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12.03.2014

16:35 Uhr

Netzbetreiber 50Hertz

Ökostrom-Umlage könnte 2015 sinken

Seit Jahren kennt die Ökostrom-Umlage nur eine Richtung: steil nach oben – zuletzt auf ein Rekordhoch von über sechs Cent pro Kilowattstunde. Nun macht Netzbetreiber 50Hertz Hoffnung auf Besserung.

Photovoltaik-Panelen und Windkraftanlagen: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will mit einer Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) die Förderkosten für neue Ökostrom-Anlagen deutlich drücken. dpa

Photovoltaik-Panelen und Windkraftanlagen: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will mit einer Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) die Förderkosten für neue Ökostrom-Anlagen deutlich drücken.

BerlinDie von den Bürgern bezahlte Umlage für den Ökostrom-Ausbau könnte nach Einschätzung des Netzbetreibers 50Hertz im nächsten Jahr moderat sinken. Eine „leichte Entspannung“ in der Umlage sei möglich, sagte Finanzvorstand Udo Giegerich am Mittwoch in Berlin.

Aktuell zahlen die Bürger für den Ausbau der erneuerbaren Energien über den Strompreis eine Rekordumlage von 6,24 Cent pro Kilowattstunde. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt sind das etwa 220 Euro im Jahr. Die Gesamtkosten für die Förderung der Stromerzeugung aus Sonne, Wind, Wasser und Biogas liegen bei 23,5 Milliarden Euro.

Offen ist, wie stark Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seiner Ökostrom-Reform den Kostenanstieg bremsen kann. Länder und Lobbyisten stemmen sich gegen zusätzliche Belastungen und Einschnitte bei der Förderung etwa von Windenergie und Biomasse.

Ausgewählte Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind

Allgemeines

Insgesamt 1716 Unternehmen sind im Jahr 2013 von der EEG-Umlage ausgenommen. Das enspricht einer begünstigen Strommenge von 95 Terawattstunden – das sind etwa 16 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Alleine 2013 blieben den Firmen rund vier Milliarden Euro an Kosten erspart.
Befreit werden können Unternehmen, die mindestens eine Gigawattastunde Strom im Jahr verbrauchen und deren Stromkostenanteil mehr als 14 Prozent beträgt.

Ausblick

Für 2014 haben 2379 Unternehmen eine Befreiung von der EEG-Umlage beantragt. Das entspricht dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zufolge fast 120 Terawattstunden oder 20 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Allerdings werden etliche Anträge auch abgelehnt.

allfein Feinkost

Der Geflügelverarbeiter gehört zur PHW-Gruppe, dem größten Geflügelzüchter und -verarbeiter Deutschlands. Dort wird unter anderem für Aldi produziert. Drei allfein-Standorte in Lohne, Dannenberg (beide Niedersachsen) und Zerbst (Sachsen-Anhalt) sind von der EEG-Umlage ausgenommen.

Aurubis

Extrem viel Strom wird in der Metallherstellung benötigt. Der Kupferproduzent Aurubis beziffert die Entlastung durch die Befreiung in den vergangenen drei Jahren auf 102 Millionen Euro.

BASF

Zu den energieintensiven Unternehmen in Deutschland zählen viele Chemiebetriebe. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat berechnet, dass ein Ende der EEG-Umlagebefreiung allein im Stammwerk jährliche Mehrkosten von mehr als 300 Millionen Euro bedeuten würde.

Bogestra – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

Ein Kompromiss mit der EU könnte sich darin andeuten, dass die Befreiung für Unternehmen ausgesetzt wird, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen etwa Straßenbahnunternehmen – insgesamt 53 sind in Deutschland befreit. Die volle EEG-Umlage zahlen zu müssen würde die Bogestra jährlich 1,28 Millionen Euro kosten.

Lanxess

Der Kautschuk-Hersteller hat in den vergangenen drei Jahren mehr als 100 Millionen Euro gespart durch die EEG-Befreiung. Eine diskutierte mögliche Nachzahlung dürfte das Unternehmen in die Verlustzone drücken.

Storck

Ein Werk des Süßwarenherstellers („Merci“, „Toffifee“ etc.) in Berlin ist von der EEG-Umlage ausgenommen.

Vion

Die Betriebe des Schweineschlachters Vion sind zum großen Teil von der EEG-Umlage befreit. Die Stromkosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen, um in Frage zu kommen. Gegen Vion wurde etwa in der ZDF-Sendung Frontal der Vorwurf erhoben, durch den Einsatz von Werkverträgen statt Festangestellten unter diese Schwelle zu kommen.

Schwarzwald-Sprudel

Nicht nur Industrieunternehmen sind befreit, auch Lebensmittelbetriebe. Schwarzwald Sprudel gehört der Supermarktkette Edeka.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte zuletzt eine Obergrenze bei der Umlage von acht Cent ins Spiel gebracht. „Bei uns glaubt niemand ernsthaft daran, dass wir die Strompreise sonst halten können“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Bei Erreichen des Deckels solle die Förderung von Neuanlagen komplett eingestellt werden.

Grünen-Chefin Simone Peter sagte dazu der Deutschen Presse-Agentur: „Seehofers Vorstoß ist ein unverhohlener Misstrauensbeweis gegenüber Wirtschaftsminister Gabriel. Offensichtlich traut der Ministerpräsident der Regierung nicht mehr zu, die Energiewende in den Griff zu kriegen.“

Kommentare (3)

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12.03.2014, 13:51 Uhr

Ohne entsprechende Reformen in EEG bzw. ohne Streichung des EEG wird es zu keiner Kostensenkung kommen.
Die Steigerungen der EEG-Umlage ist ja mit dem jetzigen EEG verbunden.
Der Einspeisevorrang und dieser Sachverhalt von subventionierten Einspeisevergütungen der EE-Anlageneinspeiser sind die größten Kostentreiber der EEG-Umlage.
Schafft die Privilegien dieser Erneuerbaren Energien (Einspeisevorrang, 20 Jahres Garantie usw.) über das EEG ab und die Kosten für die EEG-Umlage können dann wirklich in 2015 fallen.

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12.03.2014, 17:24 Uhr

@Marc_Hofmann
Die Steigerungen der EEG-Umlage beruhen auf dem Berechnungsverfahren der Umlage. Sinkt der Börsenpreis für am Spotmarkt gehandelten Strom, so steigt auch die EEG-Umlage. Werden überflüssige Kraftwerke vom Markt genommen oder steigt der Preis für CO2-Zertifikate, dann steigt der Börsenstrompreis und die EEG-Umlage sinkt. Ob zukünftig zusätzliche Onshore-Windkraftanlagen oder PV-Anlagen gebaut werden ist nahezu ohne Einfluss auf die EEG-Umlage. Zusätzlicher Strom aus Offshore-Windkraftanlagen führt jedoch zu einer steigenden Umlage.
Wenn Sie selbst einmal rechnen möchten:
http://www.agora-energiewende.de/service/eeg-rechner/

Account gelöscht!

12.03.2014, 17:24 Uhr

@Marc_Hofmann
Die Steigerungen der EEG-Umlage beruhen auf dem Berechnungsverfahren der Umlage. Sinkt der Börsenpreis für am Spotmarkt gehandelten Strom, so steigt auch die EEG-Umlage. Werden überflüssige Kraftwerke vom Markt genommen oder steigt der Preis für CO2-Zertifikate, dann steigt der Börsenstrompreis und die EEG-Umlage sinkt. Ob zukünftig zusätzliche Onshore-Windkraftanlagen oder PV-Anlagen gebaut werden ist nahezu ohne Einfluss auf die EEG-Umlage. Zusätzlicher Strom aus Offshore-Windkraftanlagen führt jedoch zu einer steigenden Umlage.
Wenn Sie selbst einmal rechnen möchten:
http://www.agora-energiewende.de/service/eeg-rechner/

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