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18.08.2015

14:41 Uhr

Nach der Insolvenz

40 Interessenten für Imtech Deutschland

Der Verkaufsprozess der insolventen Baufirma Imtech ist gestartet. Das Unternehmen, das auch am Bau des zukünftigen Hauptstadtflughafens beteiligt ist, soll unter neuen Eigentümern fortgeführt werden.

Die insolvente Baufirma Imtech war zuletzt auf rund 950 Baustellen aktiv, auch auf der des neuen Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg. dpa

Imtech

Die insolvente Baufirma Imtech war zuletzt auf rund 950 Baustellen aktiv, auch auf der des neuen Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg.

HamburgDie Deutschland-Tochter des niederländischen Gebäudeausrüsters Imtech soll so schnell wie möglich einen neuen Eigentümer bekommen. Die Beratungsgesellschaft EY (Ernst&Young) sei mit der Suche nach einem Käufer für das insolvente Unternehmen beauftragt worden, teilte Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt am Dienstag in Hamburg mit. „Ziel ist es, Imtech als Ganzes zu verkaufen“, sagte ein Sprecher Borchardts. Ein Teil der gut 40 Firmen, die sich beim Insolvenzverwalter schon gemeldet hätten, seien auch zu einer Komplettübernahme des Hamburger Unternehmens mit 4000 Mitarbeitern bereit.

Sanierungsexperten sehen vor allem Baudienstleister wie die französische Spie und Caverion aus Finnland als potenzielle Käufer. Ob der selbst angeschlagene Mannheimer Bilfinger -Konzern die Übernahme stemmen könnte, wird dagegen bezweifelt. Interessant für einen Käufer sei vor allem das lukrative Service-Geschäft, glauben Experten. Bis zu einer für November geplanten Eröffnung des Insolvenzverfahrens müsse zumindest klar sein, wer als Käufer infrage komme. „Das wird recht schnell gehen, denn das Interesse ist da“, sagte ein mit dem Verkaufsprozess vertrauter Insider.

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Imtech liegt am Boden. Die Commerzbank steht mit ihren Anteilen kurz vor einem Totalverlust.

Imtech Deutschland war noch vor der Pleite der Mutterfirma in die Insolvenz gerutscht, unter anderem weil eine Zahlung von 21 Millionen Euro aus den Niederlanden ausgeblieben war. Mit der Pleite sind die Verbindungen zu Royal Imtech gekappt. Borchardt versucht seither, das Deutschland-Geschäft auf eigene Beine zu stellen und die 950 Baustellen am Laufen zu halten. Mit Hilfe großer Kunden und der Banken ist ausreichend Liquidität dafür vorhanden. Mit einem Massekredit, den Imtech Deutschland für die Fortführung des Geschäfts in den nächsten drei Monaten braucht, sei spätestens am Mittwoch zu rechnen, sagten mehrere Insider. Das Unternehmen arbeitet an Großbaustellen wie dem neuen Berliner Großflughafen und der Kölner Oper mit.

In den Niederlanden schreitet die Zerschlagung von Imtech unterdessen mit großen Schritten voran. Die Infrastruktur- und Verkehrs-Sparte mit annähernd 2000 Mitarbeitern geht an den niederländischen Finanzinvestor Egeria. Zusammen mit dem Hafen- und dem Skandinavien-Geschäft, die in der vergangenen Woche verkauft wurden, seien damit rund 9300 der 22.000 Arbeitsplätze beim Imtech gerettet, erklärten die Treuhänder dort. Der Erlös von bisher 143 Millionen Euro geht vor allem an Lieferanten und Dienstleister. Auch Teile des belgischen Geschäfts stehen kurz vor dem Verkauf.

Imtech und der BER – Sorgen um Flughafenprojekt

Der Termin, der wackelt – schon wieder

Der neue Hauptstadtflughafen gleicht einem taumelnden Boxer: Kaum hat er sich aufgerappelt, setzt es den nächsten Schlag. Ein paar Monate schien es, als gäbe es für das Krisenprojekt einen guten Plan, der nur noch abgearbeitet werden muss. Jetzt trifft die Pleite der wichtigen Baufirma Imtech die Baustelle wie einen Boxer die rechte Gerade. Die Verantwortlichen sind besorgt. Und alle fragen sich, ob die für 2017 geplante Eröffnung abgesagt werden muss – es wäre das fünfte Mal.

Welche Arbeiten erledigt Imtech in Schönefeld?

Der Gebäudetechnikausstatter arbeitet neben anderen wie Siemens an der Brandschutzanlage, deren unzureichendes Zusammenspiel neben schweren Mängeln seit Jahren den Flughafenstart verzögert. Mit dem Partner Caverion unterteilt Imtech etwa den zu großen Anlageabschnitt im zentralen Terminal, damit das „Monster“ (Flughafengesellschaft) beherrschbar wird. Imtech kümmert sich auch um Stromversorgung, Heizung, Sanitär und Lüftung. „Sanierung im Bestand“, hat Technikchef Jörg Marks das genannt, was momentan im Terminal läuft.

Lief die Arbeit immer reibungslos?

Nein. Projektbeteiligte berichten im Berliner Untersuchungsausschuss immer wieder von Schönrednerei und von Baufirmen, die machen was sie wollen. Einige Vorwürfe trafen auch Imtech. Die Firma soll mitunter monatelang mehr Bauarbeiter abgerechnet haben als tatsächlich im Terminal am Werk waren, kritisierte einer der Architekten.

Imtech habe mehr als 300 Millionen Euro vom Flughafen erhalten, teils aber ohne Gegenleistung, berichtete ein anonymer Hinweisgeber, der einen mutmaßlichen Bestechungsfall aufdeckte. Das Unternehmen soll einen leitenden Mitarbeiter des Flughafens bestochen haben, damit die Betreiber 65 Millionen Euro überweisen, ohne dass entsprechende Nachforderungen geprüft werden. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen die Verdächtigen nahezu abgeschlossen, der Flughafen-Mitarbeiter sitzt seit Mai in U-Haft.

Warum hat der Flughafen Imtech nicht rausgeworfen?

Die Verantwortlichen fürchteten, Zeit und Wissen zu verlieren. Imtech galt ihnen als „Schlüsselfirma“ für das Projekt. „Es gab den Glauben, dass in der Sekunde, wo die abziehen, was sie auf der Baustelle haben, der Termin tot ist“, sagte der frühere Technikchef Horst Amann einmal mit Blick auf den einst angestrebten Starttermin Oktober 2013.

Wie kam es zur Insolvenz?

Die deutsche Imtech-Tochter war in den vergangenen Jahren durch erhebliche Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Nach Konzernangaben hatte sie über Jahre Umsätze ausgewiesen, die es nicht gab. Das führte zu höheren Boni für die Führungsetage. Dann folgten millionenschwere Abschreibungen und Stellenstreichungen. Das neue Management konnte die Gesellschaft offensichtlich nicht aus der Schieflage befreien.

Welche Folgen hat das für den Flughafen?

Das wird wohl erst in den nächsten Tagen deutlich. „Maximale Unterstützung“ habe der Chef der deutschen Imtech, Felix Colsman, dem Flughafen zugesagt, heißt es. Doch wie viel ist die Zusage wert, wenn das Gehalt der Imtech-Leute nur bis Oktober gesichert ist? Die ersten erschienen schon am Freitag nicht mehr zur Arbeit. Der Insolvenzverwalter muss entscheiden, welche Aktivitäten des Großunternehmens mit 4000 Beschäftigten er am Laufen halten kann.

Kippt damit schon wieder der Eröffnungstermin?

Das ist nicht ausgeschlossen. Noch ist geplant, im zweiten Halbjahr 2017 an den Start zu gehen - mit sechs Jahren Verspätung. Die Situation jetzt erinnert an den Sommer 2010, als der Flughafen den ersten Eröffnungstermin im Oktober 2011 verschob - unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma.

„Imtech ist eine der wichtigsten Baufirmen auf der BER-Baustelle“, sagt Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Im fliegenden Galopp die Pferde zu wechseln, bringt Großprojekte in der Regel aus dem Tritt. Und der Zeitplan ist ohnehin angespannt. Erst am Donnerstag hatte Mühlenfeld die Planungs- und Baufirmen zu mehr Engagement aufgefordert, weil man einigen wichtigen Zwischenterminen hinterherhinke.

Die Eigentümer von Royal Imtech gehen leer aus. Davon ist auch die Commerzbank betroffen, die im Herbst im Zuge einer Kapitalerhöhung 70 Millionen Euro in Imtech investiert hatte. Mit dem Geld waren laut Insidern Kredite zurückgezahlt worden, so dass sie nur noch bei Imtech Deutschland engagiert ist. Dort habe sie vor allem Kreditbürgschaften (Avale) vergeben. Diese könnten in der Insolvenz gezogen werden. „Dass die Commerzbank ganz ungeschoren davon kommt, ist unwahrscheinlich“, sagte ein Insider.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Norbert Sommers

24.08.2015, 18:03 Uhr

Ob Imtech im Neuen Kleid weiter existieren kann, hängt einzig und alleine davon ab, ob der Schuldenschnitt durchgeführt, die Geschäftsleitung sowie der Name verschwindet.
Ansonsten bleibt Imtech ein Intensivpatient.

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