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16.09.2015

12:01 Uhr

Werhahn kauft zu

Zwilling macht in italienisches Kochgeschirr

VonAnja Müller, Katharina Kort

Mitte Juli hatte Unternehmer Anton Werhahn es angekündigt: Vor allem mit dem Tochterunternehmen Zwilling wolle der Familienkonzern wachsen. Nun unternimmt Werhahn die ersten Schritte.

Die Tochter des Werhahn-Konzerns produziert längst mehr Kochgeschirr als Messer. picture-alliance/ dpa

Messer von Zwilling

Die Tochter des Werhahn-Konzerns produziert längst mehr Kochgeschirr als Messer.

Düsseldorf/MailandEs ist eine Übernahme, die zu Werhahn passt. Es ist kein Milliardendeal, aber einer, der strategisch wichtig ist und der genau den Plänen des Chefs der einflussreichen Werhahn KG entspricht: Die Tochter Zwilling des traditionsreichen deutschen Familienunternehmens übernimmt den Kochgeschirr-Herteller Ballarini – ein italienisches Familienunternehmen mit einer ebenfalls langen Tradition.

Dem Handelsblatt hatte Anton Werhahn im 20. Juli erklärt, dass die Zahl der Gesellschafter in den vergangenen fünf Jahren deutlich gewachsen sei. Entsprechend mehr Ertrag müsse das Unternehmen erwirtschaften. Der Plan: Vor allem im Konsumgütersegment, das unter der Marke Zwilling firmiert, wollte Anton Werhahn zukaufen. Nun kann Zwillings-Vorstandschef Erich Schiffers Vollzug melden.

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Ballarini ist vor allem durch die Kochsendung Masterchef im italienischen Fernsehen bekannt und wurde 1889 von Paolo Mantovani gegründet. Der Hauptsitz des Familienunternehmens, das heute in fünfter Generation von Giuseppe Ballarini geführt wird, befindet sich in Rivarolo in der Lombardei.

Ballarini stellt Aluminium-Kochgeschirr vor allem für den italienischen und den deutschen Markt her, wo das Unternehmen in den Märkten jeweils 26 und zehn Prozent Marktanteil hält, erklärt Zwillings Vorstandschef Erich Schiffer. Insgesamt produzieren die Italiener pro Jahr rund neun Millionen Teflon-beschichtete Töpfe und Pfannen aus Aluminium. Im Geschäftsjahr 2014 erzielte es einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro. Zwilling setzte im vergangenen Jahr 650 Millionen Euro um. Zwilling will mit der Übernahme seinen weltweiten Marktanteil bei antihaftversiegeltem Kochgeschirr weiter ausbauen und in ein neues Marktsegment, das Alu-Kochgeschirr, einsteigen.

Der Umsatz der Italiener schwankt stark: 2013 waren es noch 90 Millionen Euro Umsatz bei Ballarini gewesen. Zwilling-Vorstandschef Erich Schiffers bestätigt die Zahlen, erklärt aber, dass Pfannen klassische Produkte für Loyalitätsprogramme seien und der Abverkauf oft zeitversetzt sei.

„Zwilling steigt auf jeden Fall in ein Wachstumsunternehmen ein, betont Schiffers und ergänzt: „Wir sind an freien Kapazitäten interessiert. Denn: Zwilling will vor allem in Asien und Amerika wachsen, mit Kochgeschirr „Made in Italy“. Mittlerweile produziere Zwilling mehr Kochgeschirr als Messer. Mit den Töpfen und Pfannen aus Aluminium von Ballarini, die vierfach beschichtet seien, „betreten wir ein neues Segment“, sagt Schiffers. Giuseppe Ballarini will mit dem Verkauf seinen rund 300 Mitarbeitern eine „Wachstumsperspektive“ bieten. Seine Familie bleibt weiterhin in der Geschäftsführung, erklärt Schiffers.

Allerdings steht die Übernahmen noch unter dem Vorbehalt der fusionskontrollrechtlichen Freigabe durch die Kartellbehörden. Sie wird im November 2015 erwartet, teilte Zwilling mit.

Die Firmengeschichte von Werhahn

Der Gründer

Der gelernte Landwirt Wilhelm Werhahn (1802 bis 1871) vom Dyckhof aus dem ländlichen Büderich handelte früh mit Kohl, Hafer, Roggen und Buchweizen, aber auch Feldsteinen aus Basalt. Kurz nach seiner Heirat mit Magdalena Kallen zog er in ihre Heimatstadt Neuss. Dort gründete Werhahn am 31. Juli 1841 eine Holzhandlung und verkaufte weiter Getreide, Dünger und Steine.

Die Stämme

Nach dem Tod des Firmengründers 1871 führten drei seiner Söhne, Peter (Stamm A), Wilhelm (B) und Franz (C), die Firma als offene Handelsgesellschaft weiter. Ihre Nachkommen sind noch heute die alleinigen Eigentümer der Unternehmensgruppe. Sparsamkeit, Fleiß, Zurückhaltung und Verzicht auf Gier wurden früh in der Unternehmenskultur verankert. Dem Volksmund nach wird den Werhahns der Satz zugeschrieben: „Wir haben es nicht vom Ausgeben, sondern vom Behalten.“ In der offiziellen Chronik steht er indessen nicht.

Die Expansion

Die zweite Generation ging ins Ausland, stieg zusätzlich ins Immobiliengeschäft ein. Die Werhahns investierten in die Meierei Bolle und die Bolle-Supermärkte, Brauereien, Bergbau und Kohlenhandel, in Seifenfabriken oder den Einzelhändler Schätzlein. Von vielen Geschäftsfeldern hat sich Werhahn wieder getrennt, zuletzt von den Mühlen ("Diamant").

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