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31.08.2012

11:18 Uhr

Zwangssystem in der Kritik

„Kammerjäger“ wollen IHK-Bezirk übernehmen

VonJohannes C. Bockenheimer

Der Bundesverband für freie Kammern wildert bei den Industrie- und Handelskammern: Der freie Verband will einen IHK-Bezirk komplett übernehmen. Denn viele Unternehmen ärgern sich über das undemokratische System.

Schöne Fassade, aber unschöne Strukturen dahinter? Viele Unternehmer sind mit dem Kammersystem unzufrieden. dpa

Schöne Fassade, aber unschöne Strukturen dahinter? Viele Unternehmer sind mit dem Kammersystem unzufrieden.

BerlinDer Bundesverband für freie Kammern (BffK) plant die Komplettübernahme eines IHK-Bezirks mit eigenen Mitgliedern. Das geht aus einem Konzept hervor, das dem Handelsblatt vorliegt. Nach Vorstellung des BffK könne damit bewiesen werden, dass die Forderungen des Verbands nach mehr Transparenz sowie einer umfassenden Bilanzierung der IHK-Beteiligungen und Geschäftsführergehälter umsetzbar sind. Das sind Punkte, zu denen die Kammern bislang mehrheitlich schwiegen.

Um das zu ändern, wollen Kammerjäger sich in die Vollversammlung eines IHK-Bezirks wählen lassen. Ein Wahlkampfbudget von 40.000 Euro aus Verbandsmitteln soll den Projekterfolg sichern, heißt es in dem Papier. Noch ist der Verband auf der Suche nach einem passenden Bezirk: Die Kammer müsse eine „akzeptable Größe" haben und finanziell solide aufgestellt sein. Bis Juni 2013 soll das Projekt angestoßen werden.

In Berlin und Stuttgart versuchen Unternehmerinitiativen derzeit ebenfalls, die Strukturen der Industrie- und Handelskammern aufzubrechen und für mehr Transparenz und Demokratie zu sorgen. Anfang des Jahres gründete sich in der IHK Berlin die Initiative "Pro KMU". Für Oliver Scharfenberg, den Initiator, ist das eine logische Folge: "Die Bürger fordern überall mehr Beteiligung und Transparenz, es wird Zeit, dass diese Erkenntnis auch in die IHK einzieht." Einen ersten Erfolg kann die Gruppe vorweisen: Seit Juni sitzen 14 Mitglieder in der Vollversammlung. Im September kandidieren zudem sechs Mitglieder der Gruppe um einen Sitz im Präsidium, einer von ihnen bewirbt sich gar auf den Präsidentenposten.

Auf ähnliche Erfolge hofft man nächste Woche in Stuttgart. Dann wird die IHK-Vollversammlung neu gewählt. Eine Gruppe von 57 Unternehmern hat sich in der "Initiative Kaktus" zusammengeschlossen, um ihrerseits die IHK zu stechen. Kaktus-Gründer Clemens Morlok gibt die Richtung vor: "Wir wollen die Kammern nicht abschaffen, aber den Mitgliedszwang beseitigen", sagt er.

Die Verwerfungen in der Hauptstadt könnten sich zudem auf die Zukunft des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) auswirken. Der amtierende Präsident Hans Heinrich Driftmann wird 2013 aufhören. Branchenkreisen zufolge gilt Eric Schweitzer, der bisherige Präsident der IHK Berlin, als heißer Kandidat für die Driftmann-Nachfolge. Allerdings müsste er im September zunächst im Amt bestätigt werden, bevor er ins Rennen um den DIHK-Posten starten kann.

Kein Wunder also, dass man im Präsidium der Hauptstadt-IHK angesichts des näher rückenden Wahltermins nervös wird. Wie das Handelsblatt aus Präsidiumskreisen erfuhr, haben Geschäftsführung und Schweitzer in den vergangenen Wochen systematisch Mitglieder der Vollversammlung kontaktiert und versucht, sie bei inoffiziellen Wahlkampfveranstaltungen in Stellung zu bringen.

Kommentare (1)

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Kammer-Kritiker

31.08.2012, 17:20 Uhr

Ich muss sagen, es ist schon ein starkes Stück wenn ein Kammerpräsident IHK Beiträge für Wahlwerbung in eigener Sache ausgibt.

Könnte so etwas nicht womöglich den Tatbestand der Untreue erfüllen?

Es sind doch unsere Beiträge die wir verdienen müssen. Für mich wäre Herr Schweitzer mit einer solchen Aktion für den Posten als DIHK Präsident und IHK Präsident aus dem Rennen.

Ich kenne die Mitglieder der Initiative pro KMU. Es handelt sich um sozial engagierte und angesehene Unternehmer in Berlin. Wie kann man nur so etwas sagen.

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