Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2007

21:43 Uhr

Nach dem Urteil

Hartz V oder das Projekt Demut

VonJan Keuchel und Josef Hofmann

Finito, Ende, Abgang - der Prozess gegen Ex-VW-Manager Peter Hartz ist vorbei. Doch wie geht einer damit um, dass er einst zu den Mächtigen der Republik gehörte - und nun ein verurteilter Straftäter ist. Wie kann es weitergehen, mit einem, dessen Ruf so gründlich ruiniert ist? In Saarbrücken steht seine Resozialisierung an.

Peter Hartz vor dem Braunschweiger Landgericht. Foto: dpa

Peter Hartz vor dem Braunschweiger Landgericht. Foto: dpa

BRAUNSCHWEIG. Ein letzter Akt, ein Händedruck für den Verteidiger, ein artiger Blick zu Anklägern und Richtern. Dann strebt er dem Ausgang zu, ein wenig apathisch wirkt er, und doch auch erleichtert. Die Gesichtshaut sieht fahl aus, trotz zugelegter Sonnenbräune. Noch immer sagt er nichts, auf das Schlusswort hat er verzichtet. Schweigen ist sein Gebot der Stunde.

Nur ja keine Gefühle zeigen. Da gibt es schließlich immer noch die da draußen, die Demonstranten, die "Hartz in den Knast" fordern. Und da sind auch noch einmal die Fotografen, die ihn abschießen, gnadenlos und unkontrollierbar. Peter Hartz (65) will nur noch weg, in seinen VW-Phaeton mit den abgedunkelten Scheiben. Dort ist er sicher. Hier hat er nichts mehr verloren.

Hartz habe Volkert über etwa zehn Jahre hinweg insgesamt fast zwei Millionen Euro an Sonderboni gezahlt, hieß es vor Gericht. Eine Gegenleistung habe der Betreibsratschef nicht erbracht. "Eigenmächtig, heimlich und unter Abschaffung von Kontrollen" habe der Angeklagte gehandelt", sagte die Gerstin Dreyer, Vorsitzende Richterin der 6. Großen Strafkammer des Braunschweiger Landgerichts. Eine Absprache mit seinen Vorstandskollegen über die Anweisung der Zahlungen habe es nicht gegeben. Deren Zweck sei es gewesen, das allgemeine Wohlwollen des mächtigsten Betriebsratsmitgliedes zu sichern.

Es floss kein Cent in die Tasche des Angeklagten

Nachvollziehbar, sei es gewesen, dass Hartz die Erwartung gehabt habe, dies werde sich positiv für VW auswirken. Und trotzdem: Der Vorwurf der Untreue falle dadurch keineswegs weg, so die Vorsitzende Richterin. Die Sonderboni für Volkert seien ein besonders schwerer Fall von Untreue.

"Der Angeklagte wird wegen Untreue und Begünstigung von Betriebsräten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird. Ferner erhält er eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu je 1 600 Euro", verkündet Gerstin Dreyer das Urteil - mit unruhiger, leicht zittriger Stimme. Nach der schon vor dem Prozess erfolgten Absprache mit Hartz und der Staatsanwaltschaft fällt es nicht überraschend aus.

"Wir sind völlig sicher, dass keine weiteren Straftaten zu erwarten sind", sagte Dreyer. "Der Angeklagte hat sich nicht bereichert", fügte die Richterin hinzu. Zuvor hatte auch Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff in ihrem Plädoyer betont, dass von den Zahlungen über insgesamt 2,6 Millionen Euro "kein Cent in die Tasche des Angeklagten geflossen" sei. Neben Volkert hatte Hartz nach Überzeugung des Gerichtes auch dessen damaliger Geliebter knapp 400 000 Euro zugeschanzt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×