Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2010

13:42 Uhr

Wirtschaftsaussichten

Ostafrika soll 2010 zusammenwachsen

VonInge Hackenbroch (gtai)

Für die Länder der Ostafrikanischen Gemeinschaft hat das Krisenjahr 2009 einen zumeist moderaten Wachstumseinbruch gebracht. Doch trotz verhaltener Wirtschaftsaussichten zum Jahreswechesel werden die Staaten der East African Community auch in Zukunft ihre Rolle als Absatzmarkt vor allem für die Anbieter von Maschinen und Ausrüstungen behalten.

Ausgetrockneter Erdboden in Nordkenia: Verheerende Trockenperioden sind ein Hauptgrund für die wirtschaftliche Flaute im Land. dpa

Ausgetrockneter Erdboden in Nordkenia: Verheerende Trockenperioden sind ein Hauptgrund für die wirtschaftliche Flaute im Land.

NAIROBI. Die Wirtschaftsprognosen für die East African Community (EAC) für 2010 liegen überwiegend zwischen 5 und 7%, ausgenommen für Kenia. Zwar haben die die meisten Länder das globale Krisenjahr 2009 relativ unbeschadet, dass heißt mit einer nur geringfügigen Wachstumsdelle überstanden, mit Ausnahme der regionalen Führungsmacht. In Kenia hat die ungünstige Konstellation endogener und exogener Faktoren 2008 und 2009 einen starken Wachstumseinbruch verursacht, der auch 2010 nach Einschätzung unabhängiger Experten lediglich in eine leichte Erholung münden soll. Mitte 2010 soll das Binnenmarktprotokoll in Kraft treten und den Güter-, Kapital- und Personenverkehr erleichtern.

So liegen die Prognosen für 2010 in den EAC-Ländern überwiegend zwischen 5,5 und 7%, dagegen nur bei knapp 3% für Kenia, wo erst im darauffolgenden Jahr wieder reale Zuwachsraten von über 5% erwartet werden. Als wichtigste Ursachen der verlängerten Flaute in der am weitesten entwickelten Volkswirtschaft der Region gelten die Nachwirkungen der politischen Krise nach den letzten Wahlen 2007/08 sowie die verheerenden Folgen anhaltender Trockenperioden für die Landwirtschaft. So haben die erratischen Niederschläge in mehreren aufeinanderfolgenden Regenzeiten nach letztem Stand rund 4 Mio. Menschen an den Rand einer Hungersnot gebracht und Nahrungsmittelimporte für viele Hundert Millionen US-Dollar erforderlich gemacht.

Hinzu kommt, dass Kenias stärkste Devisenbringer, Tourismus und Gartenbauindustrie, sensibel auf Nachfrageschwankungen und politische Risiken reagieren, die zudem generell das allgemeine Investitionsverhalten beeinträchtigen. Tansania und Uganda verfügen dagegen über stabilere Ressourcen, wie etwa Mineralvorkommen. So verzeichnete Tansania 2009 noch ein geschätztes Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 5%, nach rund 7% im Vorjahr. Im Jahr 2010 soll der Pfad bei langsamer Erholung von Auslandsinvestitionen, Handel und Tourismus wieder leicht ansteigen. Das dritte der traditionellen EAC-Partnerländer, Uganda, hat sich nach Einschätzung internationaler Experten in der globalen Krise als am widerstandsfähigsten erwiesen und soll auch 2010 erneut einem Realwachstum von um die 7% entgegensehen.

Diese Entwicklungen dürften sukzessive den wirtschaftlichen Abstand zwischen den drei Schwerpunktländern der Ostafrikanischen Gemeinschaft verringern - und damit ebenfalls die Voraussetzungen für die zukünftige Intensivierung der regionalen Integration verbessern. So verfügt nach dem aktuellen Stand immer noch Kenia über die deutlich stärkste Wirtschaftskraft, mit einem BIP von 32 Mrd. US-Dollar (Schätzung 2009) bei 40 Mio. Einwohnern, gegenüber Tansania mit 21 Mrd. US-Dollar bei einer Bevölkerung von 44 Mio. und Uganda mit 17 Mrd. US-Dollar für 33 Mio. Menschen.

Entsprechend unterschiedlich sind die nominalen Pro-Kopf-Einkommen (letzte Weltbankerfassung von 2007: Kenia 680 US-Dollar, Tansania 400 US-Dollar, Uganda 340 US-Dollar). Dagegen zeigt die Kaufkraftberechnung (PPP-Indikator) nur geringfügige Abweichungen - die Werte liegen zwischen 1 400 und 1 600 US-Dollar - was auf eine gewisse Angleichung der nicht-monetären Faktoren im Lebensstandard der Bevölkerung schließen lässt.

Den stärksten Aufholbedarf haben die beiden jüngsten und kleinsten EAC-Mitglieder, Ruanda und Burundi, mit BIP-Werten von knapp 3 Mrd. US-Dollar bei 10 Mio. Menschen beziehungsweise 1,8 Mrd. US-Dollar bei 8 Mio. Einwohnern. Am unteren Ende der Skala der Pro-Kopf-Einkommen liegt Burundi (110 US-Dollar oder 330 US-Dollar nach PPP-Berechnung) gegenüber Ruanda mit 320 respektive 860 US-Dollar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×