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17.04.2012

19:29 Uhr

Nachhaltigkeit

Aktionäre fordern von Konzernchefs eine ordentliche Ökobilanz

VonSusanne Bergius

Auch in Deutschland müssen Vorstände und Aufsichtsräte von Aktiengesellschaften auf ihren Hauptversammlungen immer öfter Auskunft zu Umwelt- und Sozialthemen geben.

Infineon hat laut Experten deutliche Defizite bei der Nachhaltigkeit. dapd

Infineon hat laut Experten deutliche Defizite bei der Nachhaltigkeit.

BerlinDie Saison der Hauptversammlungen ist in vollem Gange. Vorstände und Aufsichtsräte von Konzernen wie Siemens, Allianz oder Daimler erläutern die Geschäftsergebnisse und die Entscheidungen, die dazu führten. Aktionäre fragen nach und stimmen ab.

Hierzulande fragen immer noch nur wenige Anteilseigner das Management nach den Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten ihres Wirkens, internationales Kürzel: "ESG". Aber das ändert sich gerade.

"In Deutschland hat Shareholder-Engagement auf Hauptversammlungen kaum etwas mit ESG zu tun", resümiert Professor Henry Schäfer von der Universität Stuttgart. Er hat dazu im vergangenen Jahr eine Studie verfasst.

Tagesordnungen und Medienberichte haben gezeigt: Großaktionäre seien in Sachen ESG kaum aktiv. Allenfalls Kleinaktionäre und Aktionärsvertreter fragten nach, und zwar vor allem nach der Corporate Governance - wenn überhaupt, wird hierzulande das "G" von "ESG" bedient.

Schäfers Analyse erfasst die Realität jedoch nur teilweise. In Deutschland existiert für Hauptversammlungen kein Tagesordnungspunkt "Nachhaltigkeit", der rechts- und abstimmungsrelevant wäre. Das gilt jedoch auch für die Unternehmensstrategie, der das Aktienrecht ebenfalls keinen Tagesordnungspunkt einräumt.

Tatsächlich widmen sich die meisten Redebeiträge bei Hauptversammlungen ESG-Themen, sagen Portfoliomanager wie Ingo Speich von Union Investment: "Union Investment steht mit seinen Redebeiträgen auf den vordersten Rängen, obwohl unsere Beiträge kritisch sind und Nachhaltigkeit im Besonderen thematisieren."

Speich nennt Siemens und Infineon als Beispiele. Infineon habe deutliche Defizite bei Nachhaltigkeit, Speich forderte auf der Hauptversammlung klare Ziele und mehr Transparenz. Bei Siemens mahnte er unter anderem, "Diversity" nicht auf Frauen in Führungsetagen zu verkürzen, sondern kulturelle Vielfalt zum Managementthema zu machen.

"HV-Auftritte sind nur die Speerspitze, um Themen voranzubringen, insbesondere um Gehör bei Aufsichtsräten zu finden", sagt Speich. "Sie ergänzen den regelmäßigen konstruktiven Unternehmensdialog mit dem Management." Von den jährlich rund 4000 direkten Firmendialogen, die Union Investment führt, widmen sich 250 Nachhaltigkeitsthemen.

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