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23.08.2012

11:27 Uhr

Nach Libor-Affäre

Linde-Chef Reitzle wettert gegen Banken

Der Vorstandschef des Dax-Konzerns rechnet in einem Interview mit der Finanzbranche ab. Mit der Libor-Affäre sei das letzte Vertrauen verloren gegangen. Reitzle fordert angesichts der kriminellen Energie einen Wandel.

Linde-Chef Reitzle hat das Vertrauen in die Finanzbranche verloren. dpa

Linde-Chef Reitzle hat das Vertrauen in die Finanzbranche verloren.

Hamburg/DüsseldorfDer Vorstandsvorsitzende des Gase-Herstellers Linde, Wolfgang Reitzle, übt nach den jüngsten Skandalen in der Bankenwelt harte Kritik an der Branche. „Mit der Libor-Affäre ist vielleicht der letzte Rest Vertrauen verloren gegangen. Was soll man denn noch glauben, wenn der wahrscheinlich wichtigste Zins der Welt manipuliert wurde?“, sagt Reitzle im Interview mit dem „Manager Magazin“. Reitzle meint, die Banken hätten ihre Glaubwürdigkeit verloren und er mahnt die Finanzindustrie zur Veränderung.

Die Finanzwirtschaft habe sich „weitgehend von der Realwirtschaft abgekoppelt und ihre eigene Parallelwelt geschaffen, in der virtuelle Werte entstanden sind“, so der Manager des Dax-Konzerns. Diese jedoch hätten „leider die Eigenschaft, zu realen Verlusten der Volkswirtschaft zu werden“.

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Linde-Chef Wolfgang Reitzle hatte einen Austritt Deutschlands aus dem Euro ins Spiel gebracht - und erntet dafür reichlich Kritik. Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft warnen vor dramatischen Folgen einer Abkehr.

Reitzle fordert deshalb dringend eine Veränderungen in der Finanzbranche. Besonders die Struktur der Vergütungen und Anreize müsse überarbeitet werden. „Wenn ich sehe, was da – zum Teil ja schon mit krimineller Energie – abgelaufen ist, und wenn man dann noch hört, was einige Hedge-Fonds-Manager einstreichen, dann glaube ich, dass sich dringend etwas ändern muss.“

Der Chef des Industriegase-Konzerns hatte bereits bei der Euro-Krise klar Position bezogen. Als erster Manager eines Dax-Konzerns brachte er einen Euro-Austritt Deutschlands ins Gespräch. Er glaube zwar, dass die Rettung des Euros gelingen könne, aber er sei „nicht der Meinung, dass der Euro um jeden Preis gerettet werden muss“, sagte Reitzle im Interview mit dem „Spiegel“.

„Wenn es nicht gelingt, die Krisenländer zu disziplinieren, muss Deutschland austreten“, sagte Reitzle. Dieses Szenario sei für ihn nicht wünschenswert, „aber es darf auch nicht zum Tabu erklärt werden“. Für Griechenland sah er keine Chancen mehr, in der Währungsunion zu bleiben. Die Märkte hätten das Thema „längst abgehakt“.

Das Gedankenspiel von Reitzle war auf viel Zustimmung, aber auch auf Widerspruch gestoßen. „Die übergroße Mehrheit der mittelständischen Unternehmer in Deutschland will den Euro“, sagte etwa Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft, Handelsblatt Online.

Kommentare (26)

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Rene

23.08.2012, 11:34 Uhr

Einerseits hat er recht, andererseits ist auch er kein Waisenknabe. Die haben alle Dreck am Stecken. Wer pro Jahr Miollionen an Gehalt glaube brauchen bzw. "verdienen" zu müssen, dem springt auch die Gier aus dem Gesicht.

Maravon

23.08.2012, 11:54 Uhr

Die Banken selbst leiten mit ihrem Verhalten eine "Post-Banking Ära" ein. Dort wo möglich werden Handelsdienstleistungen von institutionalisierten, transparenten Wertpapier-Marktplätzen ersetzt werden, die wieder der Realwirtschaft dienen. Diese Tendenz zeichnet sich bereits heute schon ab.

Account gelöscht!

23.08.2012, 12:12 Uhr

@ Rene

Sie müssen dazu wissen, das Herr Reitzle einer der fähigsten Manager Deutschlands ist, er hat den Konzern voll auf Erfolgskurs getrimmt, jede Firma, die er führte hatte Erfolg.
Zeigen Sie mir ein Bankidiot, der das von sich auch behaupten könnte. Er hat jeden Cent an Gehalt "real" verdient

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