Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.04.2014

16:35 Uhr

Nach fristloser Kündigung

Ex-BER-Chef Schwarz will weiter Gehalt

Der ehemalige Berliner Flughafenchef Rainer Schwarz will über seine Gehaltsforderungen verhandeln – obwohl er eine Mitschuld an dem immer wieder verschobenen Eröffnungstermin des BER haben soll.

Der Ex-Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Rainer Schwarz. Er will entgangenes Gehalt sowie Zahlungen für die Altersvorsorge erstreiten. dpa

Der Ex-Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Rainer Schwarz. Er will entgangenes Gehalt sowie Zahlungen für die Altersvorsorge erstreiten.

BerlinDer ehemalige Berliner Flughafenchef Rainer Schwarz will außerhalb des Gerichtssaals mit der Flughafengesellschaft über seine Gehaltsforderungen verhandeln. Zuvor müsse im Aufsichtsrat aber geprüft werden, ob ein Vergleich überhaupt möglich sei, sagte ein Vertreter des Flughafens am Montag im Berliner Landgericht. Der 56-jährige Manager war im Januar 2013 zunächst beurlaubt und dann Mitte des Jahres fristlos gekündigt worden. Ihm war eine Mitschuld an der immer wieder verschobenen Eröffnung des Hauptstadtflughafens angelastet worden.

Schwarz will entgangenes Gehalt sowie Zahlungen für die Altersvorsorge erstreiten. Deshalb hatte er vor dem Landgericht geklagt. Laut Richter Björn Retzlaff könnte es um maximal 1,6 Millionen Euro gehen. Beide Parteien haben nun bis zum 8. Mai Zeit für Verhandlungen. Dann soll der Prozess fortgesetzt werden.

Schwarz wird vorgeworfen, den Aufsichtsrat zu spät darüber informiert zu haben, dass der Hauptstadtflughafen nicht wie geplant am 3. Juni 2012 in Betrieb gehen konnte. Sein Dienstvertrag sollte eigentlich bis Mai 2016 laufen.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Nun gehe es unter anderem darum, ob Schwarz Probleme mit dem Brandschutz im Terminal zu lange ignoriert und auf Improvisation gesetzt habe, sagte Retzlaff. Mut zur Improvisation dürfe in der Rückschau allerdings nicht bestraft werden. Die entscheidende Frage sei aus Sicht des Gerichts nicht, ob der Manager Einschätzungen des Bauordnungsamts einige Wochen zu spät weitergegeben habe, sondern ob er Führungsverantwortung gezeigt habe. Es gehe darum, ob Schwarz die Gesamtsituation überblickt habe und ob er unabhängig von Beratereinschätzungen hätte „auf den Tisch hauen“ müssen.

Die Flughafengesellschaft hat Schwarz unterdessen noch ein zweites Mal gekündigt. Das sagte Retzlaff am Montag ohne weitere Details zu nennen. Nach Informationen von „Bild“ und „B.Z.“ soll Schwarz gegen Betriebsgeheimnisse verstoßen haben, weil er sich mit vertraulichen Flughafenunterlagen verteidigte, die er nach seiner ersten Entlassung nicht mehr hätte besitzen dürfen.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

08.04.2014, 13:43 Uhr

Der Mann hat Mut. Erst total versagen und nicht willens sein, der Flughafen in der Zeit termingerecht und kostengerecht, wie geplant zu bauen. Jetzt will er dafür noch belohnt werden. Er muss die gesamten Mehrkosten von der 1. Planung persönlich tragen, mit Zinsen natürlich! Das hat er verdient und sich erarbeitet!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×