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24.03.2012

16:44 Uhr

Nach Wulff-Affäre

Unternehmen prüfen Polit-Sponsoring

VonDieter Fockenbrock, Markus Hennes

Nach der Affäre um Christian Wulff unterstützen Unternehmen immer seltener politische Veranstaltungen. Einige tun das heimlich - andere, wie die Deutsche Bahn, stehen offen dazu.

„Wir wollen aussteigen“ - mit den Worten kündigte Bahn-Chef Rüdiger Grube den Ausstieg des Staatskonzernz aus dem Polit-Sponsoring an. dapd

„Wir wollen aussteigen“ - mit den Worten kündigte Bahn-Chef Rüdiger Grube den Ausstieg des Staatskonzernz aus dem Polit-Sponsoring an.

DüsseldorfDie Affäre um den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff kam Rüdiger Grube gerade recht, um eine Altlast seiner Vorgänger abzuwerfen. Per Interview kündigte der Bahn-Chef vor wenigen Tagen den Ausstieg des Staatskonzerns aus dem Polit-Sponsoring an. Dabei war er wohl etwas voreilig. Denn das gesprochene Wort in dem Video-Interview der Leipziger Volkszeitung „Wir werden aussteigen“ ließ sich nicht mehr einfangen.

Was genau die Bahn nicht mehr finanziell unterstützt, ist allerdings offen. Einen Leitfaden dafür gibt es noch nicht. Offiziell will die Bahn das Thema nicht kommentieren. Es gebe keinen weiteren Erklärungsbedarf, sagte ein Sprecher. Von wegen. Die Frage, welche Veranstaltungen künftig ohne Bahn-Unterstützung auskommen müssen, interessiert plötzlich alle Parteien - und viele andere deutsche Großunternehmen, die nach der Wulff-Affäre ihre Zuwendungen an die Politik hinterfragen.

Das Thema ist heikel. „Es herrscht heutzutage eine andere Sensibilität“, sagt Frank Behrendt, Vorstand der PR-Beratung Fischer-Appelt. Auch wenn es viele Unternehmen nicht an die große Glocke hängen: „Wir erleben es immer häufiger, dass Unternehmen ihre Engagements im politischen Sponsoring zurückfahren wollen.“

Die Firmen befürchten vor allem eine negative Berichterstattung, wenn Leistung und Gegenleistung beim Polit-Sponsoring in keinem angemessenen Verhältnis stehen. Zudem verbieten die Compliance-Richtlinien - die internen Verhaltensregeln der Unternehmen - oft Zuwendungen an die Politik.

So gibt es beim Düsseldorfer Henkel-Konzern eine Richtlinie zum Thema Spenden, Sponsoring und Mitgliedschaften. „Die Unterstützung von politischen Parteien oder anderen politischen Zwecken ist darin ausgeschlossen“, teilte ein Sprecher mit.

Kommentare (5)

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Argusauge

24.03.2012, 17:06 Uhr

Polit-Sponsoring ist gleichzusetzen mit Korruption! Kein Unternehmen würde als Sponsor auftreten, wenn es sich nachteilig auswirken würde. Und da es sich wohl positiv auswirkt, geht es wohl zu Lasten der Gesellschaft und zum Vorteil der Unternehmen. Genauso wie Kirche und Staat getrennt gehören, gehören auch Politik und Wirtschaft getrennt.

Malocher

24.03.2012, 21:10 Uhr

Von der Finanzlobby werden jedes Jahr tausendfach Politiker zu "Vorträgen" eingeladen und als "Berater" beauftragt.
Überprüft das auch mal jemand (rethorische Frage)?
Dabei geht es um Beträge im hohen zweistelligen Millionenbereich, da ist Wulff peanuts dagegen: der hat nur gekleckert, andere Politiker klotzen!

RobertSchumansErben

25.03.2012, 11:45 Uhr

Sehen wir uns das rotierende Kartell der Vorstandsvorsitzenden näher an, stellen wir gemeinsam fesst, die Rochaden hören nie auf, es sei denn, die Parteibücher werden eingezogen.

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