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07.03.2013

15:00 Uhr

Monte dei Paschi-Sprecher

„Ich habe Mist gebaut“

VonKatharina Kort

Der Skandal um Monte dei Paschi di Siena fordert ein erstes Opfer: Der Kommunikationschef der Traditionsbank stürzte sich aus einem Büro-Fenster. Mit dem Selbstmord nimmt die Affäre eine dramatische Wendung.

Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena ist in Skandale verwickelt. ap

Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena ist in Skandale verwickelt.

Mailand„Ich habe Mist gebaut“, steht auf dem Zettel, den David Rossi hinterlassen hat. Entdeckt hat den Selbstmord sein Sekretär, als er in sein Büro kam und das Fenster offen stand. In einer Seitenstraße der Rocca Salimbeni, wie die Festung heißt, in der die Bank ihren Sitz hat, lag der leblose Körper des 52-Jährigen.

Mit dem Selbstmord nimmt der Skandal um die Traditionsbank eine dramatische Wendung. In dem Fall geht es zum einen um den viel zu teuren Kauf der Banca Antonveneta. Die Staatsanwälte untersuchen, ob im Zusammenhang mit der Übernahme Schmiergelder an Manager geflossen sind. Zum anderen geht es um Derivate, die unter anderem die Deutsche Bank und Nomura der italienischen Bank verkauft haben sollen, um Verluste zu verstecken und somit die Bilanz zu fälschen.

Außerdem haben sich Manager persönlich bereichert: Die sogenannte Fünf-Prozent-Bande hat bei verschiedenen Finanztransaktionen die Hand aufgehalten und fünf Prozent der Kommissionen kassiert. All das ist unter der Führung von Giuseppe Mussari als Präsident passiert. Heute dagegen sitzen Alessandro Profumo als Präsident und Fabrizio Viola als Vorstandsvorsitzender an der Spitze.

Gegen David Rossi war bisher nicht ermittelt worden. Dennoch haben die Staatsanwälte vor zwei Wochen das Büro und das Zuhause des Sprechers durchsuchen lassen. Angeblich wollten sie wissen, ob Rossi als Kontakt zwischen dem Ex-Management und noch verbliebenen Managern fungierte, die im Prozess aussagen sollten. Aber das sind bisher reine Hypothesen. Gegenüber Kollegen hat er in den vergangenen Tagen gesagt, dass er sich nicht erklären könne, was die Staatsanwälte von ihm wollen. 

Rossi war schon unter dem ehemaligen Präsidenten Giuseppe Mussari als Pressesprecher an Bord. Er galt als enger Vertrauter und hatte auch schon für Mussari gearbeitet, als der noch der Stiftung vorsaß, die als Aktionär die Bank kontrollierte. Dennoch haben Profumo und Viola an Rossi festgehalten, obwohl sie mehr als 100 Manager weggeschickt haben. Rossi schien bisher mit den Skandalen, die nun hochkommen, nichts zu tun gehabt zu haben.

Noch Ende Januar war Rossi mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden Viola zum Verein der Auslandspresse gekommen, um die internationalen Journalisten zu treffen. Auch damals hatte er genug von den Skandalen, Enthüllungen und ständigen negativen Schlagzeilen: „Am liebsten würde ich mich aufs Land zurückziehen und Bauer werden“, sagte er. Nun hat er sich das Leben genommen.

Kommentare (11)

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R.Ruf

07.03.2013, 15:38 Uhr

"bad banker" von Markus A. Will lesen.
Ist zwar "nur" ein Roman, wenn man ihn gelesen hat, weiß man allerdings ungefähr wie es hinter den "Kulissen" zugeht.

WILHER

07.03.2013, 15:46 Uhr


Selbstmord?
Vielleicht hat ihn ja jemand aus dem Fenster gestürzt.

Charly

07.03.2013, 15:50 Uhr

Hat wohl zuviel Dreck am Stecken gehabt und Meister Proper hat's nicht mehr rechtzeitig geschafft !

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