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15.12.2014

15:06 Uhr

Neue Führungsqualitäten

Wir brauchen Empathie statt Ellenbogen!

VonCarina Kontio

Führungskräfte müssen längst nicht mehr durchsetzungsstark, ehrgeizig und zahlenorientiert sein. Der alte Standard reicht heute nicht mehr aus. Welche Qualitäten jetzt gefragt sind, weiß die Expertin Sabine Asgodom.

Sie ist eine Frau, die sich selbst erfunden hat, mehrfach sogar. Früher Journalistin, ist Sabine Asgodom heute eine der bekanntesten Vortragsrednerinnen und Managementtrainerinnen im deutschsprachigen Raum. (Quelle: www.asgodom.de)

Sie ist eine Frau, die sich selbst erfunden hat, mehrfach sogar. Früher Journalistin, ist Sabine Asgodom heute eine der bekanntesten Vortragsrednerinnen und Managementtrainerinnen im deutschsprachigen Raum.

(Quelle: www.asgodom.de)

Führungskräfte müssen durchsetzungsstark, ehrgeizig und zahlenorientiert sein. Das galt lange als Standard. Heute reicht das nicht mehr! Doch welche neuen Qualitäten sind jetzt gefragt? Was genau ist Empathie und warum brauchen wir die guten alten Ellenbogen nicht mehr? Darüber haben wir mit Sabine Asgodom, Management-Trainerin und Expertin für Selbst-PR, gesprochen.

Frau Asgodom, warum haben Sie eigentlich Ihre Karriere als Journalistin beim Magazin „Cosmopolitan“ an den Nagel gehängt?
Ich habe diese Aufgabe als Redakteurin für Karriere neun Jahre lang mit Herzblut erfüllt. Nebenbei hatte ich mir eine Zweitkarriere als Buchautorin, Rednerin und Coach aufgebaut und die ist so erfolgreich geworden, dass ich mich irgendwann entscheiden musste.

Die Entscheidung war wohl richtig, denn Sie sind heute sehr erfolgreich. Die „Financial Times“ zählt Sie als „Trainerin der Manager“ zu den 101 wichtigsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Wie sind Sie überhaupt zum Coaching gekommen?
Ich bin immer meinen Impulsen gefolgt und habe Berufliches verändert, wenn ich das Gefühl hatte, es ist Zeit für etwas Neues. Ich habe als Trainerin immer wieder die Frage gestellt bekommen, ob ich auch bereit wäre, Einzelgespräche zu führen und natürlich habe ich die gemacht. Vor 22 Jahren habe ich erfahren, dass man das „Coaching“ nennt. Ich habe drei Bücher dazu gelesen und festgestellt, dass ich genauso arbeite... und seither mache ich Coachings. Und bilde heute sogar Coaches aus.

Daran erkennen Sie einen guten Coach

Coach setzt klaren Zeitrahmen

Das Coaching soll vom Volumen her überschaubar sein. "Never-Ending-Stories" sollen vermieden werden auch, um Abhängigkeitsverhältnissen vorzubeugen.

Coach prüft, ob die Maßnahme überhaupt sinnvoll ist

Ein guter Coach prüft, ob Coaching für seinen Adressaten überhaupt die richtige Maßnahme ist. Das Interesse des Auftraggebers (also der Oraganisation oder des Unternehmens) muss sich mit den Interessen des Coachees nicht decken. Ein guter Coach muss aber die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen.

Der Coach sagt auch "nein".

Ein guter Coach lehnt Aufträge ab, wenn sie nicht seinen Kompetenzen entsprechen oder sich nicht mit seinen Schwerpunktthemen befassen. Damit gemeinsam definierte Ziele erreicht werden können, muss die Leistungserwartung des Klienten und das Leistungsvermögen des Coaches einander entsprechen.

Coach spricht über seine Methoden

Ein guter Coach benennt die einzelnen Prozessphasen explizit und stellt in Grundzügen sein methodisches und konzeptionelles Vorgehen dar. Der Auftraggeber soll genau überblicken können, worauf er sich einlässt.

Coach lässt Zeit zum Nachdenken

Die Entscheidung für ein Coaching soll der Klient bewusst und ohne Druck treffen - deshalb gibt ein guter Coach dem Klienten nach dem Kennenlerngespräch Bedenkzeit.

Coach erkennt seine Grenzen

Ein guter Coach erkennt Themen und Umstände, die zusätzlicher Beratung bedürfen und leitet diese ein. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Therapie, Eheberatung oder medizinische Behandlung handeln.

Quelle

Deutscher Bundesverband Coaching e.V. (Hrsg.): Checkliste für Auftraggeber und Klienten. Vorgelegt vom Fachausschuss Mittelstand. Osnabrück: 2010.

Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Coach aus?
Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit, zuhören zu können, Lebens- und Berufserfahrung, das Wissen, wann man wertet und der Spaß daran, Lösungen zu entwickeln.

Stichwort Ego-Marketing: Einige halten das für nichts als heiße Luft und plumpe Angeberei – wie präsentieren Sie sich angemessen?
Ich nenne es heute Visibility-Marketing, also die Kunst, sich zu zeigen und gesehen zu werden, so dass die Menschen, die einen Bezug dazu haben, uns finden können.

Welche Fähigkeit hilft Ihnen am stärksten in Ihrem Beruf?
Ich halte dabei nichts von Angeberei. Es reicht, wenn wir erzählen, was ist und uns so zeigen, wie wir sind. Das klingt vielleicht etwas ungewöhnlich, aber es ist meine Menschenliebe. Ich kann Menschen so nehmen, wie sie sind, ich mag zum Beispiel auch die Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen und verurteile (nicht mehr) Anderssein. Ich finde Menschen extrem spannend, bin neugierig auf ihre Geschichten und erfreue mich an ihnen.

Sie haben in diesem Jahr ihr 30. Buch veröffentlicht. Besteht da nicht irgendwann auch die Gefahr, sich zu wiederholen?
Da hilft mir sicher mein journalistischer Hintergrund, ich habe gelernt Fragen zu stellen, und auch die Frage hinter der Frage.

Sie promoten stark das Thema Empathie und Einfühlungsvermögen – gerade für Frauen in Top-Führungspositionen oder auf dem Weg dahin ist es aber leider oft so, dass man besondere Härte spürt. Ist das Selbstschutz oder notwendig, um sich zu behaupten?
Empathie heißt in diesem Fall auch, zu erspüren, warum Männer sind, wie sie sind. Mir hat das sehr geholfen, eine professionelle Basis zu Männern in Führungspositionen aufzubauen. Selbstschutz ist sicher nötig, zum Beispiel um Kränkungen auszuhalten beziehungsweise sie nicht an mich herankommen zu lassen – auch mit Hilfe eines Coaches.

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