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18.04.2013

06:41 Uhr

Nach Teldafax-Pleite

Millionenklage gegen Bayer Leverkusen

ExklusivDer Fußballclub des Bayer-Konzerns lockte noch Kunden zu Teldafax, als der Stromanbieter längst marode war. Bayer Leverkusen kassierte Millionen, Teldafax' Gläubiger fühlen sich geprellt.

Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, zankt sich mit den Gläubigern des Ex-Hauptsponsors. dpa

Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, zankt sich mit den Gläubigern des Ex-Hauptsponsors.

DüsseldorfBayer 04 Leverkusen wird mitten im Saisonendspurt von einer millionenschweren Klage getroffen. Der Insolvenzverwalter des einstigen Billigstromanbieters Teldafax, Biner Bähr, verlangt von dem Fußballbundesligisten Sponsorengelder in Höhe von 16 Millionen Euro zurück – plus Zinsen. Weil Bayer nicht zahlen will, hat Bähr nun eine Klage beim Landgericht Köln eingereicht, wie das Handelsblatt aus Kreisen des Gläubigerausschusses von Teldafax erfuhr.

Teldafax war von 2007 bis 2011 Trikotsponsor des Bundesligisten. Der Vertrag wurde erst wenige Tage vor dem Zusammenbruch des damals größten unabhängigen Energieanbieters gelöst. Die 16 Millionen Euro flossen zwischen 2009 und 2011, einem Zeitraum in dem Teldafax nach Erkenntnissen des Insolvenzverwalters längst hoffnungslos überschuldet war und die Insolvenz verschleppte. Das Teldafax-Management ist inzwischen wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen Betrugs und Bankrotthandlungen angeklagt.

Die mutmaßliche Gesetzlosigkeit der Teldafax-Führung war laut Gesetz keine Entschuldigung für Bayer 04 Leverkusen, einfach weiter die Hand aufzuhalten. „Entscheidend ist immer, wann ein Geschäftspartner von der Schieflage des Gegenübers weiß“, sagt der Insolvenzrechtsexperte Alexander Busch von der Kanzlei Callsen & Thürk in Flensburg. „Alles Geld, was danach fließt, muss ein Insolvenzverwalter bis auf wenige Ausnahmen zurückholen. Dazu ist er den Gläubigern verpflichtet.“

Chronologie Teldafax & Bayer 04

August 2007

Die Partnerschaft zwischen Teldafax und Bayer 04 Leverkusen beginnt. Teldafax zahlt Leverkusen durchschnittlich rund sechs Millionen Euro pro Saison. Geschäftsführer Holzhäuser sagt: „Wir haben eine junge und ausbaufähige Mannschaft und Teldafax ist ein aufstrebendes Unternehmen mit einem pfiffigen Geschäftsmodell in einem modernen Marktsegment. Dies verbindet uns.“

April 2009

Teldafax verlängert den Sponsoringvertrag mit Bayer Leverkusen, der noch bis zum 30. Juni 2010 läuft, vorzeitig um drei weitere Jahre.

September 2009

Teldafax beauftragt die Rechtanwaltskanzlei Görg mit der Erstellung eines „Unternehmensstatus unter insolvenzrechtlichen Aspekten.“ Die Kanzlei Görg empfiehlt dem Teldafax-Vorstand, „im Moment – da die Insolvenzreife des Konzerns – mit hoher Wahrscheinlichkeit (ggf. schon länger) gegeben ist, alle Zahlungen zu stoppen, es sei denn, die Nichtzahlung würde zu einem sofortigen Zusammenbruch des Geschäftsbetriebs führen. Leisten Sie dennoch Zahlungen an einzelne Gläubiger in Kenntnis der Insolvenzreife, machen Sie sich als Vorstand/Geschäftsführer schadenersatzpflichtig.“

Herbst 2009

17. September 2009

Eine Teldafax-Delegation um Marketing-Chefin Claudia Nowak besucht Bayer 04 Leverkusen und erklärt Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, dass Teldafax seine Sponsoringraten nicht zahlen kann. Teldafax bittet um eine Stundung.

12. Oktober 2009

Rechtsanwaltskanzlei Görg schreibt einen letzten Brief an den Teldafax-Vorstand: „Sofern Sie noch bei einer eventuellen Antragsstellung gegenüber dem Insolvenzgericht Hilfestellung benötigen, stehen wir hierfür gern zu Verfügung.“

14. Oktober 2009

Bayer 04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser schreibt an Teldafax und beschwert sich, dass die Bedingungen aus der ersten Stundungsvereinbarung von Teldafax nicht eingehalten wurden. Er fordert die Zahlung der vereinbarten Sponsoringraten. Teldafax zahlt. Außerdem wird vereinbart, dass Bayer kündigen kann, wenn Teldafax künftig in Verzug gerät. Teldafax muss dann laut Ergänzungsvertrag 6,4 Millionen Euro Vertragsstrafe zahlen.

Juli 2010

1. Juli 2010

Teldafax kann die Halbjahresrate in Höhe von 3,9 Millionen Euro für das Sponsoring von Bayer 04 Leverkusen für die Hinrunde der Fußball-Bundesliga 2010/2011 nicht zahlen.

17. Juli 2010

Teldafax und Bayer 04 Leverkusen schließen eine erneute Stundungsvereinbarung. Teldafax darf die Forderungen des Fußballligisten monatlich abstottern.

Herbst 2010

20. Oktober 2010

Das Handelsblatt berichtet, dass Teldafax einem Schneeballsystem gleiche und von einem verurteilten Anlagebetrüger aus dem Gefängnis heraus gesteuert wird.

21. Oktober 2010

Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser lobt Teldafax für die gute Zusammenarbeit mit Bayer und betont, Bayer wolle bis 2013 Partner von Teldafax bleiben. Rudi Völler sagt: „Teldafax bleibt auf unserer Brust!“

29. November 2010

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf leitet ein Ermittlungsverfahren gegen Führungskräfte von Teldafax ein.

Frühjahr 2011

10. März 2011

Wolfgang Holzhäuser schreibt einen Brief an die neuen Teldafax-Gesellschafter Sigma Citation Strategies und CPA Invest, in dem er auf eine Klausel im Vertrag mit Teldafax hinweist. Bei einem Eigentümerwechsel habe Bayer 04 Leverkusen nämlich die Option, aus dem Vertrag auszusteigen. Außerdem werde die noch ausstehende Sponsoringsumme von 1,6 Millionen Euro für die Saison 2010/11 sofort fällig.

12. April 2011

Das Hauptzollamt Köln entzieht Teldafax die Erlaubnis zur Leistung als Stromversorger.

14. Juni 2011

Teldafax stellt einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bonn.

April 2013

Bayer Leverkusen weigert sich seit eineinhalb Jahren, die kassierten Millionen zurückzuzahlen. Der Teldafax-Insolvenzverwalter Biner Bähr reicht deshalb beim Landgericht Köln eine Klage über 16 Millionen Euro plus Zinsen ein.

Wie aus dem Handelsblatt vorliegenden Schreiben hervorgeht, wussten die Bayer-Verantwortlichen von der Schieflage von Teldafax, kassierten aber weiter. So bezieht sich Bayer 04-Geschäftsführer Holzhäuser in einem Brief vom 14. Oktober 2009 auf ein Gespräch mit Teldafax im Vormonat, in dem „die aktuelle Situation von Teldafax“ erläutert worden sei. Konkret: Teldafax erklärte, dass der Stromanbieter die Sponsoring-Millionen an Bayer nicht zahlen konnte. „Im Gespräch baten Sie um eine weitere Stundung“ schrieb Holzhäuser. „Da die erste Stundungsvereinbarung ... nicht eingehalten wurde, sehen wir keine Veranlassung, eine weitere Stundung zu gewähren.“ Bayer bekam sein Geld.

Bewertung der Trikotsponsoren 2012/2013

Bayern München

Sponsor: Deutsche Telekom
Investitionssumme: 23 Millionen Euro
Laufzeit: bis 2013

VfL Wolfsburg

Sponsor: Volkswagen
Investitionssumme: mindestens 20 Millionen Euro
Laufzeit: unbefristet

Schalke 04

Sponsor: Gazprom
Investitionssumme: bis zu 18 Millionen Euro
Laufzeit: 2017

Borussia Dortmund

Sponsor: Evonik
Investitionssumme: bis zu 15 Millionen Euro
Laufzeit: 2013

Hamburger SV

Sponsor: Emirates
Investitionssumme: bis zu 8,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2015

Werder Bremen

Sponsor: Wiesenhof
Investitionssumme: 6 Millionen Euro
Laufzeit: 2014

Werder Bremen sind durch Vermarkter Infront für die Trikotwerbung acht Millionen garantiert.

VfB Stuttgart

Sponsor: Mercedes Bank
Investitionssumme: 6 Millionen Euro
Laufzeit: 2014

Bayer Leverkusen

Sponsor: Sunpower
Investitionssumme: 6 Millionen Euro
Laufzeit: 2016

Eintracht Frankfurt

Sponsor: Krombacher
Investitionssumme: 5,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2018

Der Vertrag von Eintracht Frankfurt mit Krombacher läuft zwar bis 2018. Nach einem Jahr als Trikotsponsor wird die Brauerei ab dem zweiten Vertragsjahr aber zum Premiumsponsor.

1899 Hoffenheim

Sponsor: Suntech
Investitionssumme: 4,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2014

Borussia Mönchengladbach

Sponsor: Postbank
Investitionssumme: 4,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2013

Hannover 96

Sponsor: Tui
Investitionssumme: 4 Millionen Euro
Laufzeit: 2014

FSV Mainz 05

Sponsor: Entega
Investitionssumme: 4 Millionen Euro
Laufzeit: 2017

1.FC Nürnberg

Sponsor: NKD
Investitionssumme: 3,5 bis 4 Millionen Euro
Laufzeit: 2016

Fortuna Düsseldorf

Sponsor: o.tel.o
Investitionssumme: 2,8 Millionen Euro
Laufzeit: 2013

SC Freiburg

Sponsor: Ehrmann
Investitionssumme: 2,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2014

SpVgg Greuther Fürth

Sponsor: Ergo Versicherungen
Investitionssumme: 2,2 Millionen Euro
Laufzeit: 2018

FC Augsburg

Sponsor: Al-Ko
Investitionssumme: 1,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2013

Insolvenzverwalter Bähr wollte sich zu der Klage nicht äußern. Bayer 04 Leverkusen teilte auf Anfrage mit, dem Fußballklub liege die Klage noch nicht vor. Vorher werde man sie nicht kommentieren. Für den Fußball-Verein wäre eine Rückzahlung schmerzhaft. Bayer 04 ist gerade dabei, sich wieder im Spitzenfeld der Bundesliga zu platzieren. Der Etat betrug zuletzt 43 Millionen Euro.

Andere Parteien haben bereits Bährs Forderungen – zumindest zum Teil - akzeptiert. Das Hauptzollamt Köln etwa zahlte bereits 25 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter. Es hatte nachweislich schon im Sommer 2009 von der Schieflage von Teldafax, aber trotzdem weiter Energiesteuern vereinnahmt.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

18.04.2013, 07:54 Uhr

Wer könnte denn aktuell nach TelDaFax und FlexStrom der Nächste Versorger sein, der nach dem gleichen Prinzip ein Schneeballsystem aufgebaut hat? Gibt es da schon Erkenntnisse? Meistens sind es ja Unternehmen, die z.B. bei Verivox, Check24 oder sonstwo immer die vorderen Plätze einnehmen.

MisterP

18.04.2013, 08:20 Uhr

Da ich selbst bei TelDaFax betroffen bin kann ich nur sagen, nie Verträge mit Kaution oder jährliche Vorauszahlung machen. Bei monatlichen Abschlägen wäre es nicht wirklich schmerzhaft wenn der Versorger pleite geht.

Meine Forderungen Kaution plus ein paar Euro für den letzen Monat Strom belaufen sich auf ca. 220 €. Da die Forderung bereits vor der Insolvenz bestand bin ich guter Hoffnung weit vorne zu stehen.

Mein Tipp: Nie Kaution oder längere Vorauszahlungen machen, das lohnt sich nicht.

UAS

18.04.2013, 08:58 Uhr

Meines Erachtens sollte höchste Vorsicht geboten sein bei ExtraEnergie, Stromio, almado-ENERGY !!!

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