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09.12.2013

16:02 Uhr

Nach Skandalen

Deutsche Bank verpflichtet McKinsey-Kontrolleur

Die Deutsche Bank stellt einen Sonderbeauftragten ein: Thomas Poppensieker wechselt von der Strategieberatung McKinsey als Kontrolleur zum Bankinstitut. Mit Poppensieker sollen Skandale künftig ausbleiben.

Thomas Poppensieker wechselt von der Unternehmensberatung McKinsey ins Controlling bei der Deutschen Bank. PR

Thomas Poppensieker wechselt von der Unternehmensberatung McKinsey ins Controlling bei der Deutschen Bank.

FrankfurtNach zahlreichen Skandalen soll jetzt ein Sonderbeauftragter bei der Deutschen Bank für Ordnung sorgen. Thomas Poppensieker, der bisher für die Unternehmensberatung McKinsey arbeitet, werde die neu geschaffene Kontrolleurs-Position Anfang nächsten Jahres übernehmen, teilte Deutschlands größtes Geldhaus am Montag mit. Der 43-Jährige soll die verschiedenen Kontroll-Abteilungen der Bank koordinieren und einheitliche Standards durchsetzen. Poppensieker soll dabei unter anderem ein Auge auf das Risikomanagement haben und dafür sorgen, dass die Regeln für gute Unternehmensführung ("Compliance") eingehalten werden.

Poppensieker sitzt nicht im Vorstand und im erweiterten Führungsgremium des Instituts, ist den Bankchefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain als Sonderbeauftragter aber direkt unterstellt. Die Bank, die weltweit in zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist, hat sich vorgenommen, ihre Kontrollsysteme zu stärken. Poppensieker sei ein "anerkannter Experte mit fundierter Erfahrung im Bereich Risikomanagement und Regulierung" und werde das Geldhaus dabei unterstützen, erklärten Jain und Fitschen.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Poppensieker, der in Bayreuth Wirtschaftswissenschaften studiert und an der Universität Köln im Bereich Finanzen promoviert hat, hilft Finanzinstituten seit Jahren bei Risikomanagement- und Kontrollprojekten. Zudem ist er Mitglied im Vorstand des Frankfurter Instituts für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) und beriet die Europäische Kommission bei der Einführung von strengeren Regeln für die Finanzbranche.

Die Deutsche Bank steht wegen einer Reihe von Unregelmäßigkeiten im Visier von Ermittlungsbehörden. Erst in der vergangenen Woche brummte die EU-Kommission dem Institut im Skandal um Zinsmanipulationen eine Rekordstrafe von 725 Millionen Euro auf. In zahlreichen anderen Fällen laufen noch Ermittlungen, milliardenschwere Strafen drohen.

Von

rtr

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