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01.07.2014

16:34 Uhr

Monopol beim Preisvergleich

Verivox übernimmt Konkurrenten Toptarif

Preisvergleichsportale sind wegen unübersichtlicher Märkte im Strom- und Telekombereich für viele Kunden wichtig. Während große Auswahl etwa zwischen Stromanbietern besteht, schwinden die unabhängigen Orientierungsgeber.

Ist es gut, wenn nur noch einer Orientierung geben kann? Verivox kauft den Markt für Vergleichsportale systematisch auf. dpa

Ist es gut, wenn nur noch einer Orientierung geben kann? Verivox kauft den Markt für Vergleichsportale systematisch auf.

Heidelberg/ BerlinVerivox baut mit der Übernahme des Wettbewerbers Toptarif seine Position unter den deutschen Anbietern von Preisvergleichsportalen im Internet aus. Man habe zum 1. Juli alle Toptarif-Anteile von den bisherigen Gesellschaftern Holtzbrinck Digital und Rocket Internet übernommen, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Die „Wirtschaftswoche“ hatte darüber berichtet. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Die Marke will Verivox fortführen.

Mit Hilfe der Übernahme wolle Verivox weiter zum Münchner Marktführer Check24 aufschließen, erklärte die Sprecherin. Toptarif mit Sitz in Berlin wurde 2007 gegründet und finanziert sich aus Werbung sowie aus Provisionen für vermittelte Verträge aus den Bereichen Energie, Versicherungen, Finanzen und Telekommunikation.

Die Firma beschäftigt den Angaben zufolge rund 40 Mitarbeiter und gilt hinter Check24 und Verivox als Nummer drei der großen deutschen Preisvergleichsportale. Was mit den Beschäftigten passiert, ist noch unklar. Verivox werde einen Großteil von ihnen übernehmen, sagte die Sprecherin, aber auf keinen Fall Funktionen doppelt besetzen.

Tipps für den Wechsel des Energieversorgers

Unterlagen sortieren

Egal ob Strom oder Gasanbieter: Zunächst kramen Verbraucher, die in günstigere Tarife wechseln wollen, ihre jüngste Jahresabrechnung hervor. Hier muss der Verbrauch getrennt nach Menge und Preis ausgewiesen sein. Auch findet sich hier ein Vergleich zu den Vorjahresdaten. Jedermann sollte damit nachvollziehen können, ob die Kosten steigen, weil mehr Energie verbraucht wurde oder weil der Strom teurer wurde.

Preisrecherche

Den Jahresverbrauch und die Postleitzahl geben Interessierte dann bei Vergleichsportalen wie etwa www.verivox.de ein. Die angezeigten Angebote müssen die Kunden noch verifizieren. Denn viele Tarife sind nur scheinbar günstig.

Vertragslaufzeiten

Empfehlenswert sind Vertragslaufzeiten von nicht mehr als einem Jahr, damit schnell auf aktuelle Preisentwicklungen reagiert und eventuell zu einem neuen Anbieter gewechselt werden kann. Die Kündigungsfrist sollte nicht mehr als einen Monat betragen. Für den Fall, dass der Strompreis steigt, muss der neue Versorger ein Sonderkündigungsrecht einräumen.

Preisgarantien

Vorsicht bei Festpreisangeboten. Hier beziehen sich Garantien oft nur auf bestimmte Preisbestandteile.

Vorsicht bei Vorauskasse

Schwierig sind zudem Angebote, bei denen sich Kunden zu einer höheren Vorauszahlung verpflichten – zum Beispiel in Höhe des Jahresbetrages. So meldete vor einigen Wochen der Stromanbieter Teldafax Insolvenz. Viele Kunden leisteten bei dem Billiganbieter hohe Vorauszahlungen und zittern jetzt um ihr Geld.

Pleiten, Pech und Pannen

Es passiert in manchen Fällen, dass der neue Versorger aus irgendwelchen Gründen ausfällt. Der Kunde muss dennoch nahtlos durch den örtlichen Grundversorger beliefert werden. Es bleiben dann insgesamt drei Monate Zeit, um sich einen neuen Stromlieferanten zu suchen.

Gutes Gewissen

Ökostrom ist nicht unbedingt teurer als konventionell erzeugte Energie. Kunden achten hier jedoch auf entsprechende Zertifikate. Verbraucherschützer empfehlen vor allem auf das Gütesiegel ok-power zu achten. Es wurde vom Öko-Institut e.V., WWF Deutschland und der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen. Laut Verbraucherzentrale wird hier garantiert, dass die mit dem Gütesiegel ausgestatteten Produkte zu Neubau oder grundlegender Modernisierung von Kraftwerken auf Basis von Sonne, Wind, Wasser oder Biomasse nach strengen Mindestbedingungen zu führen sind. Eine Beschreibung weiterer seriöser Labels finden Interessierte unter www.kwh-preis.de/uebersicht-oekostrom-guetesiegel-und-zertifikate.

Verivox machte laut den jüngsten veröffentlichten Jahreszahlen 2012 rund 40 Millionen Euro Umsatz bei 8,95 Millionen Euro Gewinn. Das Unternehmen beschäftigte 180 Mitarbeiter in Berlin und Heidelberg.

Der Betreiber hatte bereits im Mai das Versicherungsportal Transparo sowie Aspect Online von der HUK Coburg übernommen. Im Gespräch mit der „Wirtschaftswoche“ hatte Chris Öhlund, Chef der Verivox-Holding in London, vor wenigen Wochen angekündigt: „Es wird eine Konsolidierung geben. Im deutschen Markt sehe ich langfristig nur zwei große Player - einer davon werden wir sein.“

Von

dpa

Kommentare (3)

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Max Berger

02.07.2014, 11:47 Uhr

Ich finde, dass alle, ganz egal ob die Check24, Verivox etc. sehr hilfreich sein können. Aber in letzter Zeit beobachte ich, eine erschreckende Tendenz - die Ergebnisse werden manipuliert. Bei Check24 fehlen diverse Anbieter, bei Transparo, Verivox, auch. Ich als Benutzer möchte schließlich auf eine transparente Art und Weise passende Produkte und Anbieter finden. In der Schweiz ist toppreise.ch ein gutes Beispiel dafür, dass Preisvergleich auch anders geht, nämlich objektiv. Bei http://www.kauftipp.ch ist es auch so. Vielleicht ist der Markt hier anders, ich weiß es nicht, aber ich wünsche mir weiterhin Konkurrenz, denn nur so leben die Geschäfte.

LG Max

Herr Gerhard Nußbaum

02.07.2014, 13:28 Uhr

„Finanztest“ schrieb wiederholt:
 „Die Tarifrechner locken Kunden in unfaire Tarife“ (Heft 12/2013, S. 56). Außerdem bieten etliche leistungsstarke Stromlieferanten gerade die besten Tarife nicht in Vergleichsportalen an. Dort werden vor allem Leckerli in Form von Verrechnungsboni ausgelegt. Man kann den Tücken von Vergleichsportalen entgehen und sich einen günstigeren Tarif und bessere Bedingungen auch individuell ermitteln lassen. Eine Adresse ist www.optimal.so

Herr dieter meyer

04.07.2014, 10:10 Uhr

Klingt interessant. Ich finde Preisvergleiche schon sehr nützlich. Wenn die Ergebnisse bei den Bekannten "großen" Portalen echt manipuliert werden, dann ist das schon ärgerlich. Dann sollte man auch lieber mal den Newcomer Preisvergleichen eine Chance geben. Zum Beispiel www.superpreisvergleich.com dort wird sicherlich nichts manipuliert und ich habe dort auch schon das eine oder andere Schnäppchen gemacht.

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