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12.01.2009

14:31 Uhr

Nach dem Freitod des Patriarchen

Abschied von Merckle

Hunderte Freunde, Mitarbeiter und Verwandte haben sich in einer Trauerfeier von Adolf Merckle verabschiedet. Der schwäbische Milliardär hatte sich das Leben genommen, weil er die bevorstehende Zerschlagung seines Firmenimperiums nicht verkraften konnte.

HB BLAUBEUREN. In einem Trauergottesdienst haben Hunderte Freunde, Mitarbeiter und Verwandte vom toten schwäbischen Milliardär Adolf Merckle Abschied genommen. In der evangelischen Stadtkirche seines Heimatortes Blaubeuren bei Ulm nahmen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sowie die baden-württembergische Sozialministerin Monika Stolz (CDU) an der Trauerfeier teil. An den Eingängen der Kirche und der Stadthalle, wo der Gottesdienst übertragen wurde, lagen Kondolenzbücher aus.

Der 74-Jährige hatte sich am 5. Januar vor den Zug geworfen und war sofort tot. Nach Angaben seiner Familie war er an finanziellen Problemen zerbrochen. Merckle war in Bedrängnis geraten, weil einige seiner Firmen hoch verschuldet sind und im Zuge der Finanzkrise drastisch an Wert verloren. Außerdem hatte er sich mit Volkswagen-Aktien verspekuliert, was ihm einen Verlust im niedrigen dreistelligen Millionenbereich eingebracht hatte.

Die wirtschaftliche Notlage seiner Unternehmen und „die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können“, hätten den 74-Jährigen gebrochen, teilte die Familie am vergangenen Dienstag mit. Der Unternehmer hatte vor seinem Selbstmord die Einigung mit den Banken noch selbst unterschrieben. Damit besiegelte er die Zerschlagung seiner finanziell schwer angeschlagenen Gruppe. Am Mittwoch gewährten die rund 30 Gläubigerbanken den rettenden Überbrückungskredit. Der Pharmahersteller Ratiopharm muss aber verkauft werden. Zu Merckles Firmengruppe gehören der Baustoffhersteller HeidelbergCement, der Pharmagroßhändler Phoenix und der Generikahersteller Ratiopharm, der jetzt vor dem Verkauf steht.

Merckle wurde vom Magazin "Forbes" mit einem geschätzten Vermögen von 6,9 Milliarden Euro als fünftreichster Mann Deutschlands eingestuft. Im weit verzweigten Merckle-Imperium sind mehr als 100 000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Jahresumsatz liegt bei 30 Milliarden Euro.

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