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25.09.2013

11:16 Uhr

Nachfolger gesucht

Eurohypo-Chef tritt ab

Die Hypothekenbank Frankfurt soll abgewickelt werden - und braucht dafür nun einen neuen Chef. Thomas Köntgen verlässt die Immobilientochter der Commerzbank zum Jahresende. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

In die Zentrale der ehemaligen Eurohypo in Eschborn soll bald ein neuer Chef einziehen. dpa

In die Zentrale der ehemaligen Eurohypo in Eschborn soll bald ein neuer Chef einziehen.

FrankfurtDer Chef der Commerzbank -Immobilientochter tritt ab. Vorstandssprecher Thomas Köntgen verlasse die Hypothekenbank Frankfurt - die frühere Eurohypo - zum Ende des Jahres „im bestem gegenseitigem Einvernehmen“, teilte Deutschlands zweitgrößte Bank am Mittwoch mit. Die Commerzbank gibt ihre Immobilienfinanzierung komplett auf und wickelt die Eurohypo ab. Das Institut wollte sich nicht dazu äußern, ob oder wann ein neuer Vorstandssprecher berufen werden soll.

Köntgen zog im Januar 2008 in den Vorstand der Eurohypo ein und ist seit September 2011 Vorstandssprecher. Köntgen habe einen „wertvollen Beitrag zur Stabilität der Bank geleistet und mit dazu beigetragen, dass der unumgängliche Umbau der Hypothekenbank auch auf der Personalseite mit ruhiger Hand und sozialverträglich erfolgen konnte“, sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing. Bei der Hypothekenbank sollen bis Ende 2015 rund 500 Vollzeitstellen wegfallen, das entspricht jeder zweiten Stelle bei der Tochter.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die milliardenschweren Altbestände der Eurohypo sind ein Klotz am Bein der Commerzbank. Sie hatte im vergangenen Jahr überraschend beschlossen, den seit der Finanzkrise verlustreichen Immobilien- und Staatsfinanzierer komplett abzuwickeln, nachdem sich der von der EU ursprünglich geforderte Verkauf des Spezialinstitutes als unmöglich erwiesen hatte. Auch der zeitweise verfolgte Plan, zumindest das gesunde Immobilienfinanzierungsgeschäft in Deutschland, Frankreich, Polen und Großbritannien in abgespeckter Form fortzuführen, wurde letztlich zu den Akten gelegt. Die langlaufenden Kredite würden viel Eigenkapital verschlingen, das die Commerzbank in Zeiten strengerer Regulierung nicht hat. Jetzt liegt die Ex-Eurohypo in der konzerninternen „Bad Bank“.

Von

rtr

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