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17.07.2014

11:02 Uhr

Nach gekippter Gewinnprognose

Stellenabbau bei Bilfinger geht weiter

Da wichtige Kunden von der Energiewende geschwächt sind, brechen Bilfinger Aufträge weg. Vorstandschef Roland Koch kann weiter keine Zukunftsvision präsentieren. Stattdessen will der Baukonzern nun radikal kürzen.

Er kann keine erfreulichen Nachrichten präsentieren: Der Ex-Politiker Roland Koch hat als Vorstandsvorsitzender des Dienstleistungs- und Baukonzerns Bilfinger kein glückliches Händchen. dpa

Er kann keine erfreulichen Nachrichten präsentieren: Der Ex-Politiker Roland Koch hat als Vorstandsvorsitzender des Dienstleistungs- und Baukonzerns Bilfinger kein glückliches Händchen.

KölnDer Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger will Hunderte Stellen abbauen. Weil die Mannheimer wegen der Energiewende unter einem Auftragseinbruch leiden, nimmt der Vorstand nun nach der Verwaltung die Kraftwerkssparte ins Visier. Bilfinger werde im Rohrleitungsbau „etwa 200 bis 300 Arbeitsplätze“ abbauen, sagte Vorstandschef Roland Koch in einem am Donnerstag vorab veröffentlichten Interview mit dem „Manager Magazin“.

Auch in anderen Konzernteilen werde es Kapazitätsanpassungen geben. Die Maßnahmen würden allerdings nicht den Umfang des bereits laufenden Sparprogramms erreichen, bei dem 1250 Stellen gestrichen werden. Betriebsbedingte Kündigungen seien möglich. „Aber das Gros der Arbeitsplätze werden wir sozialverträglich abbauen“, sagte Koch.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Bilfinger hatte bereits weitere Einschnitte angekündigt, nachdem der Konzern im Juni seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr gekippt hatte. Der Ausbau des Ökostroms macht Kraftwerke in Deutschland unrentabel. Die Energieversorger, wichtige Auftraggeber der Badener, halten sich deshalb mit Investitionen zurück. Der Umsatz in der Sparte Hochdruck-Rohrleitungsbau wird laut Prognose voraussichtlich auf 200 Millionen Euro und damit auf die Hälfte sinken. Beschäftigt sind in diesem Zweig 1100 Mitarbeiter in Deutschland.

Da die Aussichten in Deutschland so unsicher sind, will Bilfinger stärker im Ausland expandieren. Koch sagte dem Magazin, das Unternehmen werde seinen Kunden verstärkt in die USA, Asien und andere Regionen folgen. „Südafrika, aber auch der Mittlere Osten sind hier Stichworte.“ Mitte November will er weitere Details und neue Wachstumsziele nennen.

Der Gewinn von Bilfinger war schon im vergangenen Jahr bei leicht geschrumpftem Umsatz kaum gestiegen. In diesem Jahr rechnet der Konzern nun sogar mit einem Rückgang des bereinigten operativen Gewinns (Ebita) auf 380 bis 400 (Vorjahr: 419) Millionen Euro. Auch das Konzernergebnis werde um bis zu zehn Prozent auf 230 bis 245 Millionen Euro sinken.

Von

rtr

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