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08.07.2015

15:26 Uhr

Neue ADAC-Krise

Präsident soll Affäre auf Hauptversammlung verschleiert haben

VonFlorian Zerfaß

Nach dem Rücktritt des ADAC-Schatzmeisters Reimer werden auch Vorwürfe gegen Präsident Markl laut. Ein Delegierter der Hauptversammlung wirft ihm Wahlmanipulation vor: „Das ist eine Schweinerei.“

Hätte der ADAC-Präsident einschreiten müssen? dpa

August Markl

Hätte der ADAC-Präsident einschreiten müssen?

DüsseldorfDer heute bekanntgegebene Rücktritt von ADAC-Schatzmeister Klaus-Peter Reimer bringt auch Präsident August Markl in Erklärungsnot. Reimer, zugleich Vorsitzender des Regionalclubs Westfalen und dort Vetternwirtschafts-Vorwürfen ausgesetzt, war erst im Mai dieses Jahres auf der Hauptversammlung des ADAC in Bochum als Schatzmeister wiedergewählt worden.

Zuvor hatte er den Delegierten versichert, die Großkanzlei Freshfields habe in einer Untersuchung alle Vorwürfe gegen ihn ausgeräumt. Das bestätigten mehrere Teilnehmer der WirtschaftsWoche.

Auftraggeber des Gutachtens, das der WirtschaftsWoche vorliegt, ist nach Informationen des Magazins Markl. Der ADAC-Präsident habe Reimers Aussagen auf der Hauptversammlung nicht widersprochen, obwohl in dem Gutachten „Pflichtverletzungen des Vorstands des ADAC Westfalen“ festgestellt werden.

„Das ist eine Schweinerei. Markl hätte einschreiten müssen“, sagte ein Delegierter der WirtschaftsWoche, „für mich ist das Wahlmanipulation.“ Reimer setzte sich bei der Wahl gegen Herausforderer Volker Schwarz aus dem Regionalclub Württemberg durch.

Kern der Vorwürfe gegen Reimer ist, dass er 2014 bei Architektenleistungen für zwei zusammen 14 bis 15 Millionen Euro teure Bauprojekte des Regionalclubs keine Vergleichsangebote eingeholt und die Aufträge einem Schulfreund zugeschanzt hat. Die Freshfields-Juristen schreiben in ihrem Gutachten: „Die Vergabe von Aufträgen in Millionenhöhe ohne ausreichende Vergleichsmöglichkeit bzw. eigenständige Überprüfung stellt einen Verstoß gegen die gebotene Sorgfalt bei der Entscheidungsfindung dar.“

Markl sagte auf Anfrage der WirtschaftsWoche, für ihn bestand „kein Grund auf der Delegiertenversammlung Stellung zu den Ausführungen von Herrn Reimer zu nehmen“, da die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG soll noch überprüfen, ob die millionenschweren Investitionen überhaupt wirtschaftlich sind oder dem ADAC Westfalen sogar Verluste einbringen. Reimer selbst wollte sich wegen der noch laufenden Untersuchungen auf Anfrage nicht äußern. Am Montag kommt der Compliance-Ausschuss des ADAC in München zusammen und beschäftigt sich dabei auch mit der Finanzaffäre.

Kommentare (1)

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Matt Anderson

08.07.2015, 15:32 Uhr

Solche Geschäftsgebaren sind doch nun wirklich keine Aufregung mehr wert. Wie sollen Menschen im normalen Berufsleben noch Werte wie Anstand und Moral kennen können? Wer sich unsere Berufspolitiker-Kaste zum Vorbild nimmt, kann doch nur noch verrohen und abstumpfen. Frei nach dem Motto "Jedem das Seine, aber mir bitte das Meiste". Das bekommen alle Menschen in unserem Land von den Berufspolitikern tagtäglich vorgelebt. Wer sich heute noch anständig verhält, muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein. "Einsacken was geht und sch... auf deine Mitmenschen! Ich will immer nur das größte Stück vom Kuchen! Die anderen sollen sehen, wo sie bleiben! Von Merkel und Schäuble lernen, heißt Siegen lernen!"

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