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12.03.2014

10:16 Uhr

Zu mühsam, zu schmutzig

Handwerk ist für junge Menschen kein Traumberuf

Bäcker oder Klempner werden ist bei Schulabgängern nicht angesagt. Das Handwerk hat ein schlechtes Image. Viele machen lieber Abi und gehen später an die Uni. Das Handwerk will daher künftig auch an Gymnasien werben.

Ein Ausbildender arbeitet mit einem Schweißbrenner an einer Stahlwand. Diese und andere handwerkliche Berufe sind heutzutage nicht mehr im Trend. dpa

Ein Ausbildender arbeitet mit einem Schweißbrenner an einer Stahlwand. Diese und andere handwerkliche Berufe sind heutzutage nicht mehr im Trend.

München„Morgens um 6.00 Uhr in der Backstube stehen, das wollen die meisten nicht“, klagt Bäckermeister Michael Moser. Für den 45-Jährigen beginnt der Arbeitstag schon um 1.00 Uhr nachts. Seit Jahren sucht er für seine Bäckerei im niederbayerischen Bad Füssing immer wieder händeringend Auszubildende. Doch auf Inserate in den Zeitungen erhält er oft noch nicht mal eine Anfrage. Bei vielen jungen Leuten habe das Handwerk ein total schlechtes Image. „Ich sehe das bei meiner Tochter. Bei ihr in der Klasse auf der Realschule haben gerade 4 von 25 eine Lehrstelle. Der Rest will studieren oder eine Weiterbildung machen.“

Auch die Sanitär- und Heizungsfirma Hessel und Sohn in der Autostadt Stuttgart-Zuffenhausen findet kaum Lehrlinge. „Unter den Bewerbern sind viel zu viele mit zu geringer Qualifikation. Wer wenig mathematisches und technisches Wissen mitbringt und dann noch einen Hauptschulabschluss von 3,4 vorweist, der eignet sich für uns nicht“, klagt Andrea Hessel. Den meisten sei die Arbeit zudem zu dreckig und körperlich zu anstrengend. Da wolle keiner auf den Knien irgendwelche Leitungen legen. Das kleine Familienunternehmen mit seinen gut 30 Mitarbeitern habe außerdem große Konkurrenz vor Ort. „Viele junge Leute fangen lieber bei Porsche oder bei Daimler an. Das zieht mehr.“

Weniger Umsatz und Stellen: Schwaches Jahr für deutsches Handwerk

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Trotz des kräftigen Jahresendspurts muss das deutsche Handwerk 2013 leichte Umsatzverluste hinnehmen. In diesem Jahr soll es aber wieder bergauf gehen – vor allem dank der wachsenden Baunachfrage.

Mit großer Sorge betrachtet der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) die Entwicklung. Allein im vergangenen Jahr seien bundesweit rund 15.000 Lehrstellen unbesetzt geblieben. Seit 2009 habe das Handwerk immer mehr Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden. Als Ursache dafür sieht Alexander Legowski die demografische Entwicklung und den zunehmenden Trend zum Abitur und Studium. „Wir verlieren unsere leistungsstarken Jugendlichen ans Gymnasium.“

Heizungs- und Sanitärklempner oder Gebäude- und Kältetechniker will kaum einer werden. Problem sei zudem oft die fehlende Qualifikation der Bewerber, sagt Verbandssprecher Legowski. Besonders gravierend sei die Situation in den süddeutschen Ballungsgebieten sowie im Osten. In Städten wie Augsburg, Stuttgart oder München hätten es Handwerksbetriebe zusätzlich schwer, Berufsanfänger zu gewinnen, weil die lieber in die Industrie gingen.

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