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07.06.2017

00:24 Uhr

Nach Sexismus-Ermittlungen

Fahrdienstservice Uber entlässt 20 Mitarbeiter

VonBritta Weddeling

Uber-Chef Travis Kalanick hat nach der Ermittlung zu Sexismus-Vorwürfen 20 Mitarbeiter rausgeworfen. Ausgestanden ist die Krise damit für den Fahrdienstvermittler allerdings lange nicht.

Nach Ermittlungen hat der Fahrservice Uber laut einem Bericht 20 Mitarbeiter entlassen. AP

Uber

Nach Ermittlungen hat der Fahrservice Uber laut einem Bericht 20 Mitarbeiter entlassen.

San FranciscoIn Silicon Valley ist der Vorgang beispiellos. Mehr als 20 Mitarbeiter hat der Fahrservice Uber nach den internen Sexismus-Vorwürfen entlassen, berichtet der Finanzservice „Bloomberg”. Laut Anwalt Bobbie Wilson von der Kanzlei Perkins Coie, die die Untersuchung durchgeführt hatte, habe sein Team insgesamt 215 Beschwerden bei der Personalabteilung untersucht, darunter Hinweise zu Diskriminierung, sexueller Belästigung und Mobbing.

In 100 Fällen hätten sich die Vorwürfe bislang nicht erhärtet, so Wilson, 31 Angestellte seien zu Beratung oder Training verdonnert worden, sieben erhielten eine Verwarnung. Die Namen der 20 gefeuerten Mitarbeiter wurden nicht bekannt gegeben. Eine Anfrage des Handelsblatts an Uber blieb zunächst unkommentiert.

Die Recherche-Ergebnisse von Perkins Coie könnten für Firmenchef Travis Kalanick lediglich der Auftakt zu noch größerem Ärger sein. Die Ermittlungen der Kanzlei sind nur eine von zwei großen Untersuchungen, deren Ergebnisse mit Spannung erwartet werden. Sie gehen den Vorwürfen von Ubers Ex-Mitarbeiterin Susan Fowler nach, die in einem Blog-Post Ende Februar geklagt hatte, bei Uber sei Sexismus gegenwärtig.

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Riesige Verluste, Sexismusklagen und Topmanager, die gehen: Uber steckt in seiner schwersten Krise. Und Firmenchef Travis Kalanick fehlt ein Plan, die Firma neu aufzustellen. Er droht die Kontrolle zu verlieren.

Die Veröffentlichung des weitaus größeren Reports des ehemaligen US-Generalstaatsanwalts Eric Holder steht hingegen noch aus. Der Jurist hatte in den vergangenen Wochen umfangreiche Gespräche mit Uber-Mitarbeitern und ehemaligen Angestellten geführt und die Ergebnisse vergangene Woche dem Aufsichtsrat des Fahrdienstvermittlers vorgelegt. Die Uber-Belegschaft sollte zunächst Anfang dieser Woche über die Resultate informiert werden. Nach dem tragischen Tod von Kalanicks Mutter bei einem Bootsunfall hat das Management dies nun offenbar verschoben.

Was Personalthemen bei Uber angeht, wird es inzwischen schwer, den Überblick zu behalten. Mehr als zwölf hochrangige Manager verließen das Start-up allein seit Jahresanfang, darunter Ubers Präsident Jeff Jones, der nach sechs Monaten entnervt hinwarf, oder Finanzchef Gautam Gupta, der das Unternehmen vergangene Woche verließ, nachdem das Start-up Verluste in Höhe von 708 Millionen Dollar vermeldete.

Hinzu kam der Rauswurf von Anthony Levandowski. Der Ex-Chef von Ubers Einheit mit den selbstfahrenden Autos muss sich gegen Diebstahl-Vorwürfe von Ubers frühem Investor Google wehren.

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Die gute Nachricht für Uber: Der Fahrdienstvermittler reduziert seine Verluste deutlich. Doch noch immer verbrennt das umstrittene Start-up über 700 Millionen Dollar im Quartal. Und ein weiterer Top-Manager steigt aus.

Seit Monaten kämpft Kalanick gegen eine Niederlage nach der nächsten. Er hat Fehler eingestanden und öffentlich gelobt, sich als Chef „fundamental“ ändern zu wollen. Er sucht nach einem Manager, der ihn bei seiner Arbeit unterstützt. Am Montag gab Uber bekannt, dass Frances Frei, Professorin an der Harvard Business School, Kalanick künftig bei Führungs- und Strategiefragen des Start-ups unterstützen wird.

Die Apple-Managerin Bozoma Saint John, beim iPhone-Hersteller zuständig für das Marketing von iTunes und Apple Music, wechselt ebenfalls zu Uber. Sie soll sich als Chief Brand Officer um das Image der Firma kümmern. Ihre Spezialität sei Marketing, erklärte Saint John dem Tech-Blog „Recode“ zu ihrer neuen Rolle. Doch das könne sich ändern. „Das Geschäft wird weiter wachsen und sich verändern und vielleicht wird der Bedarf an Marketing und Markenkommunikation in sechs Monaten anders sein.“

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