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21.04.2013

18:11 Uhr

Nach Selbstanzeige vom Bayern-Boss

Wie viele Millionen hortet Hoeneß in der Schweiz?

Gegen Uli Hoeneß wird wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Über die Höhe des in der Schweiz unversteuert deponierten Vermögens herrscht Unklarheit. Ein Experte geht von zehn Millionen Schwarzgeld aus.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß soll nach der Selbstanzeige fünf Millionen Euro Abschlagsumme an das Finanzamt gezahlt haben. dpa

Bayern-Präsident Uli Hoeneß soll nach der Selbstanzeige fünf Millionen Euro Abschlagsumme an das Finanzamt gezahlt haben.

Nein, ein Zocker sei er nicht, sagte Uli Hoeneß vor zwei Jahren im Gespräch mit dem Handelsblatt. Was Geldanlagestrategien betrifft, agiere er inzwischen eher defensiv. Das Magazin „Focus“ berichtet nun, gegen den Fußball-Manager ermittle die Staatsanwaltschaft. Angeblich hat der Unternehmer große Mengen Geld auf Konten in der Schweiz untergebracht, um auf diesem Weg Steuern zu hinterziehen.

An diesem Sonntag sagte er der „Süddeutschen Zeitung“: „Ich darf im Moment nichts sagen, denn ich befinde mich in einem schwebenden Verfahren. Sie können sich vorstellen, dass mir vieles auf der Zunge liegt, aber ich muss erst mit den Behörden meine Hausaufgaben machen.“

Die besten Zitate von und über Uli Hoeneß

Hoeneß 2005

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Hoeneß 2009

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

Hoeneß 2011

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

Hoeneß 2012

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

Hoeneß als Wurstfabrikant

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

Hoeneß vor seinem 60. Geburtstag

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

Hoeneß vor der Politik

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

Rummenigge

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

Beckenbauer

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

„Die Einleitung des Ermittlungsverfahrens erfolgte aufgrund einer Selbstanzeige im Januar 2013“, sagte der Münchner Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich dem „Focus“. Gegenstand des Verfahrens sei die Prüfung auf Wirksamkeit und Vollständigkeit der Selbstanzeige. Hoeneß sagte dem Magazin: „Ich habe im Januar 2013 über meinen Steuerberater beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht.“ Hintergrund sei ein Konto von ihm in der Schweiz.

Er habe die „Angelegenheit ursprünglich“ über das Deutsch-Schweizer Steuerabkommen regeln wollen, das „dann bekanntlich Mitte Dezember 2012 nicht zustande gekommen“ sei, wurde der Fußballmanager zitiert.

Angaben zur Höhe einer etwaigen Steuerschuld wollten dem Magazin zufolge weder die Münchner Staatsanwaltschaft noch Hoeneß machen. Nach Informationen des „Focus“ ließen Staatsanwälte im vergangenen Monat das private Anwesen von Hoeneß im Tegernseer Tal durchsuchen.

Welche Strafen Steuertricksern drohen

10.000 Euro hinterzogen

Hier wird in der Regel eine Geldstrafe verhängt, die in etwa einem Jahresnettoeinkommen des Steuerpflichtigen entspricht.

Tagessätze

Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln die Geldstrafe nach so genannten Tagessätzen. Der Geldbetrag für einen Tagessatz soll dem Tagesnettoeinkommen entsprechen.

Berechnung des Tagesatzes

Hat jemand ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto und Abzüge von 20.000 Euro für Steuern, Versicherungen und ähnlichem, so wäre der Tagessatz 82 Euro (gerechnet: 30.000:365).

Anzahl der Tagessätze

Bei einer Hinterziehung von 10.000 Euro werden in der Regel 365 Tagessätze verhängt. Das bedeutet im Beispielsfall 365x82 = 29.930 Euro. Die Geldstrafe läge also bei rund 30.000 Euro.

Verhältnis zur hinterzogenen Steuer

Bei hohen Einkommen kann laut Experten die Strafe durchaus höher als die hinterzogene Steuer sein. Schließlich soll sich Steuerhinterziehung ja nicht lohnen.

20.000 Euro hinterzogen

Bei 20.000 Euro kommt man zu rund 440 Tagessätzen. Die Strafe läge im Beispielsfall dann 36.080 Euro.

Regionale Unterschiede

Es ist bekannt, dass in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich streng bestraft wird. Eine interne Tabelle weist dies nach. Insofern gelten die hier genannten Strafrahmen nicht absolut, sondern sind lediglich Faustregeln.

Schwere Vergehen

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Az. 1 StR 525/11) ist die Chance, auch bei schweren Steuervergehen um eine Haftstrafe herumzukommen, deutlich gesunken. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Augsburg kassiert, das einen Unternehmer wegen 1,1 Millionen Euro hinterzogener Steuern nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte. Dieses Strafmaß sei zu gering, entschied der BGH. Das Urteil liegt im Trend, glaubt Martin Wulf von der auf Steuerstrafrecht spezialisierten Kanzlei Streck Mack Schwedhelm: „In der Tendenz ziehen die Sanktionen an“, sagt der Jurist.

Der Bundesrat hatte das geplante Steuerabkommen mit der Schweiz im Februar endgültig beerdigt. Die Länderkammer lehnte den Gesetzentwurf der Bundesregierung ab, nachdem bereits der letzte Einigungsversuch im gemeinsamen Vermittlungsausschuss mit dem Bundestag gescheitert war. Ziel des Abkommens war es, in der Schweiz angelegtes Vermögen wie in Deutschland zu besteuern.

Außerdem sollten Altvermögen pauschal und anonym nachversteuert werden. Während die Schweiz das Abkommen ratifiziert hatte, stellte sich in Deutschland der Bundesrat quer, wo Union und FDP keine Ländermehrheit hinter sich haben. SPD und Grüne hatten das von der schwarz-gelben Bundesregierung ausgehandelte Abkommen in Bundesrat und Vermittlungsausschuss abgelehnt.

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Im „Finale dahoam“ will Hoeneß seine Karriere endgültig krönen.

Die Sozialdemokraten sehen sich bestätigt. Einige hätten "darauf gehofft, dass seine Steuerhinterziehung durch das von der schwarz-gelben Bundesregierung geplante deutsch-schweizerische Steuerabkommen legalisiert worden wäre und er dabei anonym hätte bleiben können“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß. Diesen Plan, „den viele Steuerhinterzieher hatten“, habe die SPD durch ihre Ablehnung des Abkommens im Bundesrat vereitelt, fügte Poß hinzu. Der Fall Hoeneß zeige, „wie richtig die Strategie der SPD war“. „Er wird nicht der einzige bleiben, dessen Hoffnungen auf das Abkommen der schwarz-gelben Bundesregierung nun zerplatzen“, erklärte Poß.

Uli Hoeneß im Interview

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Uli Hoeneß im Interview: "Verdirbt Geld den Charakter?" -"Nein, gar nicht!"

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Die Ermittlungen gegen Hoeneß riefen auch den bayerischen SPD-Spitzenkandidaten Christian Ude auf den Plan. Er verstehe seit Jahren nicht, „warum die CSU so viele Sympathien für Steuerhinterzieher hegt, obwohl sie sonst so für Law and Order auftritt“, sagte Ude der „Welt am Sonntag“. „Dass Hoeneß so heftige Sympathien für die CSU hegt, findet in den kommenden Wochen vielleicht eine zusätzliche Erklärung.“

Kommentare (114)

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erwachsenenfreude

20.04.2013, 10:36 Uhr

BAYERB präsident

ein würdiger vertreter unsrer selbsternannten E L I T E, immer schnell dabei den kleinen leuten bescheidenheit zu predigen u8nd auf seinen gesunden menschenverstand zu verweisen

kann so ein vogel übehaupt SCHAM empfinden.

wie blöde und habgierig muß ein selbsternannter menschenfreund und gewerkschaftshasser sein,um mindestens zwei amnestien verstreichen zu lassen

bei über ner million ab in den knast.mal kucken ,obs in bayern hoeneßprivilegien gibt

die herkunft des geldes ist ooch interessant.schwarprovision bei spielervermittlung am verein vorbei.

woblschorsch

20.04.2013, 10:52 Uhr

Jaja, unser Financial Fair Play Würschtle Uli... :)

Er sollte jetzt besser mal den Ball flach halten was seine
Aussagen über die Finanzen anderer (Vereine) betriff.

Der-Ehrliche-ist-der-Dumme

20.04.2013, 10:58 Uhr

Zitat aus dem Artikel:

"Der Bayern-Präsident erklärte laut „Focus“ ferner, er habe die „Angelegenheit ursprünglich“ über das Deutsch-Schweizer Steuerabkommen regeln wollen, das „dann bekanntlich Mitte Dezember 2012 nicht zustande gekommen“ sei."

Großer Dank an rot-grün. Die Legalisierung von Steuerbetrug ist somit gescheitert. So wie H. werden viele gedacht haben sie kämen mit einem blauen Auge davon.

Bleibt zu hoffen, dass mit aller Konsequenz weiter ermittelt wird und ein Richterspruch mit voller Härte gefällt wird. Steuerhinterzieher müssen endlich ins Gefängnis! Dies sollte endlich gesetzlich geregelt werden und bereits ab 50.000 Euro Steuerhinterziehung mit einer Vorstrafe und mindestens 9 Monate ohne Bewährung bestraft werden. Wer eine Million hinterzieht sollte dann schon mindestens 2 Jahre bekommen.

Der Ehrliche ist sonst mal wieder der Dumme!

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