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24.01.2013

20:53 Uhr

Modulhersteller

Solarworld ringt ums Überleben

Für Solarworld geht es ums Überleben. Die stetig wachsende Schuldenlast droht, das Unternehmen zu erdrücken. „Gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten“ sollen nicht nur Abhilfe schaffen, sie müssen.

Solarworld-Chef Asbeck: Das Unternehmen kämpft ums Überleben. dpa

Solarworld-Chef Asbeck: Das Unternehmen kämpft ums Überleben.

BonnNach einer Serie von Pleiten in der Solarbranche steht nun auch das Flaggschiff Solarworld gewaltig unter Druck. Damit der Solarkonzern überlebe, sei eine Restrukturierung der Verbindlichkeiten sowie ein Umbau des Geschäfts erforderlich, teilte Solarworld am Donnerstagabend mit. Seinen Kapitalgebern will der Konzern, der Ende September knapp 2500 Beschäftigte zählte, nun weitreichende Zugeständnisse abtrotzen.

Es seien „gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten der Gesellschaft, insbesondere den ausgegebenen Anleihen und Schuldscheindarlehen notwendig“, erklärte Solarworld. Das Unternehmen hat zwei Anleihen über insgesamt 550 Millionen Euro ausgegeben, die 2016 beziehungsweise 2017 fällig werden.

Solarworld kämpft wie die Konkurrenten mit den Überkapazitäten und dem Preisverfall in der Branche. Von Januar bis September 2012 verbuchte Solarworld einen operativen Verlust von 189,6 Millionen Euro und verbrannte 60 Prozent seiner liquiden Mittel sowie 40 Prozent des Eigenkapitals.

Bereits im Sommer hatte Solarworld-Chef Frank Asbeck wegen des unerwartet schlechten Geschäftsverlaufs neue Kreditvereinbarungen mit den Banken zu schließen. Doch das reichte nicht aus. Zahlen für das vierte Quartal hat der Konzern bislang nicht vorgelegt.

Wo in Deutschland der meiste Solarstrom produziert wird

Platz 1

Absoluter Spitzenreiter in Sachen Solarenergie ist Bayern: Mit 9422 Megawatt Nennleistung stehen fast 30 Prozent der gesamten deutschen Nennleistung der Solarenergie in dem südlichen Bundesland. Bayern ist jedoch mit 5.257 Megawatt Nennleistung auch führend in Sachen Kernenergie. Zwei der vier Atomkraftwerke gehören Eon, die anderen beiden RWE.

Platz 2

Den zweiten Platz bei der Solarenergie belegt Baden-Württemberg. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 4.286 Megawatt Strom erzeugen, das entspricht einem Anteil von 13 Prozent an der gesamten in Deutschland installierten Leistung im Bereich Solar. Ganz weit vorne liegt das Bundesland bei den Pumpspeicherkraftwerken: In Baden-Württemberg stehen Anlagen mit einer Nennleistung von 1.873 Megawatt.

Platz 3

Platz 3 der Bundesländer mit den meisten Solaranlagen belegt mit 3.569 Megawatt Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland ist jedoch auch Spitzenreiter bei der klimaschädlichen Braunkohle: Fast die Hälfte der deutschen Gesamtleistung produzieren die Kraftwerke dort.

Platz 4

Den vierten Platz im Ranking der Bundesländer belegt Niedersachsen mit 3.043 Megawatt installierter Leistung. Absolute Spitze ist das Land jedoch in Sachen Windkraft an Land: Fast ein Viertel der installierten Leistung in Deutschland steht dort.  

Platz 5

Brandenburg führt die Gruppe der Ostländer an und belegt den fünften Platz im Ranking: 2.629 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 6

Den sechsten Platz bei der Solarenergie belegt Hessen. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 1.591 Megawatt Strom erzeugen.

Platz 7

Rheinland-Pfalz belegt den siebten Platz im Ranking: 1.471 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 8

Solaranlagen mit 1.433 Megawatt Nennleistung stehen in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Wind stellt die Sonne den wichtigsten Energieträger für das Land dar.

Platz 9

1.318 Megawatt Solarstrom könnten in Sachsen bei voller Auslastung produziert werden. Hauptstromlieferant ist jedoch die Braunkohle – fast die Hälfte der installierten Nennleistung in dem Bundesland geht auf diesen Energieträger zurück.

Platz 10

Schleswig-Holstein belegt den siebten Platz im Ranking: 1.283 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Seit Jahresanfang hat die Solarworld-Aktie deutlich zugelegt - so schürte eine Milliardeninvestition des Starinvestors Warren Buffett in die US-Solarbranche sowie zuversichtliche Aussagen von Solarworld-Chef Asbeck die Hoffnung auf bessere Zeiten. Nun die Ernüchterung: Im Frankfurter Parketthandel stürzte die Solarworld-Aktie am Donnerstagabend um 6,4 Prozent auf 1,52 Euro ab.

Die mit Milliarden geförderte deutsche Solarbranche hat im vergangenen Jahr infolge des erbitterten Preiskampfes mit den asiatischen Wettbewerben einen beispiellosen Niedergang erlebt. Zahlreiche Unternehmen gingen Pleite, darunter auch der einstige Branchenführer Q-Cells. Rote Zahlen sind angesichts der Überkapazitäten mittlerweile fast schon an der Tagesordnung - auch bei den chinesischen Konkurrenten.

Von

rtr

Kommentare (31)

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aufgeregter

24.01.2013, 22:19 Uhr

qkm2
Wer zu guten Zeiten meint, er müsse immer mehr auf Pump leben, der muss sich nicht fragen, warum man dann zu schlechten Zeiten die grössten Probleme bekommt. Die Konkurrenz aus China ist nicht über Nacht enstanden. Man sollte sich aber Fehler auch mal eingestehen können, sowas kommt aber scheinbar bei Asbeck nicht in Frage. So hat man fast 100 Millionen an Solicium Verträge beim Fenster raus geschmissen und weitere 300 Míllionen an Produktionststätten, die man wieder schleissen musste. Solch einé Unternehmesführung gehört zur Verantwortung gezogen...wo man auch noch vor kurzen eine enorme Anleihe ausgegeben hat. Hoffentlich wird gegen die Verantortliche genau und richtig ermittelt.

Vandale

24.01.2013, 22:27 Uhr

Solarworld ist eine Blüte des ökologischen Glaubens.

Als die Kommunisten die in den 70er Jahren auf den Bauplätzen der modernen, umweltfreundlichen Kernkraftwerke sassen von wohlwollenden Journalisten gefragt wurden wie sie denn den Strom herstellen wollten, schauten diese in den Himmel. Daraus entstand dann die Wind- und die Solarbranche.

Es entstanden mittels Grüner und Roter Protektion und Subventionen Unternehmen die wiederum einen Teil der Umsätze für die Politik- und Medienpflege einsetzten.

Ähnlich anderer Parasiten konnte die Solarbranche den Hals nicht voll bekommen. Asiatische Unternehmen bemerkten den grossen, lukrativen Markt, stiegen ein und drückten die Deutschen Unternehmen deren Kompetenz eher in der Politik- und Medienpflege lag, relativ schnell vom Markt.

Eine positive Auswirkung einer möglichen Insolvenz von Solarworld wird ein Rückgang phantasievoller Medienartikel zugunsten der Solarenergie sein und da einige Politiker die finanzielle Unterstützung abhanden kommt, werden diese bei neuen Solarsubventionsgesetzen kritischer hinsehen.

Vandale

Energiewende-Realist

24.01.2013, 22:27 Uhr

Keinem gönne ich diese Pleite mehr als dem Oberlobbyisten und Strompreistreiber Asbeck. Er hat sich maßlos zu Lasten der Allgemeinheit (EEG) gepaart mit der Dummheit der Politik bereichert. Möge er auch sein Privatvermögen verlieren. Bitte vermelden sie es auf Seite 1 und berichten über sein übles Treiben.

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