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27.08.2013

15:02 Uhr

Nachfolger für Platzeck

Bretschneider wird Aufsichtsrat des Pannenflughafens

ExklusivBrandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider soll Matthias Platzeck als Aufseher des Hauptstadtflughafens beerben. Wer nach dem gesundheitsbedingten Rückzug Aufsichtsratschef wird, bleibt weiterhin unklar.

Der Flughafen-Chef und sein neue Aufseher: Hartmut Mehdorn (r.) begrüßt das designierte Aufsichtsratsmitglied Rainer Bretschneider. dpa

Der Flughafen-Chef und sein neue Aufseher: Hartmut Mehdorn (r.) begrüßt das designierte Aufsichtsratsmitglied Rainer Bretschneider.

BerlinBrandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider soll am Freitag in den Aufsichtsrat des Berliner Flughafens BER gewählt werden. Nach Informationen des Handelsblatts hat die brandenburgische Landesregierung in Potsdam Bretschneider als vierten Vertreter Brandenburgs für den Aufsichtsrat nominiert. Am Freitag tagt die Gesellschafterversammlung des Flughafens. Anteilseigner des Flughafens sind die Bundesländer Berlin und Brandenburg sowie der Bund.

Nach dem gesundheitsbedingten Rückzug von Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD), der am Mittwoch auch sein Amt als Ministerpräsident von Brandenburg niederlegt, war eine Neubesetzung nötig geworden. Bretschneider soll zunächst jedoch nur einfaches Mitglied des Kontrollgremiums werden. Weitere Vertreter Brandenburgs im Aufsichtsrat sind Wirtschaftsminister Ralf Christoffers, Finanzminister Helmuth Markov und der Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, Wolfgang Krüger.

Fragen und Antworten zum Hauptstadtflughafen

Warum ist es so schwer, den Flughafen in Betrieb zu nehmen?

Die größten Probleme sind ungelöst: Noch haben die Ingenieure die Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Terminals nicht im Griff. Der größte Entrauchungsabschnitt soll nun geteilt werden - in der Hoffnung, das Ungetüm dann beherrschen zu können. Außerdem strömt die Frischluft im Brandfall noch nicht so nach, wie sie sollte, und verwirbelt mit dem Rauch. Hier wird umkonzipiert. Umbauen können die Techniker aber erst, wenn ein anderes Problem gelöst ist: die hoffnungslos überbelegten Kabeltrassen zu entwirren.
Eigentlich wollte Mehdorn schon in diesen Wochen einen Inbetriebnahme-Zeitplan für den gesamten Flughafen nennen, nun hofft er, den in zwei bis drei Monaten liefern zu können. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können“, sagt Mehdorn nach der Blamage um vier geplatzte Starttermine.

Was hat Mehdorn jetzt vor?

Im Nordflügel des Terminals gibt es einen Großteil der Probleme nicht. In dem für Billigflieger gedachten Trakt will Mehdorn im März oder April die ersten Passagiere einchecken lassen. Es wäre ein Start auf Regionalflughafen-Niveau, mit höchstens fünf Starts und fünf Landungen pro Tag - gerade mal ein Prozent der Kapazität des Flughafens.
Mehdorns Kalkül: Der Großteil der Abläufe am Flughafen kann so getestet werden, bevor alle Airlines von Tegel und Schönefeld-Alt zum Neubau umziehen. Für die Gesamteröffnung wird seit längerem das Jahr 2015 genannt. Aber niemand legt sich fest.

Platzeck geht – übernimmt jetzt Wowereit?

Ja. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hört nach einem leichten Schlaganfall auf und gibt auch den Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz ab. Als gewählter Stellvertreter war der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erst einmal eingesprungen. Nun übernimmt er wieder die Spitze im Aufsichtsrat – es gab schließlich keine Konkurrenz.

Seit einem Jahr ist Technikchef Amann auf der Baustelle. Was hat er bewegt?

Der Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen hat sich in Schönefeld eine Mammutaufgabe gestellt: Eine Bestandsaufnahme aller Mängel, um dann planvoll neu durchzustarten. Von der gebrochenen Fliese bis zur defekten Brandschutzklappe kamen Zehntausende Mängel zusammen - für Projekte dieser Größenordnung keine ungewöhnliche Dimension. Mit dieser Akribie bringt Horst Amann aber den ungeduldigen Mehdorn auf die Palme, der dem Ingenieur im Frühjahr vor die Nase gesetzt wurde. Mehdorn nennt die Amann-Zeit „Schockstarre“ und startete sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“. Beide Manager sind heillos zerstritten. Am Freitag brachten sie konkurrierende Konzepte für die Teileröffnung in den Aufsichtsrat.

Wie viel wird der Flughafen am Ende kosten?

Das weiß heute niemand. Bislang gilt die fast ein Jahr alte Zahl von 4,3 Milliarden Euro, doch sie ist nicht zu halten. Denn damals dachten die Verantwortlichen noch, dass in diesem Oktober die ersten Passagiere einchecken. Jeder weitere Monat Verzögerung kostet 34 Millionen Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für den Schallschutz. Die 5-Milliarden-Marke ist also in Sichtweite.

Wer die Nachfolge Platzecks als Vorsitzender des Aufsichtsrats antritt, ist jedoch weiterhin nicht klar. Momentan steht sein Stellvertreter Klaus Wowereit (SPD) dem Gremium vor. Der Regierende Bürgermeister von Berlin war auch Platzecks Vorgänger als Aufsichtsratschef und verzichtete nach den zahlreichen Pannen am Milliarden-Projekt und Kritik an seiner Arbeit auf den Vorsitz.

In der Bundespolitik regt sich Widerstand, dass Wowereit dauerhaft Chefaufseher bleibt und kein Nachfolger gewählt wird. „Wowereits Rückkehr an die Spitze des Aufsichtsrates ist ein Treppenwitz der Geschichte“, sagte der Generalsekretär der FDP, Patrick Döring, Handelsblatt Online Mitte August.

Auch von den Grünen kam Kritik: „Ihm fehlt der Überblick, das Interesse und der Gesprächsfaden zur BER-Spitze“, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter, Handelsblatt Online. „Er garantiert einen weiteren Schlingerkurs des Projektes.“

Von

sk

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