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26.01.2010

14:14 Uhr

Wirtschaft in Kanada

British Columbia bricht das Rezessions-Eis

VonRainer Jaensch (gtai)

Kanadas rohstoffreiche Provinz British Columbia dürfte 2010 ein stärkeres Wachstum als der Landesdurchschnitt verbuchen. Die Sektoren Bergbau, Öl und Gas sowie der wieder an Schwung gewinnende Asienhandel treiben die Wirtschaft an. Hinzu kommen die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver, von denen weitere positive Impulse erwartet werden.

Ein Containerschiff der kanadischen Reederei CP Ships: Kaum ein Sektor der zuvor prosperierenden Wirtschaft in British Columbia blieb 2009 von der Rezession verschont. dpa

Ein Containerschiff der kanadischen Reederei CP Ships: Kaum ein Sektor der zuvor prosperierenden Wirtschaft in British Columbia blieb 2009 von der Rezession verschont.

VANCOUVER. Kaum ein Sektor der zuvor prosperierenden Wirtschaft in British Columbia blieb 2009 von der Rezession verschont. Neben der notleidenden Forstwirtschaft trugen der Bergbau, der Öl- und Gassektor, die Bauwirtschaft und der Handel zum Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um rund 2,5% bei. Im Jahr 2010 werde die Wirtschaft mit einem Plus von knapp 3% - stärker als der Landesdurchschnitt (2,6%) - kräftig anziehen, prognostizieren führende Geschäftsbanken.

Symptomatisch für den Aufschwung in der Provinz dürfte das Beispiel des Kohleproduzenten Western Coal sein. Nachdem das kanadische Unternehmen Anfang 2009 Produktionseinschränkungen meldete, kündigte es im Herbst neue Investitionsvorhaben an. Der Grund ist die anziehende Koksnachfrage für die Stahlproduktion in der VR China und anderen asiatischen Ländern, erklärte Western Coal gegenüber Germany Trade & Invest. Im Zuge dieser Nachfragesteigerung wird nicht nur der Bergbau der Provinz belebt, sondern auch der Transport bis zur Verschiffung. Schließlich wird der gesamte kanadische Seehandel mit Asien über die beiden Pazifikhäfen in Vancouver und Prince Rupert abgewickelt.

Nicht nur die Aussichten für den Handel mit Kokskohle (reichste Bergbauerzeugnis der Provinz) hellen sich auf. Auch andere Bodenschätze aus British Columbia wie Kupfer, Gold, Silber, Zink und Molybdän treffen auf eine global zunehmende Nachfrage. Der Bergbau zählt in der Provinz zu den bedeutenden und am stärksten wachsenden Wirtschaftssektoren. Von 1997 bis 2006 haben die Unternehmen der Branche ihre Einnahmen um fast 50% auf 8 Mrd. kanadische Dollar (kan$; rund 5,6 Mrd. Euro; 1 kan = 0,7 Euro) hochgefahren. Während die über 1 000 Explorations- und Bergwerksstätten über die Provinz verteilt sind, haben im Großraum Vancouver über 800 Bergwerksfirmen ihren Sitz.

Zu den wachsenden Wirtschaftszweigen zählt der Transport- und Logistiksektor, der auch im Rezessionsjahr 2009 leicht zulegte. Vancouver und der erweiterte Containerhafen in Prince Rupert fungieren als Kanadas Tor nach Asien. Die Forcierung des Handels mit den aufstrebenden asiatischen Schwellenländern gehört zu den Prioritäten der Provinzregierung. Im Vergleich dazu spielen die Wirtschaftsbeziehungen zu Europa eine untergeordnete Rolle.

Von Vancouver aus bietet sich - aufgrund der kürzeren Distanzen - eher die Kooperation mit dem Westen der USA und Asien an. Eine starke asiatische, vor allem chinesische Präsenz, ist in der Provinz allgegenwärtig. Chinesische Einwanderer sind nicht nur bedeutende Investoren im Immobilienbereich, sie fungieren auch als Brückenkopf für die Wirtschaftsbeziehungen zur VR China. Sie stellen das Gros der Einwanderer im Großraum Vancouver, die 40% der Bevölkerung ausmachen und wirtschaftlich integriert sind.

Als ein florierender Sektor präsentieren sich die Neuen Medien - von der Filmproduktion bis zu Videospielen. So zählt die Provinz über 600 Unternehmen im Bereich der digitalen Medien mit rund 16 000 Beschäftigten und einem jährlichen Umsatz von rund 2,5 Mrd. kan$. Das Gros entfällt auf den Großraum Vancouver, wo eines der weltweit bedeutendsten Cluster für die Videospiele-Produktion angesiedelt ist. Die drittgrößte Produktionsstätte für ausländische Filme in Nordamerika ist ebenfalls Vancouver. Dort hat sich auch eines der am schnellsten wachsenden Cluster für Life Science in Nordamerika herausgebildet. Von den rund 100 biopharmazeutischen Unternehmen in der Provinz mit Einnahmen von etwa 800 Mio. kan$ ist der Großteil im Großraum Vancouver zu finden.

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