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21.12.2016

15:19 Uhr

Nach Anschlag in Berlin

Sicherheitsbranche rechnet mit mehr Aufträgen

Jetzt schon sind im Sicherheitsgewerbe rund 12.000 Jobs offen, qualifiziertes Personal ist schwer zu finden. Und nach dem Anschlag in Berlin rechnet die Branche noch mit einer steigenden Auftragslage.

Die Sicherheitsbranche in Deutschland leidet unter Personalmangel. dpa

Security-Mitarbeiter auf Weihnachtsmarkt

Die Sicherheitsbranche in Deutschland leidet unter Personalmangel.

BerlinDie Sicherheitsbranche in Deutschland rechnet nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt mit steigendem Bedarf an Personal. Die höhere Nachfrage sei von heute auf morgen jedoch nicht zu decken, sagte Silke Wollmann, Sprecherin des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft (BDSW), der Deutschen Presse-Agentur. Ein Sicherheitsdienst in Berlin verzeichnet schon jetzt eine deutlich steigende Nachfrage rund um den Anschlagsort am Ku'damm, wie der Geschäftsführer berichtete.

„Zurzeit haben wir bundesweit 12.000 offene Stellen“, sagte BDSW-Sprecherin Wollmann der Zeitung „Die Welt“ (Mittwoch). Zur Hochzeit des Flüchtlingszustroms im Herbst 2015 seien 15.000 Stellen unbesetzt gewesen.

Terror in Berlin: Die Stille nach dem Anschlag

Terror in Berlin

Die Stille nach dem Anschlag

Kerzen, Blumen, Fahnen auf Halbmast. Wie fühlt sich das Leben in der Hauptstadt an, zwei Tage nach dem verheerenden Anschlag am Breitscheidplatz? Eindrücke zwischen Gedächtniskirche und Gendarmenmarkt.

Angehende Sicherheitsmitarbeiter hätten zwischenzeitlich acht Monate auf die staatlich geforderte Kurzeinweisung bei den Industrie- und Handelskammern warten müssen, weil vorher kein Termin frei gewesen sei. Dieser 40-stündige Kurs ist die Mindestvoraussetzung, um in der Branche arbeiten zu dürfen. Seit Herbst 2015 hat sich die Lage laut Wollmann etwas entspannt.

Der Bedarf ist dennoch enorm: „Man kann immer unendlich einstellen“, sagte der Chef der Berliner Security-Firma mit rund 150 Angestellten. „Qualifiziertes Personal ist nicht leicht zu finden.“ Deshalb müsse er auch Aufträge ablehnen.

Wie nach dem Amoklauf von München im Juli erwartet der BDSW, dass die Zahl der Anfragen an Sicherheitsfirmen erneut kurzfristig steigt. „Wenn solche Vorfälle wie jetzt hier in Berlin öfter auftreten, wird sich das doch alles wieder ein bisschen verstärken“, sagte Wollmann. Es sei jedoch schwierig, neues Personal in der Sicherheitsbranche zu gewinnen. Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit machten den Job nicht unbedingt attraktiv. Hinzu kommt, dass der Stundenlohn für Objektschützer ohne Ausbildung bei nur rund zehn Euro liegt.

Sicherheit in Deutschland – Was bedeutet der Anschlag?

Hat sich die Sicherheitslage in Deutschland nach dem Anschlag verändert?

Sicherheitsexperten glauben: Nein. Der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, sagt, die Gefährdungseinschätzung habe sich nicht verändert. „Wir haben schon vor der Tat gesagt, dass wir in Deutschland eine ernst zu nehmende Bedrohungslage haben. Dass der islamistische Terrorismus ganz maßgeblich die Sicherheitslage in Deutschland prägt“, betont er. Mit dem Attentat von Berlin habe sich die Gefährdungseinschätzung quasi realisiert. Deswegen geht Münch nun nicht von einer anderen Gefährdungslage aus.

Was sind die Anhaltspunkte für ein terroristischen Anschlag?

Generalbundesanwalt Frank sagt, man müsse von einem terroristischen Hintergrund ausgehen. Dafür spricht nach seinen Angaben, dass ein Lkw benutzt wurde und der Anschlag in der deutschen Hauptstadt damit an das Attentat von Nizza vom 14. Juli erinnert. Am französischen Nationalfeiertag war ein islamistischer Attentäter mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast und hatte 86 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt.

Gibt es dazu schon abschließende Erkenntnisse?

Nein. Aber das prominente und symbolträchtige Anschlagsziel Weihnachtsmarkt gebe weitere Hinweise, sagt Frank. Außerdem führt er die Vorgehensweise des Attentäters an, den „Modus operandi“. Der ist schon länger in Aufrufen dschihadistischer Terrororganisationen zu finden. Aber es gebe kein Bekennervideo – und deswegen seien endgültige und abschließende Aussagen zum Hintergrund des Anschlags nicht möglich, sagt Frank. Die Polizei ermittele nach wie vor in alle Richtungen.

Ist Deutschland im Visier der islamistischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS)?

Grundsätzlich ja und seit längerem. Aber: Noch gibt es keinen Beleg, das der Islamische Staat (IS) tatsächlich hinter der Attacke steckt. Den Sicherheitsbehörden lagen zunächst kein Bekennerschreiben und kein Bekennervideo vor. Grundsätzlich sind Deutschland genau wie Frankreich, Großbritannien, Spanien oder andere europäische Staaten quasi seit Jahren im Visier islamistischer Terroristen.

Muss ich Angst haben, wenn ich auf einen Weihnachtsmarkt gehe?

Auch hier gilt, was Experten seit langem sagen: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Zwar haben die Behörden in vielen Bundesländern die Sicherheitsmaßnahmen für Weihnachtsmärkte erhöht, zusätzliche Polizisten abgestellt und auch mehr Videoüberwachung installiert. Doch auch Betonpoller oder andere Schutzmaßnahmen dürften einen zu allem entschlossenen Attentäter kaum aufhalten.

Sind die Sicherheitsbehörden machtlos gegen die Bedrohung?

Ja und Nein. Bis Montagabend war Deutschland von einem größeren Anschlag mit zahlreichen Toten und islamistischem Hintergrund verschont geblieben. Das hatte oft mit Glück, aber auch mit der Ermittlungsarbeit der deutschen Sicherheitsbehörden zu tun. Viele islamistische Heimkehrer aus den IS-Kriegsgebieten in Syrien und dem Irak sind als Gefährder bekannt und werden überwacht. Geholfen haben öfters auch die Kontakte zu befreundeten Geheimdiensten etwa wie dem umstrittenen US-Dienst National Security Agency (NSA). Die deutschen Geheimdienste haben in der Vergangenheit häufiger Tipps von ihren internationalen Kollegen erhalten.

Auch die neu auf den Arbeitsmarkt strömenden Asylbewerber können die Lücke vorerst nicht stopfen. „Rein rechtlich geht das noch nicht“, sagte Wollmann. Jobsucher müssten ein einwandfreies Führungszeugnis vorlegen. Bislang sei jedoch noch nicht geklärt, wie lange Flüchtlinge für die sogenannte Zuverlässigkeitsprüfung in Deutschland leben sollten.

Wollmann betonte auch: „Sie können natürlich einen Weihnachtsmarkt abriegeln - die Frage ist, ob das Gefühl von Weihnachtsmarkt dann überhaupt noch zustande kommt. Und Sie können solche Veranstaltungen nie hundertprozentig schützen.“

Derzeit arbeiten dem BDSW zufolge rund 250.000 Beschäftigte in der Sicherheitsbranche. 2015 waren es 233.000 - das entspricht einem Anstieg von mehr als sieben Prozent. Für 2017 geht der Verband von einem moderaten Wachstum von drei bis fünf Prozent aus.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

21.12.2016, 15:52 Uhr

"Herr Josemin Hawel"
"Und immer nur geht alles gegen Merkel. Ich finde, dass Handelsblatt sollte etwas gegen krude Propaganda und auch Textmüll wie den von Hoffmann unternehmen."

Das ist ja wohl unerhört.
Da gibt man sich täglich von morgens bis abends die Mühe jeden Artikel,aber auch wirklich jeden zu kommentieren, und zu vielen Themen der Artikel habe ich wirklich keine Ahnung, dann wird man auch noch beschimpft.
Dabei kläre ich die Leute doch nur über Putin und Trump auf, zwei echte Kerle.
Wo wir mit unserem sprechenden Hosenanzug hingekommen sind sieht man ja wohl aktuell.
Danke

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