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02.11.2011

12:00 Uhr

Mobbing

Wenn im Büro Krieg herrscht

VonBritta Mersch

Mit kleinen Sticheleien fängt es an. Oft wächst es sich zu bösartigen Attacken aus, die den Opfern das Leben zur Hölle machen. Mobbing ist Alltag in deutschen Unternehmen. Wie man sich gegen die Angriffe verteidigt.

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung. CAEPSELE

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung.

KölnAuf den ersten Blick wirkt Stephanie wie eine selbstbewusste Frau. Sie ist Mitte 30, attraktiv, gut gekleidet, lacht viel und erzählt offen über sich und ihr Leben. Dann aber bemerkt man, dass sie auch traurig ist. Sie denkt nach, nickt sich irgendwann aufmunternd zu. Sie weiß, dass es irgendwie weitergehen muss. Auch wenn sie im Moment noch nicht genau sagen kann, wie.

Stephanie ist Opfer von Mobbing-Angriffen geworden. Dass irgendwas nicht stimmte zwischen ihr und den anderen im Team, hat sie sofort gemerkt, als sie die neue Stelle als Verwaltungsangestellte in einem Institut angenommen hat: „Das fing schon auf der ersten Betriebsfeier an“, sagt Stephanie, „da wurde ich quasi ignoriert.“

In den ersten Tagen im Job wurde es nicht besser: Aufgaben stapelten sich auf ihrem Schreibtisch. „Hochkomplexe Vorgänge, bei denen man viele Feinheiten beachten musste“, erinnert sie sich. Sie nahm die Herausforderungen an, bearbeitete alles so gut es ging. Doch sie machte Fehler. „Damit habe ich meinen Kollegen noch mehr Zündstoff gegeben.“

Wege aus der Mobbing-Falle

Problem nicht ignorieren

Das Problem nicht ignorieren, sondern ernst nehmen und sich in vertraulichen Gesprächen Rat bei Kollegen oder beim Betriebsrat holen. In manchen Unternehmen gibt es Mediatoren, die bei zwischenmenschlichen Konflikten vermitteln.

Genau beobachten

Wann kommt es zu schwierigen Situationen? Was ist der Auslöser? Und was macht der Angriff mit mir? Manchmal hilft es schon, wenn man eine andere Haltung zu Personen oder Situationen entwickelt.

Wechsel überdenken

Wenn sich eine schwierige Situation über mehrere Monate hinzieht, lohnt es sich auch, über einen beruflichen Wechsel nachzudenken: Vielleicht läuft es in einer anderen Abteilung oder einem anderen Unternehmen besser.

Mit Therapeuten sprechen

Manchmal wirken sich berufliche Sorgen am Arbeitsplatz auf das ganze Leben aus und alles wirkt plötzlich trist und trüb. Wenn die Schmerzgrenze erreicht ist, können auch Psychotherapeuten wichtige Hilfestellungen geben.

Klage vermeiden

Manche Mitarbeiter überlegen, ob sie ihre Kollegen oder Vorgesetzten, von denen sie sich gemobbt fühlen, verklagen. Der Rechtsanwalt Stephan Dreismann rät davon ab: In den meisten Fällen lässt sich Mobbing nur schwer nachweisen.

In ihrer Not wandte sie sich an den Betriebsrat, sprach mit ihrem Chef – doch Hilfe leisten konnten auch sie nicht. Zu allem Überfluss kam noch hinzu: Die Kollegen bekamen Wind vom Gespräch mit dem Vorgesetzten. „Da wurde die Situation unerträglich.“ Nach und nach sei sie zum Enfant terrible der ganzen Abteilung mutiert. Gut drei Jahre hielt sie durch, dann lief die Stelle regulär aus. Kontakt zu ihren Ex-Kollegen hat sie heute keinen mehr.

Die Geschichte von Stephanie ist eine, die sich tagtäglich in zahlreichen Unternehmen abspielt. Gründe für Streitigkeiten zwischen Kollegen gibt es zuhauf. Manche haben das Gefühl, dass sie die Arbeit für andere mit erledigen müssen. Ein neuer Mitarbeiter passt nicht ins Team. Oder jemand macht seinen Job so gut, dass die anderen eifersüchtig sind. Und dann können sie beginnen, die kleinen Sticheleien, die das Leben zur Hölle machen.

Kalter Krieg: Mobbing ist Alltag in deutschen Unternehmen. gms

Kalter Krieg: Mobbing ist Alltag in deutschen Unternehmen.

Das Problem beim Mobbing ist, dass sich die genaue Ursache oft nur schwer rekonstruieren lässt. Und dass jeder anders mit Konflikten am Arbeitsplatz umgeht. „Manche reagieren schon empfindlich, wenn sie für ihre Arbeit nicht gelobt werden“, sagt Hildegard Belardi, Psychotherapeutin aus Bergisch Gladbach, „andere können keine Kritik vertragen.“ Und dann gebe es diese Mobbing-Fälle, in denen Mitarbeiter, die sich in einem Team immer wohl gefühlt haben, plötzlich von neuen Kollegen oder Chefs geschnitten werden. Doch auch da lassen sich die Übergriffe kaum in Worte fassen. „Es geht oft um subtile Kleinigkeiten“, sagt Belardi, „handfeste Beweise gibt es nur selten.“

Das sieht auch der Leverkusener Rechtsanwalt Stephan Dreismann so. In der Theorie gebe es zwar viele Möglichkeiten, sich gegen Mobbing zu wehren: Mitarbeiter hätten ein Beschwerderecht beim Arbeitgeber, der wiederum müsse seiner Fürsorgepflicht nachkommen und den Arbeitnehmer vor persönlichen Angriffen schützen. Doch den Mandanten falle es oft schon schwer, das Problem genau zu beschreiben. Und während man sich gegen eine Abmahnung oder Kündigung wehren könne, sei das bei zwischenmenschlichen Verhaltensweisen schwierig: „Wie sollen sich jemand dagegen wehren, wenn er von den anderen nicht gegrüßt wird?“

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