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06.12.2013

14:56 Uhr

Motivation von Führungskräften

Auch der Chef will glücklich sein!

VonCarina Kontio

ExklusivMitleid mit Führungskräften? Kommt eher selten vor. Schließlich werden „die da oben“ doch gut bezahlt. Nur scheint den Chefs jetzt das große Geld gar nicht mehr so wichtig zu sein, wie eine Studie der Hay Group zeigt.

Schon seit König Midas ist bekannt, dass Geld und Gold  - und ein eigener Parkplatz für den Chef – nicht alles ist, was der Mensch zu seinem Glück braucht. DIAGENTUR/MCS

Schon seit König Midas ist bekannt, dass Geld und Gold - und ein eigener Parkplatz für den Chef – nicht alles ist, was der Mensch zu seinem Glück braucht.

DüsseldorfFührungskräfte stecken in einer schwierigen Position: Von oben kommt Druck und unten müssen sie mit ihren Kollegen gleichzeitig kooperieren und konkurrieren. „Dafür werden sie aber doch super bezahlt“, heißt es immer wieder aus den Reihen der Chef-Kritiker und: „Kein Mitleid“.

Es ist allerdings längst kein Geheimnis mehr, dass Geld alleine nicht glücklich macht. Da genügt nur ein kurzer Blick in die weltumspannende Literatur zum Thema Glücksökonomie. „Arbeit ist eng verbunden mit unserem Selbstverständnis“, schreibt auch Thomas Vašek, Autor und Chefredakteur des Philosophiemagazins „Hohe Luft“, in seinem Buch „Work-Life-Bullshit“. Er ist der Überzeugung, dass die Gesellschaft vor allem gute Arbeit braucht, also Arbeit, die bereichert und erfüllt. Vašek: „Das hängt nicht nur von der Entlohnung ab.“ Ja, man kann sogar noch viel weiter zurück gehen, denn schon seit König Midas ist bekannt, dass Geld und Gold nicht alles ist, was der Mensch zu seinem Glück braucht.

26 gute Gründe, lieber zu Arbeiten

1. Sorgen Sie angenehmer für Produktivität 

Menschen, denen es gut geht, leisten gern, sind effizienter und verdienen mehr. Denn Wohlbefinden ist ein wesentlicher Faktor für die Arbeitsproduktivität. Das wurde in einer Metaanalyse von Sonja Lyubomirsky wissenschaftlich nachgewiesen.

(Quelle: Ilona Bürgel)

2. Nutzen Sie den Spitzenreiter in Sachen Wohlbefinden

Es gibt fünf Arten von Wohlbefinden. Das Tätigkeitswohlbefinden, soziales, finanzielles, physisches und Gemeinschaftswohlbefinden. Die Tätigkeit hat doppelt so großen Einfluss auf unser Gesamtwohlbefinden wie alle anderen. Dies hat die Beratungsfirma Gallup in einer weltweiten Studie herausgefunden.

3. Prüfen Sie Ihre Motivation

Was ist Ihnen wichtig im Job? Werden Sie sich klar darüber, welche Ziele Sie für die Zukunft haben, welche Änderungen in Ihrem Leben für Sie wichtig wären. In der TK Stress Studie 2013 konnte nachgewiesen werden, dass „Spaßarbeiter“ gegenüber „Broterwerbarbeitern“ weniger erschöpft und depressiv sind.

4. Entwickeln Sie ein flexibles Weltbild

Betrachten Sie die Welt aus einem optimistischen Blickwinkel, denn als Optimist haben Sie die Chancen einer Situation im Auge, als Pessimist die Risiken. Da Optimismus eine Geisteshaltung ist, geht es in erster Linie darum, negatives und pessimistisches Denken durch eher optimistisches Denken zu ersetzen.

5. Belohnen Sie sich selbst

Sehr viele Menschen lassen sich durch Belohnungen motivieren. Sie auch? Dann nutzen Sie das. Stellen Sie sich selbst Belohnungen für erfüllte Aufgaben in Aussicht. Denn Arbeit darf Spaß machen. Perfekt ist es natürlich, wenn die Belohnung die Tätigkeit selbst ist, sei es durch zufriedene Kunden, Wissenserweiterung oder die Freude daran, das Beste zu geben. Daniel H. Pink hat untersucht, was Menschen bei der Arbeit motiviert. Er fand heraus, dass Firmen, denen Selbstbestimmung wichtig ist, eine vier Mal größere Wachstumsrate haben und ein Drittel mehr erwirtschaften.

6. Genießen Sie Ihre Beziehungen

Haben Sie einen guten Draht zu ihren Kollegen? Ein gutes Verhältnis zu Arbeitskollegen ist für die meisten wichtiger, als Jobsicherheit. Und wer sich wohl fühlt, leistet mehr: Ein positives Arbeitsklima wirkt sich auf die Motivation, Kreativität und Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen aus. Die Ergebnisse der Onlineumfrage von www.stellenanzeigen.de zeigen, dass Mitarbeiterzufriedenheit durch ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Chef vor allem durch Lob und Anerkennung bestimmt wird.

7. Loben , loben, loben

Haben Sie heute schon gelobt? Hauptgrund für Frustration am Arbeitsplatz ist fehlende Anerkennung durch den Chef. Anerkennung, persönliche Unterstützung und sichtbare Fortschritte bei der Arbeit motivieren Mitarbeiter am meisten. Dies bestätigten Tagebucheintragungen, die Theresa M. Amabile und Steven J. Kramer von der Harvard Business School analysierten.

8. Nutzen Sie die Erfolgsformel 3:1

Negative Gefühle wirken wesentlich stärker als positive. Wenn Sie sich einmal ärgern, müssen Sie sich zum Ausgleich dreimal freuen: es braucht ein 3:1 von Positivem zu Negativem. Dies klingt anstrengender als es ist, denn unser Leben ist ja voll von schönen Dingen, wir schätzen sie nur nicht. Beginnen Sie Meetings mit positiven Informationen, schreiben Sie Ermutigendes in Ihren Mailabsender.

9. Schalten Sie mal ab

Kommen Sie raus aus dem selbst gemachten Druck. Hier spielt uns unser Gehirn einen Streich, indem wir mehr Druck empfinden als real existiert, und wir in einer Art vorauseilendem Gehorsam „bereiter“ sind als nötig. Der DAK Gesundheitsreport 2012 ging der Frage nach, ob das Thema Erreichbarkeit ein Krankmacher ist. Dazu wurden 3000 Erwachsene befragt. 51,7 Prozent der Menschen, deren Kollegen und Vorgesetzte ihre privaten Nummern haben, werden nie angerufen, nur 7,5 Prozent der Befragten fühlen sich durch telefonische Erreichbarkeit etwas oder erheblich belastet. 78,9 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu „Mein Arbeitgeber akzeptiert, wenn ich außerhalb der Arbeitszeit nicht erreichbar bin“.

10. Lassen Sie sich von Stress nicht stressen

Vermitteln und erwerben Sie Wissen über Stress und Burnout, aber legen Sie darauf nicht den Fokus. Die Gehirnforschung zeigt: Je häufiger wir etwas wiederholen, umso stärker werden die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn. Also raus aus der Problem- hin zu Lösungsorientierung.

11. Sehen Sie, was Sie leisten

Viel zu lange haben wir darauf gewartet, dass uns Kollegen oder Chefs mal fragen, wie es uns geht, uns loben oder sehen, was wir leisten. Sie werden es nicht tun, so lange wir unsere Leistungen nicht selbst anerkennen und uns selbst wichtig nehmen.

12. Erwarten Sie das Glück bei Arbeit

Überprüfen Sie Ihre Einstellungen. Sind Sie dankbar, dass Sie diese Arbeit haben? Freuen Sie sich, dass Sie dort interessante Menschen treffen? Überall wartet das Wohlbefinden auf uns – wenn wir es treffen wollen und sehen können. Denn um etwas wahrzunehmen, müssen wir es kennen oder erwarten, sonst sehen wir es nicht.

13. Erteilen Sie sich ein Spekulationsverbot

Die Kollegin grüßt nicht, der Kunde ruft nicht zurück? Schluss mit den Spekulationen über die Ursachen. Sie rauben gute Energie. Bleiben Sie neutral. Was sind Tatsachen, und wo gehen Phantasie und Bewertungen mit Ihnen durch?

14. Legen Sie schwierige Termine auf Dienstag

Dienstags ist unsere Leistungsfähigkeit am größten. Das sollten Sie öfter nutzen, vor allem für ungeliebte Meetings.

Es gibt unter Wissenschaftlern aus Ökonomie und Psychologie sogar einen Fachausdruck dafür. Als „Wohlstands-Paradox“ bezeichnen sie die tatsächlich messbare Tatsache, dass jenseits eines objektiv gesehen nicht gerade hohen Einkommensniveaus das subjektiv empfundene Glück kaum mehr ansteigt, dass Leute in reichen Ländern nicht automatisch glücklicher sind als in nicht ganz so reichen.

Ein bisschen neu scheint jedoch die Tatsache zu sein, dass sich diese Binsenweisheit nun auch ihren Weg hoch in die Führungsetagen gebahnt hat, wo ja bekanntlich nicht selten bis zum Umfallen gearbeitet wird, nur um nahe einer Erschöpfungsdepression die nächste Stufe der Karriereleiter erklimmen zu können. Kurz: Auch der Chef will jetzt glücklich sein.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Hay Group Deutschland, die in Kooperation mit den Führungskräfteverbänden VAA, Forum F3 und ULA entstanden ist und Handelsblatt Online exklusiv vorliegt. Demnach spielen in der Arbeitswelt von Führungskräften neben einer leistungsgerechten Vergütung vor allem auch immaterielle Faktoren eine stärkere Rolle. Gerade dann, wenn es darum geht, motiviert zu werden.

Denn Bonus hin oder her, der Studie zufolge können Top-Manager nur bis zu einem gewissen Grad zu höheren Leistungen gebracht werden. Zwar wachsen finanzieller und psychologischer Wohlstand eine Zeit lang tatsächlich parallel zueinander, allerdings hört der Spaß auch irgendwann wieder auf.

Kommentare (1)

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aletheia53

06.12.2013, 17:19 Uhr

Schöne An- und Einsichten
Leider helfen diese nur denjenigen, die einen Job haben. Ich denke, viele der über 50jährigen, Arbeit suchenden mit z.T. sehr guter Ausbildung denken anders und bereuen vielleicht, in früheren Jahres so gedacht zu haben. Der eine oder andere wird sich fragen, was denn die Tätigkeit in dieser (heteronom dominierten) Autonomie als Führungskraft gebracht hat. Hoffentlich soviel, dass er es sich leisten kann, dann ausgesondert worden zu sein. Vielleicht sind sogar diejenigen auf die Dauer glücklicher, die sich mit wenig Karriere und damit weniger Stress angefreundet haben. Denn auch die Autonomie der Führungskraft endet am Marktsystem, in dem allein die Kapitalrendite als Leistungsindikator zählt. Denn: geschaffene Arbeitsplätze werden wohl von keinem der sog. "Analysten (und -innen) bei der Festlegung eines Unternehmeswertes gut geschrieben.

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