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01.12.2012

13:08 Uhr

Mutige Bekenntnisse im Job

„Liebe Kollegen, ich habe HIV“

HIV-Positive können mit ihrer Krankheit dank moderner Medikamente viel besser leben als früher. Viele arbeiten. Doch im Job offen über die Infektion zu reden – das wagen längst nicht alle.

HIV und Job - geht das überhaupt? dpa

HIV und Job - geht das überhaupt?

BerlinManchmal war es wie ein doppeltes Leben, ein Gefühl von Versteckspiel. Mehr als drei Jahre lang hat David seinen Kollegen die Krankheit verschwiegen. Niemandem fiel auf, dass er alle paar Wochen zum Arzt ging. Warum auch?

David ist Mitte 40 und wirkt topfit. Heute geht er in Berlin auf dem Weg zur Arbeit an großflächigen Plakaten mit seinem Gesicht vorbei. „Ich habe HIV“ steht links neben seinem Foto. „Und die Akzeptanz meines Chefs“, geht es unten weiter. Es sind Plakate zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember, die seit Ende Oktober in ganz Deutschland hängen. Sie signalisieren, dass beim Thema HIV noch längst nicht alles gesagt ist. HIV und Job - geht das überhaupt?

Die Volkskrankheiten der Deutschen

Wirtschaftlicher Schaden

Volkskrankheiten haben nicht nur gesundheitliche sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen. Allein im Jahre 2010 waren die Bundesbürger 17,6 Tage im Durchschnitt krankgeschrieben.

Todesursachen

Volkskrankheiten führen nicht zwangsläufig zum Tode. Deshalb ist es wichtig, zwischen Krankheiten und Todesursachen zu unterscheiden. Zu den häufigsten Todesursachen zählen in Deutschland der Herzinfarkt und der Schlaganfall. 42 Prozent der Bundesbürger waren hiervon betroffen.

Krebs

Zu den zweithäufigsten Todesursachen zählt das Krebsleiden mit 35 Prozent. Frauen versterben neben Krebserkrankungen der Verdauungsorgane nicht selten an Brustkrebs. der Darm-und Lungenkrebs ist die häufigste Todesursache bei den männlichen Bundesbürgern.

Depression

Zu den häufigsten Erkrankungen gehört die Depression. Sie belegt den vierten Platz in der Rangliste mit 9,4 Prozent. Unter Depressionen sind unterschiedliche Erkrankungen zu fassen wie beispielsweise Angstzustände.

Burn-out

Unter den Begriff der Depressionen fällt auch das Krankheitsbild des Burn-out Syndroms. Betroffene sind meist körperlich, geistig und emotional erschöpft. Grund für diesen Zustand sind Stress oder berufliche Überbelastung.

Eu-weit belaufen sich die volkswirtschaftlichen Folgekosten auf 20 Milliarden Euro jährlich.

Atemwege

Platz 3 belegen die Atemwegserkrankungen mit 18 Prozent. Mediziner unterscheiden zwischen den oberen und unteren Atemwegen. Zu den Erkrankungen der oberen Atemwege gehören Krankheiten der Nasennebenhöhlen und Kieferhöhlenentzündungen. Die Bronchitis hingegen wird zu den Krankheiten der unteren Atemwege gezählt.

Übergewicht

Gemeinsam mit den Atemwegserkrankungen ist die Fettstoffwechselstörung die dritthäufigste Krankheitsursache in Deutschland. Eine Störung des Stoffwechsels ist das Übergewicht, das auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen ist. Laut des Europäischen Statistikamts sind 60 Prozent der Deutschen übergewichtig.

Diabetes

Eine weitere Fettstoffwechselstörung ist die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. Dabei wird zwischen Typ 1 und Typ 2 unterschieden. Typ 2 ist auf das Übergewicht zurückzuführen.

Rückenschmerzen

Mit 24,1 Prozent sind die Rückenschmerzen das zweithäufigste Volksleiden der Deutschen. Diese Zahl schlägt sich auch in den Krankheitstagen nieder. 13 Tage lässt sich der Bundesbürger wegen dieser Erkrankung krankschreiben.

Bluthochdruck

25,7 Prozent der deutschen Bundesbürger leiden an Bluthochdruck. Damit belegt diese Erkrankung den ersten Platz. Die Ursachen sind vielfältiger Natur. Außer der genetischen Veranlagung spielen Stress, Bewegungsmangel und ein überhöhter Alkoholkonsum eine wesentliche Rolle. Wird die Erkrankung nicht behandelt, drohen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Ja, es geht. Aber erst, seit die Immunschwächekrankheit dank moderner Therapien vor rund 15 Jahren für viele Patienten zu einer chronischen Infektion wurde. Unheilbar noch immer, aber mit Tabletten beherrschbarer. Doch die Bilder von ausgemergelten und sterbenden Aidskranken aus den 80er Jahre sind in vielen Köpfen noch fest verankert. So fest, dass es für manche vielleicht eine Denkblockade ist, an HIV und Arbeit zu denken. Dabei können Männer und Frauen mit HIV-Diagnose und Therapie heute fast alle Berufe ergreifen. Nur in Kliniken gibt es Einschränkungen, bei Operationen zum Beispiel.

Die hartnäckigsten Gesundheitsmythen

Obst und Gemüse schützt vor Krebs

Wer sich gesund ernährt und mehr Gemüse als Fleisch isst, der tut seinem Körper etwas Gutes. Doch ein konkreter Schutz vor Krebs ist das nicht. Das ergab eine Studie von Hsin-Chia Hung und Walter Willet, Harvard University Boston/"Journal of the National Cancer Institute". Die Probanden, die mehr Obst und Gemüse aßen, hatten jedoch ein geringeres Herzinfarktrisiko.

Dunkle Schokolade macht weniger dick

Das stimmt leider nicht. Egal, wie dunkel die Schokolade ist, sie besteht in erster Linie aus Kakaobutter, Zucker und Kakaomasse. Im Gegensatz zu Milchschokolade enthält dunkle Schokolade keine Milch, folglich auch keinen Milchzucker. Die Kalorienzahl ist aber vergleichbar mit der der Milchschokolade.

Kaffee trocknet den Körper aus

Nein, Kaffee entzieht dem Körper kein Wasser. Koffein wirkt allerdings harntreibend: Wer viel Kaffee trinkt, muss also öfter die Toilette aufsuchen. Das bedeutet aber nicht, dass er dabei mehr Flüssigkeit verliert, als er mit dem Bürokaffee aufgenommen hat.

Pro Tag zwei Liter Wasser trinken

Es ist richtig, dass der Mensch "ausreichend" Flüssigkeit braucht. Er muss aber nicht zwangsläufig zwei Liter in Form von Wasser trinken. Auch Obst, Gemüse und Milchprodukte enthalten Flüssigkeit. Außerdem hängt der Flüssigkeitsbedarf davon ab, wie heiß es ist, wie viel der Mensch wiegt und ob man sich körperlich stark anstrengt. Pauschal eine Menge von zwei Litern zu empfehlen ist wenig sinnvoll. Zu viel Wasser kann dem Körper auch schaden. Wer ein normales Durstgefühl hat, nimmt automatisch genug Flüssigkeit zu sich.

Salat hat viele Vitamine

Das stimmt nicht. Salat hat viel Folsäure, die der Körper braucht, aber Vitamin C etwa findet sich in der doppelten bis achtfachen Menge in Tomaten oder Paprika.

Eier erhöhen den Cholesterinspiegel

Cholesterin ist ein lebensnotwendiger, natürlicher Stoff und kein Schadstoff. Der Körper produziert selbst Cholesterin und stoppt die Produktion, wenn zu viel Cholesterin in Form von Nahrung aufgenommen wird. Nur wer eine Cholesterin-Stoffwechselstörung hat muss auf seine Ernährung achten. Alle anderen können so viele Frühstückseier essen, wie sie wollen.

Salz ist ungesund

Das stimmt nur, wenn Sie zu den so genannten salzsensitiven Menschen zählen. Bei denen kann der häufige Genuss von stark gesalzenen Speisen zu einem Anstieg des Blutdrucks führen. Da die Mehrheit der Menschen aber nicht salzsensitiv isst, müssen sie auch nicht auf Salz verzichten.

Mehrere Mahlzeiten sind besser

Immer wieder hört man, es sei besser fünf kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, als die drei großen Klassiker Frühstück – Mittag – und Abendessen. Im Grunde ist es völlig egal, wann man isst. Wer mit fünf „kleinen“ Mahlzeiten am Tag abnehmen möchte, läuft jedoch schnell Gefahr, zu viele Kalorien aufzunehmen. Wer sich an feste Mahlzeiten hält, behält besser den Überblick über die Gesamtmenge der aufgenommenen Kalorien.

Am Abend essen macht dick

Ob wir zu- oder abnehmen liegt an der Menge der Kalorien, die wir zu uns nehmen und nicht am Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme. Mehrere Studien haben widerlegt, dass Stoffwechselvorgänge am Abend ruhen und daher, wer abends mehr isst, schneller dick wird.

Der Mensch nutzt nur einen Bruchteil des Gehirns

Zwar keine Ernährungsweisheit, aber ein Gesundheitsmythos ist, dass der Mensch gar nicht die volle Leistung des Gehirns ausschöpfe. Einmal heißt es 10 Prozent, ein andermal 25 Prozent. Mehr unserer Hirnkapazitäten nutzen wir nicht? Doch, tatsächlich nutzt der Mensch alle Bereiche seines Gehirns. Untersuchungen haben gezeigt, dass es keine inaktiven Teile gibt. So verführerisch der Gedanke an noch ungenutzte Areale und Möglichkeiten wie Telepathie und Telekinese sein mag, sie bleiben Fantasterei.

Ob Vorgesetzte und Kollegen aber um die Infektion wissen, steht auf einem anderen Blatt. Es gebe keine Pflicht, sich zu erklären, sagt David. „Man darf auch lügen.“ Wer die Wahrheit sagen möchte, dem rät David zur Besonnenheit. Auch, wenn er nun als Botschafter für das Bundesgesundheitsministerium, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Aids-Hilfe öffentlich sein Gesicht zeigt. Nur sein Nachname bleibt ungenannt. Das ist der Deal.

David arbeitet in Berlin in einer sozialen Einrichtung. Er mag seinen Job, hilft schwächeren Menschen gern. Doch bevor er über seine eigene Krankheit sprach, erkundigte er sich beim Betriebsrat nach der Position der Geschäftsführung zu HIV. Erst als die Rückmeldung nicht auf Ressentiments schließen ließ, suchte er das Gespräch mit seinem Chef. „Er hat nach dem ersten Schock gefragt, wie es mir gesundheitlich geht“, erinnert sich David. Sein Job stand nicht in Frage. Doch er weiß, dass solche Offenheit auch andere Folgen haben kann - von Mobbing bis Kündigung.

Kommentare (4)

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Karma

01.12.2012, 13:16 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Einweckglas

01.12.2012, 13:35 Uhr

Liebe Kollegen mit HIV, in mir hätten Sie einen Kollegen, den dass nicht schockieren würde, ist es doch nun einmal auch Teil unserer Realität, in welcher wir leben. Also von mir daher ein "Nur Mut!", denn wer m.E. solche Realitäten nicht aushält, hat Sie als Kollegen auch nicht verdient!

Pendler

01.12.2012, 13:49 Uhr

wow, genial gesprochen

Aber ich meine mal, viele kommen bestens damit klar, dass man so einen Kollegen nicht verdient hat.

Es ist schon ein schlimmer Abstieg der Gemeinschaft, wenn man meint, dass Krankheiten nur durch Mirkroben oder den bösen Zufall kommen.

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