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21.05.2017

17:55 Uhr

Nebensaison war gestern

Wie Camping das Billigheimer-Image abstreift

Der Campingplatz-Urlaub hat sein Billigheimer-Image abgestreift. Komfortable Wohnwagen erobern die Plätze und bringen mehr zahlungskräftige Kunden. Das könnte der Branche hierzulande zu einem neuen Rekordjahr verhelfen.

Die Urlaubsform befindet sich weiter auf dem Vormarsch. dpa

Camping

Die Urlaubsform befindet sich weiter auf dem Vormarsch.

München/BerlinBeim Camping in der Natur die Seele baumeln lassen – noch nie war diese Urlaubsform in Deutschland so gefragt wie heute. Vor allem mit Beginn der warmen Jahreszeit zieht es die Menschen für ein paar Tage auf einen der rund 3000 Campingplätze in Deutschland, Tendenz steigend. Aber auch von kühlem Regenwetter lassen sich Camper heute kaum noch abschrecken, schließlich besitzen immer mehr ein komfortables Wohnmobil oder residieren im Luxus-Wohnwagen – und sind damit für alle Wetterkapriolen gerüstet.

Auch deshalb bleibt die Branche nach mehreren Rekordjahren in Folge für 2017 optimistisch, wie der Präsident des Bundesverbandes der Campingwirtschaft in Deutschland, Gunter Riechey, sagt. Die zahlungskräftige Kundschaft mit Caravans und Reisemobilen macht mittlerweile rund 80 Prozent der touristischen Gäste aus – und das, obwohl diese Urlaubsform inklusive Anschaffungskosten und Platzmiete nicht gerade als günstig gilt.

Die Wohnmobiltypen im Überblick

Wohnkabine

Die Wohnkabine ist der Wohnwagen unter den Wohnmobilen. Als Wohnkabine werden Aufbauten bezeichnet, die auf die Ladefläche eines Pickup oder Transporter gesetzt werden können. Dadurch, dass keine dauerhafte Verbindung besteht, kann das Fahrzeug im Alltag normal genutzt werden. Auch bei Urlaubsreisen hat man den Vorteil, dass die Wohnkabine auf dem Campingplatz verbleibt, während die Ausflugs- und Einkaufsfahrten mit dem Auto erledigt werden. Die hohe Geländegängigkeit des Basisfahrzeugs bietet zudem einen Vorteil in unwegsamem Gelände.
Besonders geeignet für: Paare oder Familien mit Kindern, die im Zelt schlafen; Camping in nordischen Ländern. Quelle: Erento

Campingbus

Den ersten Campingbus gab es in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Er entstand auf der Basis des VW Bus T1. Der Campingbus ist das kleinste Wohnmobil und entspricht einem serienmäßigen Kastenwagen vom Typ Transporter oder Sprinter. Die bekanntesten Campingbusse sind die VW T-Reihe, Mercedes Vito oder Ford Transit. Sie punkten durch eine bessere Alltagstauglichkeit, sind dafür aber beengter.
Besonders geeignet für: Paare oder enge Freunde, Familien mit größeren Kindern die im Zelt schlafen.

Alkoven

Als Alkoven bezeichnet man Wohnmobile, bei denen die Schlafkabine über dem Fahrerhaus liegt. Bei Alkovenfahrzeugen wird der Raum optimal genutzt; die Gesamtgröße des Fahrzeugs und der Preis bleiben dabei aber überschaubar. Besonders ideal sind Alkovenmobile für Camping in kühleren Gegenden, da sich die Fahrerkabine vom Wohnraum abtrennen lässt und so keine Kältebrücke entsteht.
Geeignet für: Familien und größere Gruppen; Camping in nordischen Ländern oder im Winter.

Teilintegrierte Wohnmobile

Hier wird ein serienmäßiges Fahrerhaus mit dem Wohnbereich verbunden. Die Sitze aus dem Fahrerhaus können umgedreht werden und dienen so als zusätzliche Sitzmöglichkeiten. Der Platz reicht meist für bis zu vier Personen. Auch das teilintegrierte Wohnmobil bietet den Vorteil einer optimalen Raumnutzung bei geringeren Anschaffungskosten (selbiges gilt natürlich auch für die Miete). Der große Nachteil ist die schlechte Wärmedämmung durch die nicht abtrennbare Fahrerkabine
Geeignet für: Familien und Freunde; Camping ins südlichen Ländern.

Vollintegrierte Wohnmobile

Die vollintegrierten Wohnmobile sind die Königsklasse unter den Wohnmobilen und bieten einen nahtlosen Übergang vom Fahrerhaus in den Wohnbereich. So entsteht durch eine optimale Platzausbeute maximaler Komfort.
Geeignet für: lange Urlaubsreisen.

30,4 Millionen Übernachtungen und 9 Millionen Gästeankünfte registrierte der Bundesverband im vergangenen Jahr – je rund vier Prozent mehr als 2015. Beliebtestes Ziel der Camper blieb Bayern mit 5,2 Millionen Übernachtungen auf Campingplätzen, dicht gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit knapp 5 Millionen Übernachtungen und Niedersachsen mit 4,4 Millionen Übernachtungen. Getragen wird der Boom vor allem von inländischen Gästen, die im vergangenen Jahr abermals mehr Übernachtungen auf den deutschen Plätzen buchten.

Auch Erwin Oberascher, Geschäftsführer des Internetportals camping.info, sieht für die aktuelle Saison einen anhaltenden Aufwärtstrend. Die Zugriffe auf das Portal hätten in den ersten vier Monaten im Jahresvergleich um 15 Prozent zugelegt. Immer häufiger komme es vor, dass Campingplätze auch außerhalb der Saison ausgebucht seien. Auch hier dürfte der Boom bei Reisemobilen eine Rolle spielen. „In manchen Regionen gilt Pfingsten bereits als Hauptsaison, davon hätte vor zehn Jahren niemand zu träumen gewagt“, sagt Oberascher.

Aber auch das Zelten erlebt mit dem wachsenden Angebot hochwertiger Ausrüstung eine Renaissance. Gerade für junge Familien sei das eine Möglichkeit, für wenig Geld ins Camping einzusteigen, sagt Riechey. Zumal die deutschen Campingplätze europaweit noch immer zu den günstigsten zählen, wie Riechey sagt. Dabei hätten schon viele Betreiber stark in ihre Plätze investiert. WLAN und Lounge-Aufenthaltsbereiche gehören bei vielen ebenso zur Grundausstattung wie moderne Sanitärhäuser.

Nachholbedarf gebe es aber noch bei alternativen Übernachtungsformen wie Mobilheimen oder Blockhütten. Hier hätten Plätze in den Niederlanden und in Südeuropa noch immer die Nase deutlich vorn, sagt Riechey. „Bei uns gibt es dafür baurechtliche Einschränkungen.“ Der Verband hat deshalb eine eigene Musterverordnung für Camping- und Wochenendplätze erarbeitet und will diese in die politischen Prozesse einbringen.

Von

dpa

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