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25.06.2015

14:22 Uhr

Willy Bogner

Das Feuer ist noch nicht erloschen

VonJoachim Hofer

Willy Bogner ist ein Tausendsassa: Auf Skiern raste er für James Bond die Bobbahn runter, drehte Filme und macht Mode. Nur loslassen kann er nicht – den Verkauf seiner Firma hat er abgeblasen. Bogner gibt weiter Gas.

Eine Modefirma Bogner ohne ihn? Schwer vorstellbar. picture-alliance / Sven Simon

Willy Bogner

Eine Modefirma Bogner ohne ihn? Schwer vorstellbar.

MünchenGute Ideen entstehen oft an ungewöhnlichen Orten. Insofern ist es vielleicht kein Nachteil, dass das Sportmodelabel Bogner in einer ehemaligen Sauerkrautfabrik im biederen Münchener Stadtteil Berg am Laim residiert. Vom Glanz und Glamour der internationalen Fashionwelt ist in dem unscheinbaren, weißen Altbau wenig zu spüren. Dabei ist Bogner eine der wenigen deutschen Sportmodemarken, die weltweit Ansehen genießen. Adidas und Puma gehören noch dazu, sicher, aber dann wird es schon dünn.

Dass Bogner vor allem unter gut betuchten Skifahrern begehrt ist wie Wasser in der Wüste, liegt vor allem am Eigentümer: Willy Bogner. Sein Vater und Unternehmensgründer Willy Bogner senior trug schon bei den Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen die Fahne, Sohn Willy war als Skirennfahrer in Squaw Valley und Innsbruck bei Olympischen Spielen dabei, seine Firma rüstet heute die deutschen Olympiamannschaften aus. Eine solche Biografie hat sonst niemand in der Modebranche hierzulande.

Eine Modefirma Bogner ohne Willy Bogner? Schwer vorstellbar. Doch der ehemalige Skirennfahrer ist inzwischen 73 Jahre alt, höchste Zeit, sich Gedanken um die Zukunft seiner Marke zu machen. Der passionierte Filmemacher, sein bekanntester Streifen war Mitte der 80er Jahre „Fire + Ice“, hat schon seit Jahren immer wieder mal versucht, sich von seinem Unternehmen zu trennen. Zwischenzeitlich stand ein Börsengang zur Debatte, doch die Finanzkrise kam dazwischen und so schaffte es die Sportmodemarke nie aufs Parkett.

Im vergangenen September dann teilte Bogner mit, er habe die Investmentbank Goldman Sachs damit beauftragt, verschiedene strategische Optionen zu prüfen. Ein Verkauf stand dabei ganz oben auf der Wunschliste.

In den vergangenen Wochen war Bogner dann auf der Zielgeraden. Prominente Investoren wie Bayern-Star Philip Lahm und Daimler-Chef Dieter Zetsche standen bereit, um seine Modefirma zu übernehmen. Das Konsortium führte der frühere Coty-Chef Bernd Beetz an, mit im Boot auch der chinesische Mischkonzern Fosun. Am Ende aber entschied sich der Unternehmer gegen einen Verkauf.

Er werde die Expansion jetzt mit dem eigenen Team vorantreiben, teilte Bogner am Mittwoch in ein paar dürren Zeilen mit. Das klang fast schon trotzig. „Sehr viele Interessenten“ hätten sich gemeldet, so der Unternehmer. Doch der Richtige war nicht dabei.

Kommentare (2)

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Matt Anderson

25.06.2015, 14:57 Uhr

Das Modelabel "Bogner" ist sowas von out. Genauso wie das Label "Chiemsee". Bogner wäre schlauer gewesen, den Laden für ordentlich Schotter abzugeben. Das Sterben der "Marke" kann er eh nicht mehr verhindern. Menschen, die sich up to date kleiden und nicht als ewig gestrige angesehen werden wollen, kaufen kein "Bogner". Jemand, der 90er-Jahre Bogner-Klamotten an hat, ist vergleichbar mit einem der sich nicht von seiner 80er-Jahre Vokuhila-Frisur trennen kann. Also irgendwo in längst vergangenen Zeiten steckengeblieben.

Herr Peter Gollong

26.06.2015, 11:18 Uhr

Willy Bogner ist der Ralph Siegel der Sportmode. Die Bogner-Ausstattung der Olympiamannschaften ist geradezu sensationell grauenhaft und sowohl in Farben wie Schnitten völlig daneben. Sie ist die Manifestation eines Modegeschmacks, der mehr als von Vorgestern ist und auch nicht durch die Eitelkeit und Großmäuligkeit ihres Prinzipals sein Standing bewahren kann. So wird es kommen wie es kommen muss: Dank WB wird die Marke verschwinden und niemand wird das wirklich bedauern...

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