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26.02.2013

19:16 Uhr

Mobiles Zahlen

Samsung-Smartphone wird zur Visa-Kreditkarte

VonAxel Postinett

Samsung und Visa machen gemeinsame Sache: Im nächsten Galaxy-Smartphone der Südkoreaner wird die mobile Zahlungslösung des Kreditkartenkonzerns eingebaut. Damit könnte Samsung Konkurrent Apple ein Schnippchen schlagen.

Visa-Produktchef Jim McCarthy: Visas Kartentechnik wird serienmäßig eingebaut. AFP

Visa-Produktchef Jim McCarthy: Visas Kartentechnik wird serienmäßig eingebaut.

San FranciscoDas nächste Samsung-Smartphone ist eine Visa-Kreditkarte. Die mobile Zahlungslösung des Kreditkartengiganten wird in allen künftigen Smartphones des Handy-Marktführers integriert sein. Das nächste Samsung Galaxy wird am 14. März in New York vorgestellt. Der Vorstoß ist eine echte Herausforderung für Google und besonders Apple. Dessen iPhone 5 hat den dafür erforderlichen NFC-Chip nicht integriert. Kommt er mit dem iPhone 5S? Oder geht Apple wieder einmal eigene Wege? Der Kampf ist entbrannt.

Mobiles Bezahlen gilt seit Jahren als Trend – und kommt seit Jahren nicht voran. Die am Montag im spanischen Barcelona unterzeichnete Vereinbarung zwischen einem der größten Kreditkartenanbieter der Welt und dem größten Hersteller von Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android könnte das ändern. Bereits in den aktuellen Samsung Galaxy-Modellen sind NFC-Chips verbaut.

Die Geschichte von Samsung

Konzern mit langer Geschichte

Smartphones, Fernseher, Computer, Kameras, und und und: Samsung ist einer der größten Elektronikhersteller der Welt. Die Geschichte des südkoreanischen Mischkonzerns begann Ende der 30er Jahre.

Trockennahrung und Getreidemühlen

Den Grundstein des Konzerns legte der Südkoreaner Lee Byung Chul bereits 1938 mit gerade einmal 25 US-Dollar in der Tasche. Er verkaufte Trockennahrung nach China. Nur ein Jahrzehnt später hatte sein anfangs kleines Unternehmen bereits eigene Getreidemühlen und Maschinen zur Herstellung von Konfekt.

Umzug im Korea-Krieg

Während des Koreakrieges (1950-53) musste Lee Byung Chul die Hauptstadt Seoul verlassen, in Busan eröffnete er eine Zuckerraffinerie. Nach dem Krieg gründete er auch eine Textilienfirma und baute eine Fabrik.

Lebensversicherungen

1963 kauft das Unternehmen die Dongbang Lebensversicherungen auf und macht sie zur heutigen Samsung Lebensversicherung. Die Tochtergesellschaft ist größter Versicherer in Südkorea.

Fernseher und Kühlschränke

Ende der 1960er Jahre fängt Samsung an, Elektronik zu produzieren. So kommt 1970 ein Schwarz-Weiß-Fernseher auf den Markt. Vier Jahre später erweitert der Konzern seine Palette um Waschmaschinen und Kühlschränke.

Telekommunikationsausrüstung

1980 übernahm Samsung einen Hersteller von Telekommunikationsausrüstung – die Grundlage für das heutige Handygeschäft.

Generationswechsel und Umstrukturierung

Nach dem Tod von Firmengründer Lee Byung Chul 1987 übernimmt dessen Sohn Lee Kun Hee die Geschäfte. Er teilte den Konzern in vier Gruppen, darunter die heute so bekannte Elektroniksparte.

Autotelefone und Smartphones

In den 1980er Jahren brachte Samsung erste Autotelefone heraus. In den 1990er Jahren verkaufte der Konzern Handys, seit den 2000er Jahren auch Smartphones. Inzwischen ist Samsung der größte Anbieter in diesem Segment, noch vor Apple und Nokia.

Tablet-Computer und intelligente Uhren

Apple hat mit dem iPad den Tablet-Markt geschaffen, Samsung macht dem kalifornischen Konzern mit seinen Galaxy-Tab-Geräten aber inzwischen enorm Konkurrenz. Außerdem hat der südkoreanische Hersteller mit der Galaxy Gear eine Smartwatch herausgebracht.

Visas Kartentechnik wird serienmäßig nun in den sogenannten „sicheren“ Teil des Chips eingebaut, „sicher“, weil er nicht mehr veränder- oder überschreibbar ist. Die Software der Smartphones, die „Apps“, kommunizieren mit diesem sicheren Teil des Chips und veranlassen Zahlungen. Der Vorteil für Handel und Verbraucher: Die Smartphones sollen mit einem großen Teil der bereits weltweit existierenden Karten-Infrastruktur funktionieren.

Visa hat bereits Lesegeräte für NFC-bestückte Kreditkarten eingeführt und verrechnet damit laut dem Researchunternehmen Ovum für rund 13 Millionen Dollar Transaktionen pro Monat. Mit einem Schlag hätten Samsung-Käufer also tausende Akzeptanzstellen weltweit. Visa soll auch mit dem Zahlungssystem ISIS der großen Telekomanbieter AT&T, Verizon und T-Mobile funktionieren. Die Telekom-Giganten wollen verhindern, dass sich Web-Größen wie Google oder Apple zwischen sie und ihre Kunden drängen und den Rahm, sprich die Gebühren, abschöpfen. Eden Zoller, Analyst beim Researchunternehmen Ovum: „Das Abkommen könnte dem NFC-Markt den dringend benötigten Schub geben. Visa ist eine vertrauenswürdige Marke im Zahlungsverkehr und Samsung der größte Volumenanbieter für Android-Smartphones.“

Schwer getroffen wird Internet-Gigant Google von der Vereinbarung. Mit Google Wallet will der Web-Riese seinerseits die Kontrolle über den „sicheren“ Teil der NFC-Chips in Android-Smartphones übernehmen. In einem ersten Schlagabtausch mit der Telekomindustrie unterlag Google: Verizon, die Nummer eins der US-Mobilfunkanbieter, sperrte die Google-Brieftasche einfach auf seinen Netzen. Jetzt hat der größte Anbieter von Android-Smartphones überhaupt, Samsung, Google auch noch die kalte Schulter gezeigt und Visa gewählt.

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