch wider Erwarten nicht so stabil zeigen wie vorhergesagt, könnte dies die Gründungstätigkeit etwas beleben.“

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Von

dpa

Kommentare (7)

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aktionaer

18.03.2013, 11:23 Uhr

Man schießt sich also auf Negativ-Nachrichten gerade ein ?

Ist für mich imemr wieder interessant, wie doch die Volksmeinung über die Medie "gemacht" wird. Noch vor einem Jahr ging es nur um die Probleme der Dolche Vita Länder im südlichen Rotwein / Knoblauch Gürtel und dann plötzlich waren auf einmal alles Probleme "WEG" ?

Nun wackelt eine kleine, unbdeutende Insel, die sich den Medien nach zu urteilen fast nur vom Geldwäsche finaziert und plötzlich soll deshalb die Krise zurück kehren. Faszinierend, dass gerade wegen der kommen Ereignisse die asiatischen Börsen einbrechen.

Account gelöscht!

18.03.2013, 14:33 Uhr

nicht nur eine kleine Insel, die ist dazu gekommen, Griechenland,Spanien,Italien...sind nicht aus dem Schneider..
die Preise/Abgaben sind zu hoch um sich selbstständig zu machen, und diejenigen die es sind kämpfen täglich um nicht in die roten Zahlen zu kommen.

undwarum

18.03.2013, 14:44 Uhr

In einem kommunistischen Land, davon ist D nicht mehr weit weg, kann man keine Gründerstimmung erwarten. Wenn man scheitert, wird man belacht, dass man sein Leben als Lohnsklave aufgegeben hat. Hat man Erfolg, wird man beneidet und der Erfolg wird missgönnt. Zudem ist das Steuer- und sozialsystem arbeitnehmerfreundelich, Unternehmensfeindlich (Beispiel gefällig: ein Selbständiger muss immer 100% seines Einkommens versteuern, Zuschläge (Überstunden, Sonn-Feiertage) eines Angestellten bleiben zu wesentlichen Teilen steuerfrei. Das sind alles nur Tendenzaussagen. Zudem ein Bürokratismus, der absolut unvernünftige Ausmaße angenommen hat und zu einem erheblichen Teil nur dazu dient, unlegitimierte und undemokratische Machenschaften, sowohl auf Landes als auch auf EU Ebene, zu finanzieren. Der ehrliche Steuerbürger wird mit preussischer Exaktheit hierzulande mit einer exorbitanten Bürokratie überzogen, um bspw. Schwarzgeldkonten in Zypern zu sichern. Wie müssen wieder mehr Selbständige mit guten Ideen haben, sonst sind wir in D bald am Ende. Denn als Produktionsstandort klassischer Industrien (Eisen, Kohle etc.) sind wir zu teuer. Aber kluge Köpfe im Land behalten wird nicht gelingen, wenn man immer mehr Bürokratie bei steigenden (unfairen) Steuern auf die Bürger abwälzt. Da bieten andere Länder eine attraktivere Infrastruktur (zumindest für Selbständige!).

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