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24.08.2015

13:34 Uhr

N-Power

RWE tauscht Management in Großbritannien aus

Führungswechsel bei RWE N-Power in Großbritannien: Paul Coffey übernimmt den Chefposten von Paul Massara. Wie RWE-Chef Terium den Schritt begründet. Und warum Großbritannien für den Konzern ein wichtiger Markt ist.

Der RWE-Vorstandsvorsitzende Peter Terium greift im britischen Tochterunternehmen durch. dpa

Personalwechsel

Der RWE-Vorstandsvorsitzende Peter Terium greift im britischen Tochterunternehmen durch.

DüsseldorfDer Energiekonzern RWE tauscht nach dem Gewinneinbruch in Großbritannien seine dortige Führungsmannschaft aus. Der bisherige Chef Paul Massara werde durch Vorstandsmitglied Paul Coffey abgelöst, teilte der Versorger am Montag mit. Auch Finanzchef Jens Madrian müsse gehen. „Wir brauchen an der Spitze von RWE N-Power jetzt einen Vorstandsvorsitzenden mit ausgewiesenem Prozessverständnis und einem guten Gespür für das Machbare“, sagte RWE-Chef Peter Terium.

Die Tochter N-Power kämpft mit Abrechnungsproblemen und einem Kundenschwund. Das Ergebnis des Unternehmens war im ersten Halbjahr eingebrochen. Das Handelsblatt hatte bereits vergangenen Donnerstag über den Managementwechsel berichtet.

RWE-Tochter N-Power: Terium feuert Großbritannien-Chef

RWE-Tochter N-Power

Terium feuert Großbritannien-Chef

Vor einer Woche überraschte RWE mit einem neuen Problem: Bei der britischen Tochter N-Power laufen die Geschäfte aus dem Ruder. Jetzt greift Konzernchef Peter Terium durch – und feuert die zuständigen Manager.

Massara, der 2013 die Führung der britischen Tochter übernommen hatte, bekam die anhaltenden Probleme nicht in den Griff. Das IT-System läuft dort Insidern zufolge seit Jahren nicht rund. Bei Strom- und Gaskunden habe es häufig Doppelbuchungen gegeben. Im Gesamtjahr erwartet RWE bei N-Power nun ein Ergebnis deutlich unter dem Vorjahreswert anstatt einer leichten Steigerung.

In Großbritannien kämpfen die großen Versorger, darunter neben RWE auch Eon, seit Jahren mit dem harten Wettbewerb und der Wechselbereitschaft der Kunden. Durch die Probleme auf der Insel war RWE-Chef Terium selbst unter Druck geraten.

Der neue N-Power-Chef Coffey war im April von der Ökostromtochter Innogy nach Großbritannien gewechselt. Der 45-Jährige habe sich in den vergangenen Monaten mit der Lage vor Ort vertraut gemacht, erklärte RWE. Das Finanzressort übernehme der bisherige Finanzchef der polnischen Tochter, Martin Miklas. Bei RWE Polska war der 42-Jährige auch für Abrechnungssysteme und die IT verantwortlich. Nachfolger Coffeys als Chief Operating Officer (COO) wird der bisherige Finanzchef von Innogy, Dirk Simons.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

RWE versorgt in Großbritannien mehr als fünf Millionen Kunden mit Strom und Gas. „Großbritannien bleibt für uns ein wichtiger Markt“, betonte RWE-Vizechef Rolf Martin Schmitz. „Wir werden alles daran setzen, die operativen und technischen Schwierigkeiten im britischen Vertriebsgeschäft in den Griff zu kriegen.“ Die Probleme der Tochter sollten bis Ende 2016 behoben werden. Um den Rückgang der Kundenzahlen zu stoppen, bot der Konzern günstigere Tarife an, was die Einnahmen noch weiter drückte. Dennoch verlor RWE in Großbritannien seit Mitte vergangenen Jahres rund 100.000 Haushaltskunden.

RWE treffen die Probleme in Großbritannien in einer der schwersten Krisen der 117-jährigen Unternehmensgeschichte. Der stark kohlelastige Versorger hat die Energiewende verschlafen und kämpft wegen der gefallenen Strom-Großhandelspreise mit Gewinneinbrüchen.

Von

rtr

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