Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.05.2017

20:19 Uhr

Moskau

Kampf um die Plattenbauten

Mit Baggern will Moskaus Bürgermeister Sobjanin bis zu 5000 Wohnhäuser in der russischen Millionenmetropole niedermachen - dort sollen teure Appartements entstehen. Die Bauwirtschaft könnte davon immens profitieren.

Moskau Bürgermeister Sobjanin will die Stadt säubern, dazu gehört auch der Abriss der alten Platten bauten, sogenannte Chruschtschowki. dpa

Abriss alter Wohnblöcke in Moskau

Moskau Bürgermeister Sobjanin will die Stadt säubern, dazu gehört auch der Abriss der alten Platten bauten, sogenannte Chruschtschowki.

MoskauMoskau ist aufgebracht. Die Wut gegen die Behörden ist groß, genauso die Ratlosigkeit. Denn der kremlnahe Bürgermeister Sergej Sobjanin hat vor der Wahl im kommenden Jahr ein großes Vorhaben, quasi ein Prestigeprojekt. Er und seine Stadtplaner wollen die Metropole mit geschätzt 14 Millionen Einwohnern umkrempeln. Rund 5000 alte Wohnhäuser sollen abgerissen und gegen neue, moderne Appartements ausgetauscht werden. Für viele Bewohner ist das geschätzt rund 50 Milliarden Euro schwere Bauprojekt jedoch eine Katastrophe.

Auf dem Papier sieht der „Renowazija“ (Renovierung) getaufte Plan vielversprechend aus: Die Jahrzehnte alten fünfstöckigen Familienhäuser auf den besten Baugründen Moskaus, sogenannte Chruschtschowki, sollen abgerissen werden. Die Wohnungen, viele davon nicht größer als 40 Quadratmeter, wurden in den frühen sechziger Jahren unter Parteichef Nikita Chruschtschow gebaut. Heute sind einige baufällig und marode, doch bei weitem nicht alle.

Infrastrukturprojekte: Deutsche Baubranche will von Trump profitieren

Infrastrukturprojekte

Deutsche Baubranche will von Trump profitieren

Donald Trumps Pläne für eine Investitionsoffensive bei der Infrastruktur weckt auch in Deutschland Hoffnungen. Die Baubranche hofft auf lukrative US-Projekte. In Schwellenländern tut man sich dagegen weiterhin schwer.

Die Sorgen der Bürger sind groß: Sie sollen immerhin auf ein anderes Grundstück ziehen. „Deportiert“, bezeichnet eine Rentnerin bei einer Demonstration den Umzug. Den Bewohnern wird nach Angaben der Stadt zumindest garantiert, eine Wohnung „entsprechender“ Größe und im angestammten Wohnviertel zu bekommen. Viele fürchten dennoch, an den Stadtrand gedrängt zu werden.

Offiziell sollen die Bewohner selbst entscheiden, ob sie sich dem Bauprojekt anschließen. Wenn sich zwei Drittel jedoch dafür aussprechen, müssen auch die Nachbarn mitziehen. Wenn Bewohner nicht abstimmen, wird das als ein Ja gewertet. Ob die Bürger aber wirklich Einfluss haben werden, ist nicht sicher.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Geplant ist, dass sie ihre alte gegen eine gleichgroße, aber moderne Wohnung tauschen können. Zusätzliche Quadratmeter können sie zukaufen. Ob sie sich dann die Wohnungen in den modernen Bauten leisten können, ist jedoch offen. Denn die Wirtschaftskrise lässt die Realeinkommen trotz sinkender Inflation weiter schrumpfen, Rentner bekommen vom Staat im Durchschnitt rund 220 Euro im Monat.

Auch die Moskauer, deren Wohnungen offiziell nicht für den Abriss vorgesehen sind, fürchten um den Wert ihrer Anlage. Schon jetzt seien einige Wohnungen um zwölf Prozent günstiger als noch vor ein paar Wochen, schreibt die Zeitung „Kommersant“. Viele Wohnungen seien jetzt im „Sonderangebot“ zu erstehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×