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17.11.2016

07:35 Uhr

Mobbing am Arbeitsplatz

Und plötzlich verhalten sich alle Kollegen anders

VonLisa Oenning

Die Grenzen zwischen kollegialem Tratsch und systematischem Mobbing sind fließend. Die Täter suchen ihre Opfer oft gezielt aus. Wie Sie merken, dass Sie zur Zielscheibe der Kollegen werden und was Sie tun können.

Wer merkt, dass die Kollegen schlecht über ihn reden, sollte laut Karriereexpertin Leitner auf Konfrontationskurs gehen. Fotolia.com

Klatsch und Tratsch am Arbeitsplatz

Wer merkt, dass die Kollegen schlecht über ihn reden, sollte laut Karriereexpertin Leitner auf Konfrontationskurs gehen.

DüsseldorfDer Kollege ist das Instrument des systematischen Mobbers. „Ist dir aufgefallen, dass der Neue immer so nach Pfefferminz riecht?“, fragt er einen anderen Angestellten. „Meinst du, der hat vielleicht ein Alkoholproblem?“ Noch bevor dieser darauf antworten kann, relativiert der Mobber seine Aussage. „Das war nur so eine Überlegung. Erzähl' bitte niemandem davon.“

Doch solche scheinbar harmlosen, beiläufigen Bemerkungen können große Auswirkungen haben: „Nach solch einem Gespräch passiert es oft, dass der instrumentalisierte Mitarbeiter sich unterbewusst anders gegenüber dem Kollegen verhält“, weiß Karriereexpertin und Psychotherapeutin Madeleine Leitner, die seit mehr als 20 Jahren mit Mobbing-Opfern zu tun hat.

Die Konsequenz: Der langjährige Angestellte fühlt sich unwohl in der Gegenwart des Neuen. Er weicht ihm unbewusst von heute auf morgen aus oder ist kurz angebunden, wenn dieser das Gespräch sucht. Plötzlich verhalten sich andere Kollegen ähnlich. Der Mitarbeiter wird zunehmend zum Außenseiter.

Die Grenzen zwischen kollegialem Tratsch und systematischem Mobbing sind laut Leitner fließend. Aus juristischer Perspektive müssen mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein, damit man von Mobbing spricht. „Es muss eine Täter-Opfer-Konstellation vorliegen und das Verhalten muss sich über einen längeren Zeitraum kontinuierlich fortsetzen.

Was in Firmen alles schief läuft

Warten auf die IT-Jungs

„Der Arbeitsplatz einer Kollegin war für ihre neue Aufgabe ungeeignet: Sie musste abwechselnd auf den Tisch und dann 45° nach oben schauen. Dort war ihr Monitor im Regal untergebracht. Also standen alle ratlos ums Regal herum und beklagten sich, dass die IT-Jungs, die für solche Umbauten eigentlich zuständig sind, nicht endlich kommen, um den Monitor umzubauen. Während alle anderen rumstanden und klagten, haben ein Kollege und ich einfach den Monitor aus dem Regal genommen und auf den Tisch gestellt. War deutlich besser als auf die IT-Jungs zu warten. Seltsam, dass sonst keiner auf die Idee kam …“

(Quelle: Klaus Schuster, „Wenn Manager Mist bauen“ )

Mach einfach!

„Das Blöde an ›Mach einfach!‹ ist: Seit alle wissen, dass unsere Abteilung´ einfach mal macht, lösen wir auch die Probleme aller anderen Abteilungen, die gerne jede Verantwortung von sich schieben und sich nur noch Routineaufträge zutrauen.“

Entscheidungen treffen

„Leider trauen sich nur sehr wenige Manager, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen haben den kleinen Haken, dass sie eventuell falsch sein könnten, weshalb viele leider die falsche Entscheidung treffen – nämlich keine.“

Reportings ohne Ende

„Ich kenne Vertriebsorganisationen, bei denen die Account Manager vier Tage die Woche Reports verfassen und folgerichtig nur einen Tag die Woche beim Kunden sind. Desaströs.“

Die geliebte Routine

„Es besteht ein Hang dazu, sich in Routine zu vergraben, um keine unangenehmen Entscheidungen fällen zu müssen.“

Verhalt dich mal ruhig!

„Ich glaube, dass Action Management bei uns nur so lange funktioniert, wie das Unternehmen in Notlage ist. Der Satz ›Verhalt dich mal ruhig!‹ fällt bereits, sobald wir irgendwie eine schwarze Null schreiben.“

Erfolge machen einsam

„Action Management funktioniert bei uns nicht, weil Action Manager Erfolg haben und jeder Erfolg bei uns die Neider auf den Plan ruft. Sie fürchten, dass jeder merkt, dass sie keine solchen Erfolge vorweisen können. Erfolge machen einsam.“

Bloß keine Action

„Action Manager sind oft erfolgreich, aber meist nicht beliebt, weil die anderen sich dann auch schneller bewegen müssen. Schwache Chefs finden den Action Manager auch eher unbequem …“

Weniger Anerkennung

„Action Manager ernten bei uns meist weniger Anerkennung als diejenigen, die sich mehr aufs Schwafeln konzentrieren.“

Sie haben auch ein Beispiel?

Dann schreiben Sie mir: c.groh@vhb.de

Zudem muss es systematisch und zielgerichtet sein und auf die Verletzung des Persönlichkeitsrechts oder der Gesundheit des Betroffenen abzielen“, sagt André Kasten, Arbeitsrechtler bei der Kanzlei Abeln. Der Kollege muss also das klare Ziel vor Augen haben, den Mitarbeiter aus dem Unternehmen zu drängen. Liegen aber mehrere Monate zwischen den Attacken, halten sie nur über wenige Wochen an oder intrigieren mehrere Kollegen unabhängig voneinander gegen die Person, handelt es sich juristisch meist nicht um Mobbing.

Auch Experten vom Deutschen Gewerkschaftsbund erkennen hinter dem Mobbing in vielen Fällen ein Muster: Zu Beginn steht meist ein ungelöster Konflikt im Raum. Die Mitarbeiter schließen sich gegen den Kollegen zusammen und weisen ihm die Schuld zu, greifen ihn sogar persönlich an. Mit der Zeit werden die Antisympathien immer größer, sodass der Konflikt laut Gewerkschaftsbund in den Hintergrund gerät. Viele Vorgesetzte würden die Situation dem Gewerkschaftsbund zufolge verkennen – und drohen mit Versetzung, Abmahnung oder Kündigung. „Viele Mobbingfälle enden mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, manchmal sogar mit dem Ausscheiden aus der Arbeitswelt“, schreibt die IG Metall in einem Mobbing-Ratgeber. Oft seien psychosomatische Krankheiten oder langfristige Krankschreibungen die Folge, manchmal auch eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit.

Betroffene merken aus Sicht von Karriereexpertin Leitner oftmals als Letzte, dass sie zur Zielscheibe der Kollegen mutiert sind. Ihr Selbstwertgefühl ist angekratzt, sie gehen ungern zur Arbeit – liegen nachts wach, weil ihre Gedanken 24 Stunden um die Arbeit kreisen. Sie werden krank.

Die Krankenversicherungsagentur Pronova BKK hat im März mehr als 1.600 Deutsche zu ihren alltäglichen Arbeitsbelastungen befragt. Mehr als jeder Fünfte gab an, dass ihn Mobbing am Arbeitsplatz belastet – sei es durch den Chef oder die Kollegen. Am weitesten verbreitet ist Mobbing laut Leitner im öffentlichen Dienst und großen Konzernen. „In diesen Unternehmen sind Macht und Geld das Motiv für Mobbing“, sagt die Expertin.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

17.11.2016, 14:21 Uhr

Das habe ich am eigenem Leibe erfahren. Das war eine sehr schlimme Zeit.
Bin dadurch langfristig krank geworden und habe viele freunde verloren.
Zum Glück gibt es das Internet, mein Schlüssel zur Kommunikation.

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