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15.01.2004

07:07 Uhr

Nachwuchs des Parmalat-Gründers wird befragt

Stefano und Francesca allein zu Haus

VonMarcello Berni (Handelsblatt)

Vor drei Monaten schrieb die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ in ironischer Anspielung an die tief katholischen Wurzeln der Familie Tanzi: „Heute sitzt er zur Rechten des Vaters. Morgen wird Stefano der Boss von Parmalat sein.“

Stefano Tanzi

Stefano Tanzi

MAILAND. Manchmal liest sich etwas so schön – und entpuppt sich doch als Fehleinschätzung... Oder er sitzt auf der Straße.

Denn der Nahrungsmittelriese ist durch Betrug unter einem Berg von zehn Milliarden Euro Schulden zusammengebrochen. Von seinem Posten als Chef des Fußballclubs AC Parma ist der Sohn von Calisto Tanzi gestern bereits zurückgetreten. Und statt im bequemen Chefsessel wird der 35-Jährige bald Platz nehmen auf den harten Stühlen in den Räumen der Staatsanwaltschaft. In den kommenden Wochen wird dem Kronprinz ohne Kleider eine Vorladung zugesendet, schon in dieser Woche wollen sich die Ermittler seine um ein Jahr ältere Schwester Francesca vorknöpfen.

Die Staatsanwaltschaft interessiert zwei Aspekte. Erstens: Was wussten die beiden Kinder über die Betrügereien des Vaters? Zweitens: Waren Stefano und Francesca als Manager des Konzerns mitverantwortlich für den Zusammenbruch von Parmalat?

Der diplomierte Betriebswirt Stefano saß ab 1997 im Verwaltungsrat des Milchproduzenten. Im Jahr 2000 wurde er vom Papa zum Vertriebsdirektor befördert und nahm teil an den Sitzungen des zentralen Führungskreises. „Er spricht besser Englisch als ich. Sein Beitrag wird für uns sehr nützlich sein“ – so soll Calisto Tanzi den kometenhaften Aufstieg des Sohnes vor dem Top- Management begründet haben.

Zudem schenkte der Vater seinem verheirateten Sohn 1996 den konzerneigenen Fußballclub AC Parma. Man sagt, um dem schüchternen Jungen mit den blauen Augen die für die Geschäftswelt notwendige Kantigkeit zu verpassen. Derzeit liegt das Team auf Platz fünf, die Qualifikation für die Champions League ist machbar.

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