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30.01.2013

06:20 Uhr

Nach Anschlägen in Algerien

Das blutige Geschäft mit dem Öl

Terroristen bedrohen weltweit Pipelines, Bohrtürme und Förderanlagen. Mit dem Attentat in Algerien flammt eine Diskussion über die Sicherheit auf. Ölkonzerne überdenken die Energieförderung in riskanten Regionen.

Algerische Soldaten auf Patrouille: Sicherheitsmaßnahmen bei der Ölförderung werden verschärft. dapd

Algerische Soldaten auf Patrouille: Sicherheitsmaßnahmen bei der Ölförderung werden verschärft.

London/Düsseldorf/Stockholm20 Stunden musste Lou F. durch die Sahara marschieren. Einen glühend heißen Tag und eine eiskalte Nacht brachte der 56-Jährige mit minimalen Vorräten an Wasser und Lebensmitteln hinter sich, bevor er auf eine algerische Militärpatrouille stieß und endgültig in Sicherheit war. Der Teamleiter des britischen Ölkonzerns BP gehört zu den Überlebenden des blutigen Geiseldramas in der Gasförderanlage In Amenas mitten in der Sahara.

790 Arbeiter waren zum Zeitpunkt des Überfalls islamistischer Rebellen in der weitläufigen Anlage, darunter 134 Ausländer, die meisten konnten wie Lou F. entkommen. Doch für 37 kam nach der gewaltsamen Befreiung durch die algerische Armee jede Hilfe zu spät.

Der Konflikt in Algerien

Die radikale islamische Organisationen

In Algerien sind seit langem radikale islamische Organisationen aktiv. Anfang der 1990er Jahre entbrannte ein blutiger Konflikt zwischen Regierung und Fundamentalisten in dem nordafrikanischen Land.

Der Bürgerkrieg

Als sich während der Wahl im Dezember 1991 ein Sieg der Islamisten abzeichnete, brach die Armee die Wahl ab. In dem anschließenden Bürgerkrieg sollen bis zu 150 000 Menschen getötet worden sein.

Die radikal-islamische Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC)

Der seit 1999 amtierende Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika leitete in Algerien eine Politik der nationalen Versöhnung mit einer Generalamnestie für umkehrwillige Terroristen ein. Die radikal-islamische Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) setzte jedoch ihre Anschläge fort.

El Kaida im islamischen Maghreb (AQMI)

Die Terrororganisation, die sich seit Anfang 2007 El Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) nennt, sorgte mit schweren Anschlägen immer wieder für Schlagzeilen. Sie ist mittlerweile in der ganzen Region aktiv. Die algerische Sicherheitskräfte konnten zwar die terroristischen Aktivitäten eindämmen, aber die AQMI stellt weiter eine Bedrohung dar.

Nun stellen sich die Briten und andere westlichen Konzerne die Frage, wie gut sie auf Terroranschläge vorbereitet sind. Eine weitere Frage ist, ob Algerien und Nordafrika insgesamt nach den Ereignissen von In Amenas noch vertretbarere Standorte sind.

BP betreibt die Anlage in der algerischen Sahara gemeinsam mit der norwegischen Statoil und dem staatlichen algerischen Konzern Sonatrach. „Wir haben noch nie einen derart folgenschweren Anschlag erlebt und überprüfen unsere Sicherheitsvorkehrungen in der Region und dem Rest der Welt“, betont BP-Chef Bob Dudley.

Die Staaten mit dem größten Öldurst

Rang 10

Taiwan

Der Inselstaat importiert rund 1,0 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass (Barrel) Öl entspricht rund 159 Litern. Taiwan rangiert auf dem zehnten Platz der Ölverbraucher.

Quelle: Internationale Energieagentur (EIA), Stand: August 2012

Rang 9

Italien

Die Bewohner des Stiefelstaats importieren rund 1,3 Millionen Fass Öl am Tag.

Rang 8

Spanien

Die gleiche Menge Rohöl führt Spanien ein. Dort sind es 1,3 Millionen Barrel am Tag.

Rang 7

Frankreich

Etwas mehr importieren die Nachbarn nördlich der Pyrenäen: Dort sind es 1,7 Millionen Fass Öl täglich.

Rang 6

Südkorea

Noch etwas mehr Öl schnappt sich Südkorea. Das Land importiert 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 5

Deutschland

Der Öldurst Deutschlands ist ähnlich groß wie von Südkorea: 2,3 Millionen Fass Öl importieren die Deutschen täglich.

Rang 4

Indien

Die gleiche Menge des Energieträgers wie Deutschland führt Indien ein. Das aufstrebende Land kommt auf 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 3

Japan

Deutlich mehr Volumen des Energieträgers führen die Japaner ein. Dort sind es 4,3 Millionen Fass täglich. Der Inselstaat ist damit der drittgrößte Ölimporteur der Welt.

Rang 2

China

Noch mehr des Rohstoffs holt die Volksrepublik ins Land. 5,5 Millionen Fass importieren die Chinesen täglich.

Rang 1

USA

Mit Abstand das meiste Erdöl importieren die USA: Mit 8,7 Millionen Fass täglich liegen die Amerikaner an der Spitze.

Bislang galt Algerien als vergleichsweise sicherer Standort, auch wegen der massiven Militärpräsenz im Land. Neben BP und Statoil sind dort auch Konzerne wie die spanische Repsol, die französische Total, die italienische Eni sowie Anadarko und ConocoPhilips aus den USA aktiv. Doch nun bedroht das Geiseldrama die Produktion des größten Öl- und Gasförderers in Nordafrika. „Die blutigen Ereignisse in In Amenas werden ausländische Energiekonzerne ihr Engagement in Algerien überdenken lassen“, sagt Ahmed Amdini von der Universität Algier der Nachrichtenagentur Bloomberg.

So denkt auch der britisch-niederländische Ölkonzern Shell denkt über Konsequenzen für die Sicherheit seiner Anlagen nach. Vorstandschef Peter Voser diskutierte mit hochrangigen Managern anderer Ölkonzernen beim Weltwirtschaftsforum in Davos die Lage. „Einige Initiativen sind bereits eingeleitet“, sagt Voser dem „Wall Street Journal“. „Wir haben die genau benötigten Maßnahmen zwar noch nicht ausgearbeitet, aber das werden wir tun.“

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„Im Extremfall mit Gewalt eingreifen“

Energieträger wie Öl und Gas spielen eine wichtige Rolle für die Wirtschaft. Doch die Gefahren bei der Versorgung wachsen. Sicherheitsberater Heiko Borchert von der Schweizer Gesellschaf Sandfire erläutert die Risiken.

Doch auch in anderen Regionen sind Attacken nicht ausgeschlossen. „Algerien war kein Präzedenzfall. Anschläge auf Energieinfrastrukturen gab es auch davor schon, und sie werden auch künftig erfolgen“, sagt Heiko Borchert von der Schweizer Sicherheitsberatung Sandfire, im Interview mit Handelsblatt Online.

Besonders die Förderung in instabilen Regionen rückt dabei in den Fokus. So stellt der Ölkonzern BP offenbar auch seine Expansionspläne in Libyen auf den Prüfstand. Die Sicherheitslage in dem Land ist nach dem Umbruch immer noch angespannt. Kriminelle Gruppen haben zudem leichten Zugang zu Waffen. „Die Sicherung solch exponierter Anlagen wird künftig noch wichtiger, als sie es heute ohnehin schon ist“, meint Sicherheitsberater Borchert.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

30.01.2013, 08:09 Uhr

Wieso Terroristen? Das sind alles nur einheimische Menschen, die ihre eigenen Ressourcen selbst verteilen wollen! Meinen Segen haben diese "Terroristen"

Martin-Ls-Nation-Of-Catholizism

30.01.2013, 08:12 Uhr

FOOD FOR OIL ist nicht blOOD FOR OIL!

Nö. Der "Terrorist" ist der sich nicht an UN-Sanktionen haltende Irak (inspektionen eines gewissen Hans Blix) der angeblich entegen der Haager oder Genfer Landkriegs-konvention Giftgas als seit dem ersten Weltkrieg verbotenen Kampfstoff bereit halten. (man denke an die Szene im großen Dikator mit dem NEBEL (= Senfgas)). Es gab zudem Gerüchte um NICHT REGISTRIERTE Atomwaffen im Iran.
Die nicht Erfassung in der Waffen-Inventur bedeutet daß ein Ungleichgewicht beim Abrüsten entsteht (Start 2 verträge beispilsweise) also ein Machtblock gar nicht abrüstet anders als er vorgibt oder einer durch illegalen Waffenhandel hinzugekommen ist.

Im Gegenzug wurde denen da unten verboten ihr Erd-ÖL zu exportieren. Und die Einhaltung dieses Embargos kontrollieren wir im Mittelmeer mit den Eisntätzen von denen die KEine-Ahnung haber von den Medien immer wieder ebhaupten es ginge um beim entern von Frahctschiffen um Piratenangriffe.

Bei den Zentrifugen im Iran handelt es sich eher um eine balkan-Truppe die per Medien Siemens per "Markenimage Schutzgeld" erpressen wollte denn um die Wahrheit.

Bie den Öl-Auseindersetzungen geht es weniger um geld als vielmehr um UN-EMBARGOs. Und schmeuggelei von Waffen.
Und seit Frauen Politik machen

HAUPTSACHE ihr lasst euch von den Tito-Kommunisten die Strategie der Bundeswehr beeinflussen wenn Medien Feindpropaganda (KFOR/Kosovo) verbreiten.

Tenor: Unsere Truppen sind die bösen. Daß dem nicht so ist erkennt ihr daran da solche Spioange-Volksverhetzer die von den Kommunisten bezahlt werden die in jedem anderne Land baumeln würden nich frei rumlaufen.

Lars

30.01.2013, 08:15 Uhr

Mit dem Erdöl lassen sich die Menschen weiterhin gut manipulieren.
Es gibt nutzbare Freie Energie, welche wohl über 90% des Öles zum Energieverbrauch wegfallen lassen würde.
Mal abgesehen von dem immer noch geglaubten Märchens Öl enstehe durch "Fossilien".
Aber die Menschen leben vor sich hin wie die Schafe.
Gib ihnen Brot und Spiele - mehr brauchen sie nicht und mehr interessiert sie nicht.....

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